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Kurz gesagt: Zwei Gremien der Weltgesundheitsorganisation haben Aspartam 2023 bewertet — mit scheinbar widersprüchlichem Ergebnis. Die Krebsforschungsagentur IARC stufte es als „möglicherweise krebserregend“ ein. Der Sachverständigenausschuss JECFA behielt gleichzeitig die zulässige Tagesdosis von 40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht unverändert bei. Beides passt zusammen, wenn man weiß, was die Einstufung aussagt.
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Was die Einstufung bedeutet — und was nicht
Die IARC bewertet, wie belastbar die Hinweise auf eine krebserzeugende Wirkung sind. Sie bewertet nicht, wie stark das Risiko ist oder ab welcher Menge es eintritt.
Die Gruppe 2B — „möglicherweise krebserregend“ — ist die dritte von vier Stufen und bedeutet: Es gibt begrenzte Hinweise aus Untersuchungen am Menschen, mehr nicht. In derselben Gruppe stehen Aloe-vera-Extrakt und eingelegtes Gemüse nach asiatischer Art.
Zum Vergleich: Verarbeitetes Fleisch steht in Gruppe 1, also „krebserregend“ — dieselbe Gruppe wie Tabakrauch. Das heißt nicht, dass eine Scheibe Schinken so gefährlich ist wie eine Zigarette. Es heißt, dass die Beweislage bei beiden als gesichert gilt.
Diese Unterscheidung zwischen Beweislage und tatsächlichem Risiko ist der Kern der ganzen Verwirrung.
Was der JECFA-Ausschuss geprüft hat
Er beantwortet die andere Frage: Ab welcher Menge besteht ein Risiko? Sein Ergebnis war, dass die bisherige zulässige Tagesdosis von 40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht weiterhin trägt.
Für einen Menschen mit 70 Kilogramm sind das 2.800 Milligramm täglich. Um diese Menge zu erreichen, müsste man je nach Produkt etwa neun bis vierzehn Dosen Erfrischungsgetränk mit Aspartam trinken — jeden Tag, dauerhaft.
Die zulässige Tagesdosis enthält bereits einen Sicherheitsabstand. Sie wird üblicherweise mit einem Faktor von 100 unter die Menge gelegt, bei der in Tierversuchen kein Effekt zu beobachten war.
Was Aspartam im Körper wird
Aspartam ist kein exotischer Stoff, sondern zerfällt im Darm in drei Bestandteile, die auch aus normalem Eiweiß entstehen: die Aminosäuren Asparaginsäure und Phenylalanin sowie Methanol.
Das Methanol schreckt viele. Die Mengen sind allerdings klein — ein Glas Fruchtsaft oder eine Portion Tomaten liefern in derselben Größenordnung Methanol, weil es beim Abbau von Pektin entsteht.
Aspartam ist etwa 200-mal süßer als Zucker. Deshalb genügen winzige Mengen, und deshalb liefert es praktisch keine Kalorien.
Für wen es tatsächlich gefährlich ist
Für Menschen mit Phenylketonurie. Bei dieser angeborenen Stoffwechselkrankheit kann Phenylalanin nicht abgebaut werden; es reichert sich an und schädigt das Nervensystem.
Deshalb steht auf jedem Produkt mit Aspartam der Hinweis „enthält eine Phenylalaninquelle“. In Deutschland wird jedes Neugeborene im Rahmen des Neugeborenenscreenings darauf getestet.
Für alle anderen ist Phenylalanin harmlos — es steckt in jedem eiweißhaltigen Lebensmittel, in Fleisch und Milch in weit größeren Mengen als in einem Süßgetränk.
Die Frage, die wichtiger ist
Ob Süßstoffe beim Abnehmen helfen, ist weniger klar, als die Werbung nahelegt. Die Weltgesundheitsorganisation rät seit 2023 davon ab, Süßstoffe zur Gewichtskontrolle einzusetzen — nicht wegen einer akuten Gefahr, sondern weil ein langfristiger Nutzen nicht belegt ist.
Diskutiert werden mehrere Erklärungen: eine mögliche Wirkung auf die Darmflora, eine Beeinflussung der Süßgewöhnung und der schlichte Umstand, dass eingesparte Kalorien anderswo wieder aufgenommen werden.
Wie man sich sinnvoll verhält
Wer gelegentlich ein Getränk mit Süßstoff trinkt, muss sich keine Sorgen machen. Die zulässige Tagesdosis wird dabei nicht annähernd erreicht.
Wer täglich mehrere Liter Light-Getränke trinkt, sollte das ohnehin überdenken — nicht wegen des Aspartams, sondern weil Wasser die bessere Antwort auf Durst ist.
Und die Alternative ist nicht automatisch besser: Ein Getränk mit Zucker statt Süßstoff bringt Kalorien und belastet die Zähne. Die Wahl steht selten zwischen Süßstoff und nichts.
Wie die Zulassung zustande kam
Aspartam ist seit den 1980er-Jahren in der EU zugelassen und trägt die Nummer E 951. Es gehört zu den am gründlichsten untersuchten Zusatzstoffen überhaupt.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat den Stoff 2013 umfassend neu bewertet und dabei mehrere hundert Arbeiten ausgewertet. Ergebnis war die Bestätigung der zulässigen Tagesdosis, die in der EU bei 40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht liegt.
Zusatzstoffe müssen in der Zutatenliste stehen — entweder mit Namen oder mit E-Nummer. Bei Getränken steht zusätzlich der Hinweis „mit Süßungsmittel“ auf der Vorderseite.
Die anderen Süßstoffe
Wer Aspartam meiden möchte, findet Alternativen mit eigenen Eigenschaften.
- Sucralose ist hitzestabil und deshalb zum Backen geeignet.
- Acesulfam K wird oft mit anderen Süßstoffen gemischt, weil es allein einen leicht bitteren Nachgeschmack hat.
- Steviolglycoside stammen aus der Stevia-Pflanze und gelten als pflanzliche Alternative; der Eigengeschmack ist deutlich.
- Zuckeralkohole wie Erythrit und Xylit sind keine Süßstoffe im engeren Sinn. Sie liefern wenige Kalorien, wirken in größeren Mengen aber abführend. Xylit ist für Hunde giftig.
Keiner dieser Stoffe ist eindeutig besser. Für alle gilt derselbe Grundsatz: Sie sind für den gelegentlichen Gebrauch geprüft, nicht als Grundlage der täglichen Flüssigkeitsaufnahme gedacht.
Warum die Meldung 2023 so einschlug
Die beiden Bewertungen erschienen am selben Tag. In den Schlagzeilen landete die Einstufung als möglicherweise krebserregend, die unveränderte Tagesdosis meist erst weiter unten im Text.
Damit entstand der Eindruck einer neuen Warnung, obwohl sich an der Bewertung des tatsächlichen Risikos nichts geändert hatte. Die IARC hatte Aspartam zuvor nie eingestuft — die Einordnung in Gruppe 2B war also keine Verschärfung, sondern die erste Bewertung überhaupt.
Wer solche Meldungen künftig einordnen will, achtet auf zwei Fragen: Wer hat bewertet, und was genau wurde bewertet — die Beweislage oder das Risiko bei üblicher Aufnahme?
Häufige Fragen
Ist Aspartam krebserregend?
Es gilt als möglicherweise krebserregend – das beschreibt die Beweislage, nicht die Höhe des Risikos.
Wie viel darf man täglich aufnehmen?
40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht.
Wie viele Dosen Limonade wären das?
Bei 70 Kilogramm etwa neun bis vierzehn – täglich.
Wer muss Aspartam meiden?
Menschen mit Phenylketonurie.
Hilft Süßstoff beim Abnehmen?
Ein langfristiger Nutzen ist nicht belegt.
Ist Zucker die bessere Alternative?
Nicht zwangsläufig – am besten ist Wasser.
Welche E-Nummer hat Aspartam?
E 951.
Ist Stevia die bessere Wahl?
Nicht grundsätzlich – der Eigengeschmack ist stärker.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Was bedeutet iOS? Apples Betriebssystem einfach erklärt
- Was bedeutet bipolar? Bedeutung und Störung erklärt
- Was bedeutet Extraktion? Bedeutung in Chemie und Alltag
Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






