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Kurzantwort: Rhetorisch heißt „die Redekunst betreffend“ oder „auf sprachliche Wirkung zielend“. Das Wort kommt vom griechischen rhētōr für Redner. Eine rhetorische Frage ist eine Frage, auf die keine Antwort erwartet wird. Abwertend bedeutet „nur rhetorisch“ so viel wie: gut formuliert, aber ohne Inhalt.
Das Adjektiv hat zwei Gesichter. Im Fachgebrauch ist es neutral und bezeichnet alles, was mit Redekunst zu tun hat.
Im Alltag schwingt oft ein Vorwurf mit. Wer von einem rhetorischen Manöver spricht, meint selten ein Kompliment.
Diese Übersicht klärt beide Bedeutungen, die Herkunft, die rhetorische Frage, die wichtigsten Stilmittel und den Aufbau einer Rede nach klassischem Muster.
Zu unterscheiden ist außerdem das Fach von der Fähigkeit. Rhetorik als Fach untersucht, wie Reden wirken. Rhetorisches Geschick ist die Fähigkeit, das anzuwenden.
Die beiden Bedeutungen
Die erste Bedeutung ist sachlich: rhetorisch ist alles, was die Redekunst betrifft. Eine rhetorische Schulung ist ein Redetraining.
Die zweite Bedeutung zielt auf Wirkung. Ein rhetorischer Kniff ist ein sprachlicher Trick, der überzeugen soll.
Daraus entsteht die abwertende Lesart. „Das ist nur rhetorisch gemeint“ heißt: hübsch gesagt, ohne Substanz dahinter.
Welche Bedeutung gilt, verrät der Zusammenhang. In Lehrbüchern ist das Wort neutral, in Kommentaren meist kritisch.
Das zugehörige Substantiv ist die Rhetorik, die Person ist der Rhetoriker oder die Rhetorikerin.
Häufige Verbindungen sind rhetorische Frage, rhetorische Figur, rhetorisches Mittel und rhetorisches Geschick. In allen vier Fällen ist das Wort neutral gemeint.
Herkunft des Begriffs
Rhetorisch geht auf das griechische rhētorikḗ téchnē zurück, die Kunst des Redners. Das Grundwort ist rhḗtōr, der Redner.
Über das lateinische rhetorica kam der Begriff in die europäischen Sprachen.
In der Antike war Rhetorik ein Schulfach. Wer vor Gericht oder in der Volksversammlung sprach, musste sie beherrschen.
Im Mittelalter gehörte sie zum Trivium, den drei sprachlichen Grundfächern neben Grammatik und Dialektik.
Der Buchstabe h nach dem R ist ein Rest der griechischen Schreibung. Er wird nicht gesprochen.
Bekannte Redner der Antike waren Demosthenes in Athen und Cicero in Rom. Ihre Reden wurden über Jahrhunderte als Vorlage im Unterricht gelesen.
Die rhetorische Frage
Eine rhetorische Frage ist als Frage gebaut, erwartet aber keine Antwort. Die Antwort gilt als bekannt oder ist im Satz schon enthalten.
„Wer will das schon?“ ist ein Beispiel. Gemeint ist die Aussage: Das will niemand.
Der Zweck ist Zustimmung. Wer die Frage im Kopf beantwortet, folgt der Argumentation ein Stück weit von selbst.
Am Ende steht ein Fragezeichen, weil die Satzform eine Frage ist. In manchen Texten steht stattdessen ein Ausrufezeichen, um die Wirkung zu betonen.
In Reden und Werbetexten ist das Mittel häufig. Zu viele solcher Fragen hintereinander wirken allerdings aufdringlich.
Nicht jede Frage in einer Rede ist rhetorisch. Wer nachfragt und tatsächlich eine Antwort erwartet, stellt eine gewöhnliche Frage.
Wichtige rhetorische Mittel
Die Anapher wiederholt ein Wort am Anfang aufeinanderfolgender Sätze. Sie erzeugt Nachdruck und Rhythmus.
Die Alliteration setzt gleiche Anfangslaute nebeneinander, etwa in „Milch macht müde Männer munter“.
Die Metapher überträgt ein Bild auf eine andere Sache. Vom Fuß des Berges zu sprechen ist eine.
Die Hyperbel übertreibt bewusst: „Ich habe es dir tausendmal gesagt.“
Die Klimax steigert in mehreren Schritten, etwa von „gut“ über „besser“ zu „unschlagbar“.
Die Ironie sagt das Gegenteil des Gemeinten und verlässt sich darauf, dass die Zuhörer das bemerken.
Der Parallelismus baut zwei Sätze gleich auf, damit ihr Inhalt vergleichbar wirkt.
Die Fachbegriffe stammen meist aus dem Griechischen oder Lateinischen. Für das Verstehen eines Textes reicht es, die Wirkung zu erkennen, auch ohne den Namen zu kennen.
Ethos, Pathos, Logos
Aristoteles beschreibt in seiner Schrift „Rhetorik“ drei Mittel, mit denen ein Redner überzeugt.
Ethos ist die Glaubwürdigkeit der Person. Wer als sachkundig und redlich gilt, wird eher geglaubt.
Pathos ist die Wirkung auf das Gefühl der Zuhörerschaft. Empörung, Mitgefühl und Stolz gehören dazu.
Logos ist die Sache selbst, also das Argument mit Begründung und Beleg.
Die drei Mittel wirken zusammen. Ein Vortrag nur mit Zahlen erreicht wenige, ein Vortrag nur mit Gefühl hält der Nachfrage nicht stand.
Aristoteles unterscheidet zusätzlich drei Redegattungen: die Gerichtsrede, die Beratungsrede in der Volksversammlung und die Festrede. Jede hat ein eigenes Ziel.
Der Aufbau einer Rede
Die antike Lehre teilt die Arbeit des Redners in fünf Schritte, die officia oratoris.
Die inventio ist das Finden des Stoffes: Welche Argumente und Beispiele gibt es überhaupt?
Die dispositio ordnet sie. Was kommt zuerst, was ans Ende, wo steht der stärkste Punkt?
Die elocutio ist die sprachliche Ausarbeitung, also die Wortwahl und die Stilmittel.
Die memoria ist das Einprägen, die actio der Vortrag mit Stimme, Pausen und Gestik.
Ausführlich beschrieben hat dieses System der römische Lehrer Quintilian in seinem Werk „Institutio oratoria“.
Wer selbst eine Rede vorbereitet, kann diese fünf Schritte als Ablaufplan benutzen. Sie sind über zweitausend Jahre alt und funktionieren bis heute.
Häufige Fragen
Was ist eine rhetorische Frage?
Eine Frage, auf die keine Antwort erwartet wird, weil sie im Satz bereits mitschwingt.
Ist rhetorisch negativ gemeint?
Im Fachgebrauch nicht. Erst Wendungen wie „nur rhetorisch“ geben dem Wort einen abwertenden Klang.
Woher kommt das Wort?
Vom griechischen rhētōr für Redner, über das lateinische rhetorica.
Was bedeutet Ethos, Pathos, Logos?
Glaubwürdigkeit, Gefühlswirkung und Sachargument — die drei Überzeugungsmittel bei Aristoteles.
Was ist der Unterschied zwischen Rhetorik und Stilmittel?
Rhetorik ist die gesamte Lehre vom wirkungsvollen Reden. Stilmittel sind einzelne Werkzeuge darin.
Wie spricht man rhetorisch aus?
Mit Betonung auf dem o: rhe-to-risch. Das h nach dem R bleibt stumm.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
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Geschrieben von Clara, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






