Inhalt
Kurz gesagt: Eine feste Zahl gibt es nicht. Die Bibel nennt namentlich nur Michael und Gabriel, dazu Rafael im Buch Tobit. Die katholische und orthodoxe Tradition kennt daher drei Erzengel, apokryphe Schriften wie das Henochbuch nennen sieben. Die Zahl hängt davon ab, welche Texte man als maßgeblich ansieht.
Was ein Erzengel überhaupt ist
Das Wort setzt sich aus dem griechischen archi für „ober“ und angelos für „Bote“ zusammen. Gemeint ist ein Engel mit besonderer Stellung, kein eigenes Wesen anderer Art.
Im Neuen Testament taucht der Begriff nur zweimal auf, im Judasbrief und im ersten Thessalonicherbrief. Beide Stellen sagen nichts über eine Anzahl.
Die Vorstellung einer Rangordnung mit mehreren Stufen entstand später. Sie geht vor allem auf spätantike Autoren zurück, die Engel in Chöre einteilten.
Die zwei biblisch genannten
Michael erscheint im Danielbuch als Beschützer Israels und in der Offenbarung als Anführer im Kampf gegen den Drachen. Sein Name bedeutet „Wer ist wie Gott?“.
Gabriel erklärt im Danielbuch eine Vision und kündigt im Lukasevangelium die Geburt von Johannes und Jesus an. Sein Name bedeutet ungefähr „Gott ist meine Stärke“.
Beide werden in diesen Texten nicht ausdrücklich Erzengel genannt. Der Titel wurde ihnen erst durch die spätere Auslegung zugeschrieben.
Der dritte im Bunde
Rafael stammt aus dem Buch Tobit. Dort begleitet er den jungen Tobias auf einer Reise und heilt am Ende dessen erblindeten Vater — daher gilt er als Engel der Heilung.
Tobit gehört zu den Schriften, die in der katholischen und orthodoxen Bibel stehen, in evangelischen Ausgaben aber als Apokryphe geführt werden.
Genau daran hängt der Unterschied: Wer Tobit als biblisch ansieht, kommt auf drei namentlich bekannte Erzengel. Wer nicht, bleibt bei zwei.
Warum manchmal von sieben die Rede ist
Das äthiopische Henochbuch, eine jüdische Schrift aus vorchristlicher Zeit, nennt sieben Engel, die vor Gott stehen. Die Offenbarung des Johannes greift dieses Bild auf.
Die Namen der übrigen vier schwanken je nach Handschrift: Uriel, Raguel, Sariel, Remiel oder Jerachmiel tauchen in verschiedenen Kombinationen auf.
Weil diese Texte nicht in den Kanon aufgenommen wurden, gilt die Siebenzahl in den großen Kirchen nicht als verbindlich. In der Volksfrömmigkeit hat sie sich trotzdem gehalten.
Uriel als Sonderfall
Uriel ist der bekannteste der vier zusätzlichen Namen. In der orthodoxen Tradition wird er verehrt, in der katholischen Kirche wurde seine Anrufung im achten Jahrhundert eingeschränkt.
Der Hintergrund war eine Synode, die den Kult um nicht biblisch belegte Engelnamen begrenzen wollte. Erlaubt blieben die drei aus der Schrift.
In der Kunst und in esoterischer Literatur ist Uriel trotzdem präsent geblieben, meist als Engel des Lichts oder der Erkenntnis.
Der Blick in den Islam
Auch der Koran kennt hervorgehobene Engel. Dschibril überbringt die Offenbarung, Mikail ist für die Versorgung zuständig.
Dazu kommen Israfil, der am Ende der Zeit in die Posaune stößt, und der Todesengel, der in der Überlieferung Azrail genannt wird.
Eine Zählung als „Erzengel“ im christlichen Sinn gibt es dort nicht, wohl aber vier Engel mit besonderen Aufgaben.
Im Judentum
Die rabbinische Tradition kennt vier Engel um den göttlichen Thron: Michael, Gabriel, Uriel und Rafael, jeweils einer Himmelsrichtung zugeordnet.
Dieses Bild taucht in Gebeten vor dem Schlafengehen auf und ist in der jüdischen Volksfrömmigkeit weit verbreitet.
Auch hier gilt: Die Namen stammen überwiegend aus nachbiblischen Schriften, nicht aus der hebräischen Bibel selbst.
Die Rangordnung der Engel
Im späten fünften oder frühen sechsten Jahrhundert entwarf ein Autor, der unter dem Namen Dionysius Areopagita schrieb, eine Ordnung mit neun Engelchören.
Erzengel stehen darin überraschend weit unten, auf der vorletzten Stufe. Über ihnen rangieren unter anderem Throne, Cherubim und Seraphim.
Diese Einteilung prägte die mittelalterliche Theologie und die Kunst. Sie ist Auslegung, kein biblischer Befund.
Der Gedenktag
Die katholische Kirche feiert am 29. September das Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael. Früher hatten die drei getrennte Termine.
Der Tag heißt volkstümlich Michaelistag und war über Jahrhunderte ein wichtiger Termin für Pacht, Lohn und Erntezins.
In der evangelischen Kirche wird der Tag als Michaelis ebenfalls begangen, allerdings ohne Heiligenverehrung.
Michael als Schutzpatron
Michael gilt als Schutzpatron Deutschlands, der Soldaten, der Polizei und mehrerer Berufe, die mit Gefahr zu tun haben. Diese Zuschreibungen entstanden im Mittelalter.
Auf Bergen und Anhöhen wurden ihm besonders viele Kirchen geweiht, vom Mont-Saint-Michel in der Normandie bis zum Michaelsberg bei Bamberg.
Der Grund liegt in seiner Rolle als himmlischer Streiter: Erhöhte Orte galten als passender Platz für einen Engel, der gegen das Böse antritt.
Erzengel in der Kunst
Dargestellt werden Erzengel fast immer mit Flügeln, oft in Rüstung oder in liturgischen Gewändern. Die Flügel sind eine späte Erfindung, in frühchristlicher Kunst fehlen sie.
Michael trägt meist Schwert oder Lanze und eine Waage, mit der die Seelen gewogen werden. Gabriel hält eine Lilie, weil er Maria die Geburt ankündigt.
Rafael erscheint als Wanderer mit Stab und Fisch, in Anspielung auf die Reise mit Tobias. An diesen Attributen lassen sich die drei zuverlässig unterscheiden.
Was die Zahl praktisch bedeutet
Für die Theologie ist die genaue Anzahl nachrangig. Weder Bibel noch Koran legen Wert darauf, Engel zu zählen — sie beschreiben deren Aufgabe.
Interessanter als die Zahl ist deshalb die Funktion: Erzengel treten dort auf, wo eine Botschaft überbracht oder eine Entscheidung markiert wird.
Wer eine feste Zahl sucht, findet je nach Tradition zwei, drei, vier oder sieben. Alle vier Angaben lassen sich belegen, und keine davon ist falsch.
Häufige Fragen
Wie viele Erzengel nennt die Bibel?
Namentlich zwei, mit dem Buch Tobit drei.
Wer sind die drei bekanntesten?
Michael, Gabriel und Rafael.
Woher kommt die Zahl sieben?
Aus dem Henochbuch und der Offenbarung.
Ist Uriel ein Erzengel?
In der orthodoxen Tradition ja, katholisch nicht anerkannt.
Was bedeutet der Name Michael?
„Wer ist wie Gott?“
Gibt es Erzengel im Islam?
Vier Engel mit besonderen Aufgaben, ohne diesen Titel.
Wann ist der Gedenktag?
Am 29. September.
Wo stehen Erzengel in der Rangordnung?
Bei Dionysius auf der vorletzten von neun Stufen.
Wofür ist Michael Schutzpatron?
Unter anderem für Deutschland, Soldaten und Polizei.
Woran erkennt man Rafael?
An Wanderstab und Fisch.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Wie viele Monde gibt es? Mehr als 400 im Sonnensystem
- Wie viele Grundfarben gibt es? Drei – je nach Farbsystem
- Wie viele Transformers Filme gibt es? Sieben Realfilme
Von Susanne Bork, Redaktion frageecke.de. Jede Erklaerung wird an Beispielen geprueft.

Susanne erklärt digitale Alltagsdinge geduldig und Schritt für Schritt. Wer bei ihr liest, muss nichts vorher wissen.






