Wie viele Tiger gibt es auf der Welt? Rund 5.500 wild

Kurz gesagt: In freier Wildbahn leben nach aktuellen Schätzungen rund 5.500 Tiger. Um 2010 lag der Tiefstand bei etwa 3.200 Tieren — seither steigt die Zahl wieder, vor allem in Indien und Nepal. In Gefangenschaft leben deutlich mehr Tiger als in der Natur, allein in den USA schätzungsweise mehrere tausend.

Die Entwicklung der Zahl

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lebten vermutlich rund 100.000 Tiger in Asien. Bis 2010 war der Bestand auf etwa 3.200 Tiere zusammengeschrumpft.

2010 einigten sich die dreizehn Verbreitungsstaaten auf das Ziel, den Bestand bis 2022 zu verdoppeln. Erreicht wurde das Ziel nicht, aber die Trendwende gelang.

Der Zuwachs verteilt sich ungleich: Er stammt fast vollständig aus Indien, Nepal, Bhutan und Russland, während Südostasien weiter verliert.

Wo Tiger heute leben

Indien beherbergt mit rund drei Vierteln des Weltbestands die weitaus meisten Tiger. Die regelmäßige landesweite Zählung dort ist eine der größten Wildtiererfassungen überhaupt.

Weitere nennenswerte Bestände gibt es in Russland im Fernen Osten, in Nepal, Bhutan, Bangladesch, Thailand, Malaysia und Indonesien.

In Kambodscha, Laos und Vietnam gilt der Tiger als praktisch verschwunden. In China existieren nur noch Restvorkommen an der russischen Grenze.

Die Unterarten

Traditionell wurden neun Unterarten unterschieden, von denen drei ausgestorben sind: der Kaspische, der Bali- und der Javatiger.

Neuere genetische Arbeiten fassen die verbliebenen zu zwei Gruppen zusammen: Festlandtiger und Sundatiger. Diese Einteilung ist unter Fachleuten nicht unumstritten.

Praktisch relevant bleibt die alte Gliederung für den Artenschutz, weil Zuchtprogramme und Schutzgebiete darauf aufbauen.

Der Sibirische Tiger

Er ist die größte Unterart und lebt im russischen Fernen Osten, überwiegend in der Region Primorje. Der Bestand liegt bei mehreren hundert Tieren.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion brach die Wilderei ein, danach erholte sich die Population durch konsequenten Schutz.

Sein Lebensraum ist der Taigawald mit tiefen Wintertemperaturen. Kein anderes Vorkommen liegt so weit nördlich.

Wie gezählt wird

Standard sind Kamerafallen. Da jedes Tier ein individuelles Streifenmuster hat, lassen sich einzelne Tiger wiedererkennen und Bestände hochrechnen.

Ergänzt wird das durch Spurensuche, Kotproben und genetische Analysen. Die indische Erfassung setzt zehntausende Kameras über mehrere Monate ein.

Für Gebiete ohne systematische Erfassung existieren nur grobe Schätzungen. Ein Teil der Unsicherheit der Weltzahl stammt genau daher.

Die Bedrohungen

  • Wilderei für Fell, Knochen und Körperteile
  • Verlust und Zerschneidung des Lebensraums
  • Rückgang der Beutetiere durch Jagd
  • Konflikte mit Menschen und Vieh
  • Isolierte Kleinpopulationen mit geringer genetischer Vielfalt

Tiger in Gefangenschaft

In den Vereinigten Staaten leben nach Schätzungen mehrere tausend Tiger in privater Haltung, Zoos und Auffangstationen — vermutlich mehr als weltweit in freier Wildbahn.

In Asien existieren Zuchtfarmen, deren Tiere teils in den Handel gelangen. Sie stehen im Verdacht, den illegalen Markt zu bedienen und die Nachfrage lebendig zu halten.

Für den Schutz wildlebender Tiger tragen diese Tiere nichts bei. Eine Auswilderung ist bei Großkatzen praktisch nicht möglich.

Der Lebensraum

Tiger brauchen große Reviere mit ausreichend Beute. Ein einzelnes Männchen kann ein Gebiet von mehreren hundert Quadratkilometern beanspruchen.

Sie besiedeln sehr unterschiedliche Lebensräume: Mangrovenwälder in den Sundarbans, Grasland in Nepal, Bergwälder in Bhutan und Taiga in Russland.

Entscheidend ist weniger die Vegetation als die Dichte an Huftieren. Wo Hirsche und Wildschweine verschwinden, verschwinden auch die Tiger.

Korridore zwischen Schutzgebieten

Isolierte Reservate reichen nicht aus. Junge Tiger müssen abwandern können, sonst kommt es zu Inzucht und zu Konflikten innerhalb des Gebiets.

Deshalb arbeiten Schutzprogramme an Wanderkorridoren zwischen Reservaten, teils mit Grünbrücken über Straßen und Bahnlinien.

In Indien konkurriert dieser Ansatz mit dem Ausbau von Infrastruktur — ein Zielkonflikt, der jedes einzelne Projekt begleitet.

Menschen und Tiger

In dicht besiedelten Regionen kommt es regelmäßig zu Angriffen auf Menschen und Vieh. In den Sundarbans zwischen Indien und Bangladesch ist das seit Generationen Teil des Alltags.

Ausgleichszahlungen für gerissenes Vieh sind ein zentrales Instrument, um die Akzeptanz vor Ort zu erhalten.

Ohne diese Akzeptanz funktioniert kein Schutzprogramm. Das ist die Erfahrung aus allen Ländern, in denen sich Bestände erholt haben.

Der Tigertag

Seit 2010 gilt der 29. Juli als Internationaler Tag des Tigers. Er geht auf die Konferenz von Sankt Petersburg zurück, auf der die Verdopplung des Bestands vereinbart wurde.

Der Tag dient vor allem der Aufmerksamkeit und der Mittelbeschaffung für Schutzprogramme in den Verbreitungsstaaten.

Praktisch messbar ist der Effekt kaum, doch die politische Selbstverpflichtung von 2010 hat in Indien und Nepal nachweislich Programme angestoßen.

Warum Indien so erfolgreich ist

Das indische Tigerschutzprogramm läuft seit 1973 und stellt heute über fünfzig Reservate unter besonderen Schutz mit eigener Verwaltung und eigenen Wildhütern.

Dazu kommt eine landesweite Erfassung im Vierjahresrhythmus, die politisch verankert ist und deren Ergebnisse öffentlich diskutiert werden.

Diese Kombination aus dauerhafter Finanzierung, klaren Zuständigkeiten und öffentlicher Aufmerksamkeit fehlt in den Ländern, in denen die Bestände weiter fallen.

Was einzelne Menschen beitragen können

Produkte aus Tigerteilen sind in der EU verboten. Wer auf Reisen traditionelle Heilmittel kauft, sollte Inhaltsangaben prüfen — auch Pulver und Salben können betroffen sein.

Beim Tourismus lohnt der Blick auf den Anbieter: Angebote mit Streicheln oder Fotografieren junger Großkatzen sind ein Hinweis auf kommerzielle Zucht.

Seriöse Reservate halten Abstand und beschränken Fahrzeuge und Besucherzahlen. Das ist unbequemer und für die Tiere deutlich besser.

Häufige Fragen

Wie viele Tiger leben wild?

Rund 5.500 nach aktuellen Schätzungen.

Wann war der Tiefstand?

Um 2010 bei etwa 3.200 Tieren.

Welches Land hat die meisten?

Indien mit rund drei Vierteln des Bestands.

Wie viele Unterarten gibt es?

Sechs lebende, drei sind ausgestorben.

Wie werden Tiger gezählt?

Über Kamerafallen anhand des Streifenmusters.

Leben mehr Tiger in Gefangenschaft?

Vermutlich ja, allein in den USA mehrere tausend.

Wie groß ist ein Revier?

Bis zu mehrere hundert Quadratkilometer.

Was bedroht Tiger am meisten?

Wilderei und Verlust des Lebensraums.

Wann ist der Tag des Tigers?

Am 29. Juli.

Warum steigt der Bestand in Indien?

Wegen eines seit 1973 laufenden Schutzprogramms.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

Nach oben scrollen