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Kurz gesagt: Die Behauptung, Fremdgehen sei gut für eine Beziehung, lässt sich mit Studien nicht belegen. Untersuchungen zeigen überwiegend das Gegenteil: höhere Trennungswahrscheinlichkeit, belastende Folgen für beide Seiten und häufig anhaltendes Misstrauen. Was Betroffene rückblickend gelegentlich als hilfreich beschreiben, ist meist nicht der Seitensprung selbst, sondern die Auseinandersetzung danach. Wer offene Beziehungsformen sucht, findet mit abgesprochener Nichtmonogamie den ehrlicheren Weg.
Wie häufig es vorkommt
Repräsentative Erhebungen kommen für westliche Länder auf Werte um zwanzig Prozent bei Männern und etwas darunter bei Frauen, die im Lauf einer langen Beziehung mindestens einmal fremdgegangen sind. Die Zahlen schwanken erheblich, weil die Definition unterschiedlich gefasst wird. Manche Studien zählen nur Sex, andere auch emotionale Beziehungen.
Der Abstand zwischen den Geschlechtern hat sich über die Jahrzehnte verringert, vor allem weil die Werte bei Frauen gestiegen sind. Fachleute führen das auf veränderte Erwerbstätigkeit und größere Unabhängigkeit zurück. Auch die Bereitschaft zu antworten hat sich verändert.
Alle diese Zahlen beruhen auf Selbstauskunft zu einem Thema, bei dem viele nicht ehrlich antworten. Die tatsächlichen Werte dürften höher liegen. Genaue Angaben sind nicht möglich.
Welche Motive die Forschung findet
Eine viel zitierte Untersuchung fand acht Hauptmotive: Ärger auf den Partner, geringes Selbstwertgefühl, fehlende Liebe, geringe Bindung, Wunsch nach Abwechslung, Gefühl der Vernachlässigung, sexuelles Verlangen und die Gelegenheit. Sexuelles Verlangen war dabei nicht das häufigste Motiv. Beziehungsprobleme standen deutlich im Vordergrund.
Interessant ist, dass die Motive den Verlauf danach beeinflussen: Wer aus Ärger handelt, sucht oft die Konfrontation, wer aus Gelegenheit handelt, verschweigt es eher. Auch die Bereitschaft, an der Beziehung zu arbeiten, unterschied sich deutlich. Das zeigt, wie wenig einheitlich das Phänomen ist.
Nicht bestätigt hat sich die verbreitete Annahme, unbefriedigender Sex sei die Hauptursache. In vielen Fällen berichteten Betroffene von zufriedenstellender Sexualität in der Beziehung. Der Grund lag woanders.
Was die Folgen sind
Studien zeigen deutlich erhöhte Trennungsraten nach einem Seitensprung, wobei ein erheblicher Teil der Paare zusammenbleibt. Bei denjenigen, die zusammenbleiben, sind Beziehungszufriedenheit und Vertrauen im Durchschnitt über Jahre niedriger als vorher. Vollständige Wiederherstellung ist möglich, aber nicht die Regel.
Bei betrogenen Partnern werden häufig depressive Symptome, Angst und ein deutlicher Selbstwerteinbruch beschrieben. Die psychische Belastung ähnelt in Untersuchungen der nach anderen Vertrauensbrüchen. Sie hält oft länger an als erwartet.
Auch bei denjenigen, die fremdgehen, sind die Folgen nicht durchweg positiv: Schuldgefühle, ständige Verheimlichung und die Belastung durch die Doppelrolle werden regelmäßig genannt. Der erwartete Gewinn stellt sich häufig nicht ein.
Woher die These vom guten Seitensprung kommt
Populäre Bücher und Interviews argumentieren, ein Seitensprung könne eine erstarrte Beziehung aufbrechen und ein Paar zwingen, endlich über Wünsche zu sprechen. Diese Beobachtung stammt aus therapeutischer Praxis, nicht aus kontrollierten Studien. Sie beschreibt Einzelfälle.
Was in solchen Fällen wirkt, ist die anschließende Auseinandersetzung, nicht der Vertrauensbruch selbst. Dieselbe Auseinandersetzung wäre auch ohne ihn möglich gewesen, allerdings ohne den entstandenen Schaden. Genau darauf weisen Paartherapeuten hin.
Ein zweiter Strang der Argumentation verweist auf Nichtmonogamie in anderen Kulturen und auf Verhaltensforschung bei Tieren. Beides sagt wenig darüber, ob eine bestimmte Beziehung davon profitiert. Der Schluss vom Allgemeinen auf den Einzelfall trägt nicht.
Der ehrliche Weg
Wer sich mit ausschließlicher Zweierbeziehung nicht wohlfühlt, hat die Möglichkeit, das anzusprechen und offene Beziehungsformen zu vereinbaren. Solche Absprachen sind kein Fremdgehen, weil der Vertrauensbruch fehlt. Untersuchungen finden bei einvernehmlicher Nichtmonogamie ähnliche Zufriedenheitswerte wie bei monogamen Paaren.
Voraussetzung sind klare Absprachen, Ehrlichkeit über Grenzen und die Bereitschaft, Regeln anzupassen. Ohne diese Grundlage entstehen dieselben Probleme wie beim Fremdgehen. Beratungsstellen und Paartherapeuten begleiten solche Gespräche.
Auch die Trennung ist eine legitime Option, wenn eine Beziehung nicht mehr passt. Sie ist unangenehm, aber ehrlicher als ein Doppelleben. Für beide Seiten entstehen dadurch weniger Folgeschäden.
Wenn es passiert ist
Paartherapeutische Ansätze arbeiten in drei Phasen: Krisenstabilisierung, Aufarbeitung der Bedeutung und Neuaufbau von Vertrauen. Studien zu strukturierter Paartherapie zeigen brauchbare Erfolgsquoten, wenn beide Seiten mitarbeiten. Ohne Bereitschaft beider funktioniert es nicht.
Wichtig ist, ob die Beziehung zum Dritten beendet wurde und ob Transparenz hergestellt wird. Halbe Wahrheiten verlängern die Krise erheblich. Gleichzeitig ist ein Übermaß an Details selten hilfreich.
Anlaufstellen sind Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen der Kommunen und Wohlfahrtsverbände, die häufig kostenfrei oder nach Einkommen gestaffelt arbeiten. Wartezeiten von einigen Wochen sind üblich. Bei akuter Belastung helfen Krisendienste sofort.
Die rechtliche Seite
In Deutschland ist Ehebruch seit 1969 nicht mehr strafbar, und seit der Reform von 1977 gilt im Scheidungsrecht das Zerrüttungsprinzip statt des Schuldprinzips. Wer fremdgeht, hat deshalb im Regelfall keine finanziellen Nachteile bei Scheidung oder Unterhalt. Das überrascht viele Betroffene.
Ausnahmen gibt es nur in eng begrenzten Härtefällen, etwa bei besonders schwerwiegendem Fehlverhalten. Sie werden von Gerichten zurückhaltend angewandt. Ein Seitensprung allein genügt nicht.
Auch heimliche Überwachung des Partners ist rechtlich problematisch: Das Mitlesen von Nachrichten, GPS-Tracker und Detektive greifen in Persönlichkeitsrechte ein. Solche Beweise sind vor Gericht meist unverwertbar. Zudem können sie eigene Ansprüche auslösen.
Was Beziehungen stabil hält
Die Längsschnittforschung zu Partnerschaften nennt regelmäßig dieselben Faktoren: gemeinsame Zeit, wertschätzende Kommunikation, ein fairer Umgang mit Konflikten und die Bereitschaft, Wünsche offen anzusprechen. Der Umgang mit Streit sagt dabei mehr über die Stabilität aus als die Häufigkeit von Streit. Paare, die reparieren können, halten länger.
Auffällig ist, dass Zufriedenheit weniger von großen Ereignissen abhängt als von vielen kleinen Alltagssignalen. Beobachtungsstudien beschreiben das als Reaktion auf Zuwendungsversuche des Partners. Wer sie regelmäßig übergeht, senkt die Zufriedenheit messbar.
Wer unzufrieden ist, hat damit mehrere Wege, bevor er sich für einen Vertrauensbruch entscheidet. Ein Gespräch, eine Beratung oder eine ehrliche Neuverhandlung der Beziehung sind Alternativen. Sie sind unbequemer, aber wirksamer.
Häufige Fragen
Ist Fremdgehen gut für eine Beziehung?
Studien belegen das nicht.
Wie häufig kommt es vor?
Etwa jeder fünfte Mann berichtet davon.
Was sind die häufigsten Motive?
Beziehungsprobleme, nicht vor allem Sex.
Trennen sich Paare danach?
Die Trennungsrate steigt deutlich.
Kann eine Beziehung sich erholen?
Ja, aber es dauert und beide müssen mitarbeiten.
Was ist einvernehmliche Nichtmonogamie?
Offene Beziehungsformen mit klarer Absprache.
Ist Ehebruch strafbar?
In Deutschland seit 1969 nicht mehr.
Wirkt es sich auf den Unterhalt aus?
Nur in seltenen Härtefällen.
Was hält Beziehungen stabil?
Vor allem der Umgang mit Konflikten und Alltagszuwendung.
Quellen
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Geschrieben von David Lenk fuer frageecke.de. Strittige Faelle werden als strittig gekennzeichnet.

David bastelt an Handys, Rechnern und WLAN und schreibt auf, was beim Einrichten wirklich hakt.






