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Kurz gesagt: Amtliche Zahlen gibt es nicht — die sexuelle Orientierung wird in Deutschland nicht erfasst. In großen Umfragen bezeichnen sich etwa zwei bis vier Prozent der Männer als schwul, bei jüngeren Jahrgängen liegen die Werte deutlich höher. Rechnet man Bisexuelle hinzu, steigt der Anteil weiter. Die Spanne erklärt sich vor allem durch die Fragestellung und die Bereitschaft zu antworten.
Warum es keine amtliche Zahl gibt
Weder das Melderegister noch der Zensus erfassen die sexuelle Orientierung, weil sie zu den besonders geschützten personenbezogenen Daten gehört. Eine Erhebung wäre nur freiwillig und anonym möglich. Deshalb liegen ausschließlich Umfragedaten vor.
Erfasst wird lediglich die Zahl gleichgeschlechtlicher Ehen und Lebensgemeinschaften, die das Statistische Bundesamt ausweist. Diese Zahl liegt im niedrigen sechsstelligen Bereich. Sie sagt nichts über die Gesamtzahl aus, weil längst nicht alle in einer eingetragenen Partnerschaft leben.
Auch Studien der Antidiskriminierungsstelle und wissenschaftlicher Institute beruhen auf Befragungen. Sie sind sorgfältig erhoben, aber freiwillig. Das begrenzt ihre Aussagekraft.
Was die Umfragen ergeben
Große europäische Erhebungen kommen für Deutschland auf etwa zwei bis vier Prozent Männer, die sich als schwul bezeichnen. Zählt man bisexuelle Männer hinzu, liegen die Werte bei fünf bis sieben Prozent. Bei Frauen sind die Anteile ähnlich verteilt, mit höherem Anteil bisexueller Selbstbezeichnungen.
Fragt man stattdessen nach Anziehung oder Erfahrungen statt nach Bezeichnung, steigen die Werte deutlich. Diese Differenz ist seit Jahrzehnten in vielen Ländern beobachtet worden. Sie zeigt, dass Selbstbezeichnung und Erleben auseinanderfallen können.
Wer eine Zahl zitiert, sollte daher immer angeben, was genau gefragt wurde. Ohne diese Angabe sind Vergleiche zwischen Studien wertlos. Genau daran scheitern die meisten Diskussionen.
Der Unterschied zwischen den Generationen
In Befragungen der letzten Jahre bezeichnen sich unter jüngeren Erwachsenen deutlich mehr Menschen als nicht heterosexuell als unter Älteren, teils mit zweistelligen Prozentwerten. Fachleute führen das überwiegend auf größere Offenheit zurück, nicht auf veränderte Orientierung. Ältere Jahrgänge wuchsen unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen auf.
Wer in einer Zeit erwachsen wurde, in der Homosexualität strafbar war, hat die eigene Orientierung möglicherweise nie öffentlich benannt. Der Paragraf 175 galt in seiner Grundform bis 1969 und wurde erst 1994 vollständig gestrichen. Diese Erfahrung wirkt bis heute nach.
Für Prognosen bedeutet das: Die Werte werden vermutlich weiter steigen, ohne dass sich die tatsächliche Verteilung ändert. Das ist ein Effekt der Sichtbarkeit. Ähnliches wurde in vielen Ländern beobachtet.
Regionale Unterschiede
Sichtbarkeit konzentriert sich in Großstädten, was zu dem Eindruck führt, dort lebten deutlich mehr schwule Männer. Tatsächlich spielt Zuzug eine große Rolle: Viele ziehen aus ländlichen Regionen in Städte mit offenerem Klima. Die Verteilung der Orientierung selbst dürfte gleichmäßiger sein.
Berlin, Köln und Hamburg haben eine besonders sichtbare Szene mit eigenen Vierteln, Vereinen und Veranstaltungen. Der Christopher Street Day findet inzwischen in über hundert deutschen Städten statt. Auch kleinere Orte richten ihn aus.
Studien zur Lebenssituation zeigen, dass Diskriminierungserfahrungen auf dem Land häufiger genannt werden. Beratungsangebote sind dort dünner. Das ist ein Schwerpunkt der Landesprogramme.
Rechtliche Entwicklung
Die Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Handlungen zwischen Männern wurde 1969 gelockert und 1994 vollständig aufgehoben. 2017 wurden die Urteile aufgehoben und Entschädigungen ermöglicht. Im selben Jahr trat die Ehe für alle in Kraft.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt seit 2006 vor Benachteiligung wegen der sexuellen Identität, unter anderem im Arbeitsleben. Seit 2025 dürfen schwule Männer ohne Sonderregeln Blut spenden, nachdem frühere Ausschlüsse aufgehoben wurden. Maßgeblich ist nun individuelles Risikoverhalten.
Trotz dieser Entwicklung berichten Betroffene weiterhin von Diskriminierung im Alltag und am Arbeitsplatz. Erhebungen der Antidiskriminierungsstelle dokumentieren das regelmäßig. Der rechtliche Rahmen ist dabei nur ein Teil.
Wo es Beratung gibt
Beratungsstellen führen die Landesverbände, queere Zentren und Vereine wie der Lesben- und Schwulenverband. Viele Städte haben eigene Ansprechstellen. Die Angebote sind kostenfrei und vertraulich.
Für Jugendliche gibt es spezielle Angebote, telefonisch und online, mit geschulten Beraterinnen und Beratern. Auch Elternberatung ist Teil des Angebots. Die Kontakte sind bundesweit verfügbar.
Bei Diskriminierungserfahrungen ist die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine Anlaufstelle. Sie berät kostenfrei und vermittelt weiter. Fristen für rechtliche Schritte sind dabei zu beachten.
Wie solche Umfragen gemacht werden
Verlässliche Erhebungen arbeiten mit großen Zufallsstichproben und stellen die Frage in einem Block mit anderen persönlichen Angaben, damit sie nicht herausfällt. Anonymität und die Möglichkeit, am Bildschirm statt im Gespräch zu antworten, erhöhen die Ehrlichkeit messbar. Persönliche Interviews liefern regelmäßig niedrigere Werte.
Online-Umfragen mit selbst gewählter Teilnahme sind dagegen wenig aussagekräftig, weil sich Menschen mit Interesse am Thema überproportional beteiligen. Solche Ergebnisse kursieren trotzdem häufig in Medien. Ein Blick auf die Methode entlarvt sie schnell.
Der Eurobarometer der Europäischen Kommission und der Sozio-oekonomische Panel gehören zu den seriösen Quellen für Deutschland. Beide erheben regelmäßig und mit gleichbleibender Methode. Dadurch sind Zeitvergleiche möglich.
Was Sichtbarkeit verändert
Über die letzten Jahrzehnte hat sich die Zustimmung zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in Deutschland deutlich erhöht, in Umfragen von einer Minderheit auf eine breite Mehrheit. Diese Verschiebung ist in allen Altersgruppen messbar, am stärksten bei jüngeren Befragten. Sie erklärt einen Teil der steigenden Selbstauskünfte.
Gleichzeitig zeigt die polizeiliche Kriminalstatistik in den letzten Jahren steigende Zahlen bei Straftaten gegen die sexuelle Orientierung. Fachleute führen das teils auf mehr Anzeigen, teils auf tatsächlich mehr Taten zurück. Beides lässt sich aus der Statistik allein nicht trennen.
Für die Frage nach der Zahl bedeutet das: Selbstauskünfte hängen am gesellschaftlichen Klima, nicht nur an der Verteilung selbst. Zeitvergleiche messen deshalb immer beides. Das ist bei der Auslegung zu berücksichtigen.
Häufige Fragen
Wie viele Schwule gibt es in Deutschland?
Umfragen nennen zwei bis vier Prozent der Männer.
Gibt es amtliche Zahlen?
Nein, die Orientierung wird nicht erfasst.
Warum schwanken die Werte?
Wegen unterschiedlicher Fragestellungen.
Sind die Zahlen bei Jüngeren höher?
Ja, deutlich.
Leben mehr Schwule in Städten?
Sie sind dort sichtbarer, auch durch Zuzug.
Seit wann ist die Ehe geöffnet?
Seit 2017.
Wann fiel Paragraf 175 ganz weg?
1994.
Wo gibt es Beratung?
Bei queeren Zentren und Landesverbänden.
Welche Umfragen sind verlässlich?
Große Zufallsstichproben mit anonymer Beantwortung.
Warum steigen die Umfragewerte?
Vor allem wegen größerer Offenheit.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Wie viele Steuerzahler gibt es in Deutschland? Die Zahlen
- Wie viele Pensionäre gibt es in Deutschland? Aktuelle Zahlen
- Wie viele Flughäfen gibt es in Deutschland? Die Zahlen
Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






