Wie viele Wörter gibt es im Deutschen? Zahlen und Grenzen

Kurz gesagt: Der Rechtschreibduden führt rund 148.000 Stichwörter. Der Gesamtwortschatz der deutschen Gegenwartssprache wird auf 300.000 bis 500.000 Wörter geschätzt, große Korpora enthalten mehrere Millionen Wortformen. Eine exakte Zahl gibt es nicht, weil sich im Deutschen jederzeit neue Wörter zusammensetzen lassen.

Warum es keine feste Zahl gibt

Das Deutsche bildet Komposita, also zusammengesetzte Wörter, praktisch ohne Grenze. Aus Haus und Tür wird Haustür, daraus Haustürschlüssel, daraus Haustürschlüsselanhänger. Jede dieser Bildungen ist ein korrektes Wort, auch wenn es in keinem Wörterbuch steht.

Damit ist die Zahl der möglichen Wörter grundsätzlich unbegrenzt. Wörterbücher können deshalb nur den Bestand erfassen, der tatsächlich häufig verwendet wird. Alles andere entsteht bei Bedarf und verschwindet wieder.

Hinzu kommen Fachsprachen: Allein in Chemie und Medizin existieren hunderttausende Fachbegriffe, die nie in ein allgemeines Wörterbuch gelangen. Ob man sie mitzählt, verändert das Ergebnis um Größenordnungen. Auch das macht eine feste Zahl unmöglich.

Was der Duden führt

Der Rechtschreibduden enthält in aktuellen Auflagen rund 148.000 Stichwörter. Mit jeder Auflage kommen mehrere tausend neue dazu, während einige veraltete gestrichen werden. Die Auswahl trifft eine Redaktion nach Häufigkeit im schriftlichen Sprachgebrauch.

Neu aufgenommen werden Wörter, die über mehrere Jahre in verschiedenen Quellen belegt sind. Kurzlebige Modewörter schaffen es deshalb selten hinein. Die Aufnahme ist keine Bewertung, sondern eine Feststellung des Gebrauchs.

Das Duden-Korpus, auf dem diese Entscheidungen beruhen, umfasst Milliarden von Wortformen aus Zeitungen, Büchern und Netztexten. Darin lassen sich Häufigkeit und Entwicklung eines Wortes ablesen. Diese Datenbasis ist deutlich größer als das gedruckte Wörterbuch.

Der geschätzte Gesamtwortschatz

Sprachwissenschaftliche Schätzungen für den Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache liegen bei 300.000 bis 500.000 Wörtern. Diese Spanne umfasst allgemeinsprachliche Wörter ohne enge Fachbegriffe. Sie ist eine Größenordnung, kein exakter Wert.

Rechnet man Fachsprachen mit, steigen die Schätzungen auf mehrere Millionen. Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm, über mehr als hundert Jahre bearbeitet, erfasst rund 320.000 Stichwörter aus mehreren Jahrhunderten. Es ist damit historisch, nicht gegenwartssprachlich.

Digitale Korpora des Instituts für Deutsche Sprache enthalten viele Milliarden Wortformen. Sie zeigen, wie ungleich der Gebrauch verteilt ist. Wenige tausend Wörter decken den größten Teil aller Texte ab.

Wie viele Wörter man kennt

Der aktive Wortschatz eines Erwachsenen — also die Wörter, die er selbst verwendet — wird auf 12.000 bis 16.000 Wörter geschätzt. Der passive Wortschatz, also das Verstehen, liegt mit 50.000 bis 100.000 Wörtern deutlich höher. Beide Werte schwanken stark mit Bildung und Lesegewohnheiten.

Kinder verfügen beim Schuleintritt über einige tausend Wörter und erweitern ihren Wortschatz vor allem durch Lesen. Vorlesen und selbstständiges Lesen sind dafür die wirksamsten Wege. Fernsehen trägt deutlich weniger bei.

Für alltägliche Verständigung genügen erstaunlich wenige Wörter: Rund 1.000 Wörter decken einen großen Teil gesprochener Alltagssprache ab. Deshalb funktionieren Grundwortschatzlisten im Sprachunterricht so gut. Der Sprung zur Fachsprache ist anschließend der schwierige Teil.

Wie neue Wörter entstehen

Neue Wörter entstehen durch Zusammensetzung, Ableitung, Entlehnung aus anderen Sprachen und Kurzwortbildung. Die Zusammensetzung ist im Deutschen der mit Abstand produktivste Weg. Ableitungen entstehen über Vor- und Nachsilben.

Entlehnungen stammen heute überwiegend aus dem Englischen, historisch aus dem Lateinischen und Französischen. Der Anteil englischer Lehnwörter am Gesamtwortschatz ist jedoch kleiner, als die öffentliche Debatte vermuten lässt. Er liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Manche Wörter verschwinden ebenso schnell, wie sie entstehen. Wörterbücher dokumentieren das durch Streichungen. Was einmal drin war, bleibt in älteren Auflagen nachlesbar.

Das längste deutsche Wort

Weil Komposita beliebig lang werden können, gibt es kein längstes Wort im eigentlichen Sinn. Bekannt geworden ist ein Rechtsbegriff aus einem Landesgesetz mit dreiundsechzig Buchstaben, der 2013 aufgehoben wurde. Er stand nie im Duden.

Der Duden führt als längstes Stichwort ein Wort mit rund fünfunddreißig Buchstaben. Praktisch verwendet wird es kaum. Die Beispiele dienen vor allem der Anschauung.

In Fachsprachen, besonders in der Chemie, sind noch längere Bildungen üblich. Sie folgen festen Benennungsregeln. Als Wörter im gewöhnlichen Sinn gelten sie kaum.

Der Vergleich mit anderen Sprachen

Vergleiche zwischen Sprachen sind schwierig, weil jede Sprache anders zählt. Das Englische wird oft mit über 600.000 Wörtern angegeben, weil das große Oxford-Wörterbuch auch veraltete und regionale Formen erfasst. Andere Zählweisen kommen auf deutlich weniger.

Das Deutsche schneidet in solchen Vergleichen scheinbar schlechter ab, obwohl es durch Komposita eine unbegrenzte Bildungsfähigkeit hat. Wo das Englische zwei Wörter nebeneinanderstellt, schreibt das Deutsche eines. Die Zählung bestraft diese Eigenschaft.

Aussagekräftig sind solche Ranglisten deshalb kaum. Sie messen die Größe von Wörterbüchern, nicht die Ausdruckskraft einer Sprache. Fachleute raten von solchen Vergleichen ab.

Wo man nachschlägt

Für den gegenwärtigen Sprachgebrauch sind das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache und die Korpora des Instituts für Deutsche Sprache die wichtigsten Quellen. Beide sind kostenfrei zugänglich. Sie zeigen Belege, Häufigkeiten und zeitliche Entwicklungen.

Für Rechtschreibung und Aufnahme neuer Wörter ist der Duden die verbreitetste Referenz, verbindlich für Behörden und Schulen ist jedoch das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung. Beide stimmen weitgehend überein. Bei Abweichungen gilt das amtliche Regelwerk.

Wer eine Zahl in einem Text nennt, sollte dazuschreiben, was gezählt wurde. Ohne diese Angabe ist jede Zahl beliebig. Genau daran scheitern die meisten Diskussionen über Wortschatzgrößen.

Häufige Fragen

Wie viele Wörter hat das Deutsche?

Geschätzt 300.000 bis 500.000, ohne feste Grenze.

Wie viele stehen im Duden?

Rund 148.000 Stichwörter.

Warum gibt es keine exakte Zahl?

Weil sich Wörter beliebig zusammensetzen lassen.

Wie viele Wörter kennt ein Erwachsener?

Aktiv etwa 12.000 bis 16.000.

Wie viele braucht man im Alltag?

Rund tausend decken das meiste ab.

Wie entstehen neue Wörter?

Vor allem durch Zusammensetzung.

Was ist das längste deutsche Wort?

Es gibt keines, Komposita sind unbegrenzt.

Hat Englisch mehr Wörter?

Nur nach bestimmten Zählweisen.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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