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Kurz gesagt: In der Türkei leben rund 85 Millionen Menschen. Dazu kommt eine Diaspora von etwa sechs Millionen, überwiegend in Westeuropa, davon rund drei Millionen in Deutschland. Wie viele davon sich als Türken verstehen, hängt von der Definition ab: Die Türkei erhebt keine ethnische Zugehörigkeit, und im Land leben auch Kurden, Araber und weitere Gruppen.
Die Einwohnerzahl der Türkei
Das türkische Statistikamt weist eine Bevölkerung von rund 85 Millionen aus, ermittelt über ein adressbasiertes Melderegister. Eine klassische Volkszählung findet seit 2007 nicht mehr statt. Die Zahlen werden jährlich aktualisiert.
Die Bevölkerung wächst noch, allerdings deutlich langsamer als in früheren Jahrzehnten. Die Geburtenrate ist unter das Niveau gefallen, das zum Erhalt nötig wäre. Prognosen sehen den Höhepunkt in den nächsten Jahrzehnten.
Hinzu kommen mehrere Millionen Menschen mit Schutzstatus, vor allem aus Syrien. Sie sind in der Bevölkerungsstatistik teils gesondert ausgewiesen. Das erklärt Unterschiede zwischen einzelnen Quellen.
Warum die Zahl unklar ist
Die türkische Verfassung definiert Staatsbürgerschaft und Nationalität gemeinsam, weshalb amtlich alle Staatsbürger als Türken gelten. Eine Erhebung der ethnischen Zugehörigkeit findet nicht statt. Aussagen über die Zahl ethnischer Türken beruhen daher auf Schätzungen.
Größte Minderheit sind die Kurden mit geschätzt 14 bis 20 Millionen Menschen, dazu kommen Araber, Tscherkessen, Lasen, Armenier, Griechen und weitere Gruppen. Zusammen machen sie einen erheblichen Anteil aus. Genaue Zahlen gibt es nicht.
Wer nach der Zahl der Türken fragt, meint deshalb oft Staatsbürger, manchmal Sprecher des Türkischen und manchmal eine ethnische Zuordnung. Alle drei Definitionen liefern andere Zahlen. Ohne Angabe der Definition ist jede Zahl unvollständig.
Die Diaspora
Außerhalb der Türkei leben schätzungsweise sechs Millionen Menschen türkischer Herkunft, der überwiegende Teil in Westeuropa. Deutschland beherbergt mit rund drei Millionen die größte Gemeinschaft. Es folgen Frankreich, die Niederlande, Österreich und Belgien.
Die Zuwanderung begann mit dem Anwerbeabkommen von 1961, das zunächst auf befristete Aufenthalte ausgelegt war. Aus der geplanten Rückkehr wurde in vielen Fällen dauerhafte Ansiedlung. Familiennachzug und Geburten führten zu mehreren Generationen.
Auch außerhalb Europas gibt es Gemeinschaften, unter anderem in den Vereinigten Staaten, Australien und Kanada. Sie sind deutlich kleiner. Zusätzlich leben türkischsprachige Bevölkerungen auf Zypern und in mehreren Balkanstaaten.
Türken in Deutschland
In Deutschland leben rund drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln, davon inzwischen die Mehrheit mit deutscher Staatsangehörigkeit. Die Zahl türkischer Staatsangehöriger liegt bei gut einer Million. Beide Zahlen werden häufig verwechselt.
Seit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts 2024 ist Mehrstaatigkeit allgemein zulässig, was Einbürgerungen erleichtert. Vorher mussten die meisten Antragsteller die bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben. Diese Regel hatte lange gebremst.
Die dritte und vierte Generation ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Für sie ist die Frage nach der Zahl der Türken zunehmend eine der Selbstbeschreibung. Statistiken bilden das nur unvollständig ab.
Turkvölker und Türken
Zu unterscheiden ist zwischen Türken im Sinne der Türkei und den Turkvölkern insgesamt, zu denen unter anderem Aserbaidschaner, Usbeken, Kasachen, Turkmenen, Kirgisen, Uiguren und Tataren zählen. Zusammen sind das über 170 Millionen Menschen. Sie sprechen verwandte Sprachen.
Diese Sprachen bilden die Turksprachen, deren Verwandtschaft von Anatolien bis nach Sibirien reicht. Einige sind untereinander verständlich, andere nicht. Türkisch und Aserbaidschanisch stehen sich besonders nahe.
Wer Zahlen über hundert Millionen liest, meint deshalb meist die Turkvölker insgesamt. Für die Türkei allein trifft das nicht zu. Auch hier entscheidet die Definition.
Die Sprache
Türkisch wird von rund 80 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen und ist damit die meistgesprochene Turksprache. Sie wird seit 1928 in lateinischer Schrift geschrieben, davor in arabischer. Die Umstellung war Teil der Reformen unter Atatürk.
Die Sprache ist agglutinierend, das heißt, Bedeutungen werden durch Anhängen von Silben gebildet. Sie ist weder mit dem Arabischen noch mit dem Persischen verwandt, obwohl viele Lehnwörter daraus stammen. Diese Verwechslung ist verbreitet.
In Deutschland gehört Türkisch zu den am häufigsten gesprochenen Sprachen nach Deutsch. An mehreren Universitäten wird es als Studienfach angeboten. Auch herkunftssprachlicher Unterricht existiert in mehreren Bundesländern.
Die Altersstruktur
Die Türkei hat im Vergleich zu Westeuropa eine junge Bevölkerung: Das Medianalter liegt bei rund vierunddreißig Jahren, in Deutschland bei über fünfundvierzig. Diese Struktur ist Ergebnis hoher Geburtenraten in den vergangenen Jahrzehnten. Sie verschiebt sich derzeit spürbar.
Die Geburtenrate ist von über fünf Kindern je Frau in den sechziger Jahren auf unter zwei gefallen. Damit liegt sie unter dem Wert, der die Bevölkerung langfristig konstant hielte. Regierungsprogramme zur Förderung von Familien haben daran wenig geändert.
Für die kommenden Jahrzehnte bedeutet das eine schnelle Alterung, ähnlich wie in südeuropäischen Staaten. Renten- und Gesundheitssystem stehen dadurch unter Druck. Die Entwicklung ist gut vorhersehbar.
Städte und Regionen
Istanbul ist mit über fünfzehn Millionen Einwohnern die größte Stadt und zugleich die größte Stadt Europas, gefolgt von Ankara und Izmir. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung lebt im Westen des Landes. Der Osten ist deutlich dünner besiedelt.
Die Verstädterung verlief sehr schnell: Noch in den sechziger Jahren lebte die Mehrheit auf dem Land, heute sind es über drei Viertel in Städten. Diese Wanderung prägte die Stadtentwicklung erheblich. Ganze Stadtviertel entstanden zunächst informell.
Für die Diaspora in Deutschland spielt die Herkunftsregion bis heute eine Rolle, weil viele Familien aus Zentralanatolien und dem Schwarzmeergebiet stammen. Ortsvereine und Netzwerke bilden das ab. Sie sind teils seit Jahrzehnten aktiv.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen leben in der Türkei?
Rund 85 Millionen.
Wie groß ist die Diaspora?
Etwa sechs Millionen.
Wie viele leben in Deutschland?
Rund drei Millionen mit türkischen Wurzeln.
Erfasst die Türkei die Volkszugehörigkeit?
Nein.
Wer ist die größte Minderheit?
Die Kurden.
Was sind Turkvölker?
Sprachverwandte Völker von Anatolien bis Sibirien.
Wie viele sprechen Türkisch?
Rund 80 Millionen als Muttersprache.
Seit wann wird lateinisch geschrieben?
Seit 1928.
Wie alt ist die Bevölkerung im Schnitt?
Das Medianalter liegt bei rund vierunddreißig Jahren.
Welche Stadt ist die größte?
Istanbul mit über fünfzehn Millionen Einwohnern.
Quellen
Das passt dazu
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Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






