Wie viele Steuerzahler gibt es in Deutschland? Die Zahlen

Kurz gesagt: Es kommt darauf an, welche Steuer gemeint ist. Lohn- oder Einkommensteuer zahlen rund 30 Millionen Menschen, während etwa 40 Millionen steuerlich veranlagt werden. Umsatzsteuer zahlt dagegen praktisch jeder, der einkauft — auch Kinder und Rentner. Eine einzige Zahl gibt es deshalb nicht.

Warum die Frage mehrdeutig ist

Steuerzahler ist kein rechtlicher Begriff, sondern Alltagssprache. Das Steuerrecht kennt Steuerpflichtige, Steuerschuldner und Steuerträger, und diese drei Gruppen sind nicht identisch. Bei der Umsatzsteuer etwa schuldet das Unternehmen die Steuer, getragen wird sie vom Kunden.

Wer nach der Zahl der Steuerzahler fragt, meint meist die Einkommen- oder Lohnsteuer. Dann geht es um Personen mit steuerpflichtigem Einkommen oberhalb des Grundfreibetrags. Alle anderen zahlen zwar Verbrauchsteuern, aber keine Einkommensteuer.

Diese Unterscheidung ist keine Spitzfindigkeit: Sie entscheidet darüber, ob die Antwort bei 30 Millionen oder bei über 80 Millionen liegt. Beide Zahlen sind richtig. Sie beantworten verschiedene Fragen.

Lohn- und Einkommensteuer

Steuerlich erfasst werden jedes Jahr rund 40 Millionen Steuerpflichtige, wobei zusammen veranlagte Ehepaare als ein Fall gezählt werden. Tatsächlich Steuer zahlen davon etwa 30 Millionen. Der Rest bleibt unterhalb des Grundfreibetrags oder erhält gezahlte Steuer vollständig zurück.

Der Grundfreibetrag sichert das Existenzminimum und wird regelmäßig angehoben. Wer darunter bleibt, zahlt keine Einkommensteuer. Für Rentner mit kleinen Renten und für Studierende trifft das häufig zu.

Die Verteilung ist stark ungleich: Ein kleiner Teil der Steuerpflichtigen trägt einen großen Teil des Aufkommens. Das obere Zehntel zahlt mehr als die Hälfte der Einkommensteuer. Diese Zahlen veröffentlicht das Bundesfinanzministerium regelmäßig.

Die Umsatzsteuer

Umsatzsteuer fällt auf fast jeden Einkauf an, mit dem Regelsatz von 19 Prozent und dem ermäßigten Satz von 7 Prozent. Getragen wird sie vom Endverbraucher, abgeführt vom Unternehmen. Damit zahlt sie jeder, unabhängig von Alter und Einkommen.

Gemessen am Aufkommen ist die Umsatzsteuer neben der Lohnsteuer die wichtigste Einnahmequelle des Staates. Beide zusammen machen den Großteil der Steuereinnahmen aus. Alle anderen Steuerarten fallen dagegen deutlich ab.

Weil sie unabhängig vom Einkommen erhoben wird, belastet die Umsatzsteuer kleine Einkommen anteilig stärker. Der ermäßigte Satz auf Lebensmittel soll das abmildern. Ob er das leistet, ist umstritten.

Weitere Steuern, die alle zahlen

Neben der Umsatzsteuer gibt es Verbrauchsteuern auf Energie, Strom, Tabak, Kaffee, Alkohol und weitere Waren. Sie sind im Preis enthalten und werden von den meisten Menschen nicht als Steuer wahrgenommen. Ihr Anteil am Endpreis ist teils erheblich.

Bei Kraftstoff machen Energiesteuer und Umsatzsteuer zusammen einen großen Teil des Literpreises aus. Bei Tabak liegt der Steueranteil noch höher. Diese Steuern treffen alle Käufer gleichermaßen.

Hinzu kommen Grundsteuer, die über die Miete weitergegeben wird, und Kfz-Steuer für Fahrzeughalter. Auch sie zahlen Menschen ohne Einkommensteuerpflicht. In der Summe zahlt praktisch jeder Steuern.

Wie viele Steuererklärungen abgegeben werden

Jedes Jahr werden rund 30 Millionen Einkommensteuererklärungen eingereicht, ein großer Teil davon elektronisch. Für Arbeitnehmer ist die Abgabe oft freiwillig, lohnt sich aber meist. Die durchschnittliche Erstattung liegt im mittleren dreistelligen bis vierstelligen Bereich.

Pflicht zur Abgabe besteht unter anderem bei mehreren Arbeitsverhältnissen, bei bestimmten Steuerklassenkombinationen, bei Lohnersatzleistungen über einer Grenze und bei Nebeneinkünften. Die Fristen sind gesetzlich geregelt. Bei Beauftragung eines Steuerberaters verlängern sie sich.

Viele Berechtigte verzichten auf die freiwillige Abgabe und verschenken damit Geld. Die Frist dafür beträgt vier Jahre rückwirkend. Wer sie verstreichen lässt, verliert den Anspruch.

Wer wie viel trägt

Die Einkommensteuer ist progressiv gestaltet: Der Steuersatz steigt mit dem Einkommen, beginnend beim Eingangssatz und endend beim Spitzensatz. Dazu kommt für sehr hohe Einkommen ein zusätzlicher Satz. Die Progression sorgt dafür, dass höhere Einkommen anteilig mehr zahlen.

Der Solidaritätszuschlag wird seit 2021 nur noch von einem kleinen Teil der Steuerpflichtigen erhoben. Für die große Mehrheit ist er entfallen. Die Kirchensteuer zahlen nur Mitglieder der erhebenden Religionsgemeinschaften.

Insgesamt ergibt sich ein System, in dem direkte Steuern progressiv und indirekte Steuern regressiv wirken. Die Gesamtwirkung wird regelmäßig untersucht. Die Ergebnisse hängen stark von der gewählten Methode ab.

Wo die Zahlen stehen

Die Lohn- und Einkommensteuerstatistik des Statistischen Bundesamts erscheint mit mehreren Jahren Verzögerung, weil sie auf abgeschlossenen Veranlagungen beruht. Sie ist dafür sehr detailliert. Aufkommenszahlen veröffentlicht das Bundesfinanzministerium monatlich.

Wer eine Zahl nennt, sollte Jahr und Abgrenzung angeben. Ohne diese Angaben lassen sich Werte aus verschiedenen Quellen nicht vergleichen. Genau daraus entstehen die meisten Missverständnisse in Diskussionen.

Für einen schnellen Überblick eignen sich die Datensammlungen des Ministeriums, die alle Steuerarten mit Aufkommen und Empfänger auflisten. Sie erscheinen jährlich. Der Zugang ist kostenfrei.

Unternehmen als Steuerzahler

Neben natürlichen Personen zahlen auch Unternehmen Steuern, vor allem Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer. In Deutschland gibt es mehrere Millionen umsatzsteuerpflichtige Unternehmen, von der Einzelfirma bis zum Konzern. Ihre Zahl wird vom Statistischen Bundesamt geführt.

Die Gewerbesteuer ist die wichtigste eigene Einnahmequelle der Gemeinden und wird über einen örtlichen Hebesatz festgelegt. Deshalb unterscheidet sich die Belastung zwischen Gemeinden erheblich. Einzelne Orte werben gezielt mit niedrigen Sätzen.

Ein erheblicher Teil des Steueraufkommens von Unternehmen stammt von wenigen großen Zahlern. Fällt ein großer Betrieb aus, gerät ein Gemeindehaushalt schnell in Schieflage. Diese Abhängigkeit ist ein bekanntes Strukturproblem.

Der Steuerzahlergedenktag

Einmal im Jahr veröffentlicht ein Verband einen Termin, ab dem Bürger rechnerisch für die eigene Tasche arbeiten. Er beruht auf einer volkswirtschaftlichen Abgabenquote, nicht auf der individuellen Belastung. Für Einzelpersonen sagt der Termin deshalb wenig aus.

Die Berechnung wird von Wirtschaftsforschern regelmäßig kritisiert, weil sie Sozialbeiträge und Steuern zusammenfasst und Gegenleistungen ausblendet. Wer Beiträge zahlt, erwirbt damit Ansprüche. Eine Steuer ist dagegen eine Zahlung ohne unmittelbare Gegenleistung.

Als Kommunikationsmittel ist der Termin wirksam, als Kennzahl umstritten. Wer ihn zitiert, sollte die Methode kennen. Die Abgabenquote selbst wird von OECD und Statistischem Bundesamt regelmäßig berechnet.

Häufige Fragen

Wie viele Steuerzahler gibt es?

Rund 30 Millionen zahlen Einkommen- oder Lohnsteuer.

Zahlen alle Menschen Steuern?

Über die Umsatzsteuer praktisch ja.

Wie viele werden veranlagt?

Etwa 40 Millionen Steuerpflichtige.

Was ist der Grundfreibetrag?

Der steuerfreie Betrag zur Sicherung des Existenzminimums.

Wer trägt den größten Teil?

Das obere Zehntel zahlt über die Hälfte der Einkommensteuer.

Wie viele Erklärungen werden abgegeben?

Rund 30 Millionen jährlich.

Wie lange kann man rückwirkend abgeben?

Freiwillig vier Jahre.

Zahlen alle den Soli?

Nein, nur noch ein kleiner Teil.

Zahlen auch Unternehmen Steuern?

Ja, vor allem Körperschaft- und Gewerbesteuer.

Was ist der Steuerzahlergedenktag?

Ein berechneter Termin auf Basis der Abgabenquote.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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