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Kurzantwort: Bipolar heißt wörtlich „zweipolig“. Im Alltag steht das Wort meist für die bipolare Störung, eine psychische Erkrankung mit dem Wechsel zwischen depressiven und manischen Phasen. In der Technik bezeichnet bipolar Bauteile oder Signale mit zwei Polen. Eine Diagnose stellt immer eine Ärztin oder ein Arzt, nicht ein Selbsttest im Netz.
Bipolar wird im Alltag oft locker benutzt, etwa wenn jemand schlechte Laune hat. Die Erkrankung, die damit gemeint ist, sieht anders aus. Ihre Phasen dauern Wochen bis Monate und verändern Antrieb, Denken und Schlaf.
Daneben gibt es die technische Bedeutung, die mit Gefühlen nichts zu tun hat. Auch dort geht es um zwei Pole, allerdings um elektrische.
Hier findest du beide Bedeutungen, die wichtigsten Zahlen zur bipolaren Störung sowie Hinweise, wo es Hilfe gibt. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Herkunft des Wortes
Bipolar setzt sich aus dem lateinischen „bi“ für „zwei“ und „polus“ zusammen, das auf das griechische „polos“ für Achse oder Pol zurückgeht. Wörtlich heißt es also „zweipolig“.
Das Gegenstück ist unipolar, also einpolig. In der Psychiatrie steht unipolar für eine Depression ohne manische Phasen.
Der ältere Name der Erkrankung lautet manisch-depressive Erkrankung. Er beschreibt dasselbe Bild und ist noch häufig zu hören.
Im internationalen Diagnoseverzeichnis der Weltgesundheitsorganisation ist die Erkrankung als eigene Gruppe geführt. In der bis vor Kurzem üblichen Fassung ICD-10 trägt sie den Schlüssel F31, in der neueren Fassung ICD-11 wurde die Einteilung überarbeitet.
Die bipolare Störung
Kennzeichnend ist der Wechsel zwischen zwei entgegengesetzten Zuständen, dazwischen liegen meist beschwerdefreie Zeiten.
In der manischen Phase ist die Stimmung gehoben oder gereizt. Typisch sind gesteigerter Antrieb, vermindertes Schlafbedürfnis, Rededrang, Ideenflucht, Überschätzung der eigenen Möglichkeiten und riskantes Verhalten, etwa hohe Ausgaben. Für die Diagnose einer Manie wird eine Dauer von mindestens einer Woche vorausgesetzt, für die schwächere Hypomanie mindestens vier Tage.
In der depressiven Phase kehrt sich das um: gedrückte Stimmung, Verlust von Interesse und Freude, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle. Eine depressive Episode dauert definitionsgemäß mindestens zwei Wochen.
Unterschieden werden mehrere Formen. Bei der Bipolar-I-Störung treten ausgeprägte Manien auf, bei der Bipolar-II-Störung Hypomanien zusammen mit depressiven Episoden. Die Zyklothymia beschreibt anhaltende Schwankungen in geringerer Ausprägung.
Bei einem Teil der Betroffenen treten Mischzustände auf, in denen Merkmale beider Pole gleichzeitig bestehen, etwa gedrückte Stimmung bei starker innerer Unruhe. Diese Zustände sind besonders belastend und schwerer zu erkennen.
Häufigkeit und Beginn
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen wird das Risiko, im Lauf des Lebens an einer Bipolar-I-Störung zu erkranken, auf 1,3 bis 1,8 Prozent geschätzt. Für die Bipolar-II-Störung werden 1 bis 3 Prozent angegeben.
Die Erkrankung beginnt meist früh. Der Krankheitsbeginn liegt häufig zwischen dem 20. und 24. Lebensjahr, erste Anzeichen zeigen sich oft schon im Jugendalter.
Zwischen den ersten Beschwerden und der richtigen Diagnose vergehen häufig Jahre. Ein Grund dafür ist, dass Betroffene meist in der depressiven Phase Hilfe suchen, während die Hypomanie als angenehm erlebt und deshalb nicht berichtet wird.
Zur Entstehung tragen mehrere Faktoren bei. Belegt ist ein deutlicher Einfluss der Veranlagung, dazu kommen Belastungen, einschneidende Lebensereignisse und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus. Eine einzelne Ursache lässt sich nicht benennen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose stellt eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, oft nach mehreren Gesprächen und mit Blick auf den bisherigen Verlauf. Fremdanamnese durch Angehörige hilft, weil Manien von außen deutlicher auffallen.
Für Deutschland gibt es eine gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen und der Fachgesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie beschreibt die Behandlung in drei Abschnitten: die Akutbehandlung der laufenden Phase, die anschließende Stabilisierung und die vorbeugende Langzeitbehandlung.
Zum Einsatz kommen stimmungsstabilisierende Medikamente, dazu je nach Phase weitere Wirkstoffe. Ergänzend werden Psychotherapie und Psychoedukation empfohlen, also die gemeinsame Arbeit an Frühwarnzeichen, Tagesstruktur und Schlaf. Regelmäßiger Schlaf ist besonders wichtig, weil Schlafmangel Phasen auslösen kann.
Wer akut in einer Krise steckt, findet Hilfe bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, rund um die Uhr und kostenfrei. Bei akuter Gefahr gilt die 112.
Für Angehörige ist die Stimmungskurve ein bewährtes Hilfsmittel. Darin werden Stimmung, Schlafdauer und Belastungen täglich notiert. So werden Muster sichtbar, lange bevor eine Phase voll ausgeprägt ist.
Was bipolar nicht bedeutet
Stimmungsschwankungen im Tagesverlauf sind keine bipolare Störung. Die Phasen der Erkrankung dauern in der Regel Wochen bis Monate.
Auch mit einer gespaltenen Persönlichkeit hat das Wort nichts zu tun. Diese Verwechslung entsteht durch die Nähe zum Begriff Schizophrenie, der eine andere Erkrankung bezeichnet.
Von der Borderline-Persönlichkeitsstörung unterscheidet sich das Bild ebenfalls. Dort wechseln Gefühle oft innerhalb von Stunden und stehen eng mit Beziehungserfahrungen in Verbindung.
Der lockere Gebrauch des Wortes für launische Menschen wird von Betroffenen häufig als abwertend erlebt, weil er eine ernste Erkrankung zu einer Charaktereigenschaft verkleinert.
Ebenso wenig ist die Erkrankung ein Zeichen von Willensschwäche. Sie ist gut untersucht, und viele Betroffene führen mit passender Behandlung ein stabiles Berufs- und Familienleben.
Bipolar in Technik und Politik
In der Elektronik ist der Bipolartransistor ein Bauteil, bei dem sowohl Elektronen als auch Löcher am Stromfluss beteiligt sind. Die Bauformen heißen npn und pnp.
Ein bipolares Signal nimmt positive und negative Spannungswerte an, ein unipolares nur Werte einer Richtung. In der Medizintechnik arbeitet die bipolare Elektrochirurgie mit zwei Elektroden, zwischen denen der Strom auf kurzem Weg fließt.
In der Politikwissenschaft beschreibt eine bipolare Ordnung eine Welt mit zwei Machtzentren, wie sie für die Zeit des Kalten Krieges beschrieben wird.
Häufige Fragen
Was bedeutet bipolar einfach erklärt?
Zweipolig. In der Psychiatrie: der Wechsel zwischen depressiven und manischen Phasen.
Wie häufig ist die bipolare Störung?
Das Lebenszeitrisiko wird für Bipolar I auf 1,3 bis 1,8 Prozent geschätzt, für Bipolar II auf 1 bis 3 Prozent.
Wie lange dauern die Phasen?
Meist Wochen bis Monate. Eine Manie wird ab einer Woche diagnostiziert, eine depressive Episode ab zwei Wochen.
Was ist der Unterschied zwischen Bipolar I und Bipolar II?
Bei Bipolar I treten ausgeprägte Manien auf, bei Bipolar II Hypomanien zusammen mit depressiven Episoden.
Ist bipolar dasselbe wie Borderline?
Nein. Bei Borderline wechseln Gefühle oft innerhalb von Stunden und hängen eng mit Beziehungserfahrungen zusammen.
Wo bekomme ich Hilfe?
Bei Hausarztpraxen, psychiatrischen Praxen und Ambulanzen. In Krisen hilft die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 rund um die Uhr, bei akuter Gefahr die 112.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen: Bipolare Störung
- DGBS: Verlauf der bipolaren Störung
- Wikipedia: Bipolare Störung
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