Ist alkoholfreies Bier schädlicher als normales Bier?

Kurz gesagt: Nein. Alkoholfreies Bier ist nicht schädlicher als normales — die Behauptung hält keiner Prüfung stand. Es enthält weniger Kalorien, keinen nennenswerten Alkohol und dieselben Mineralstoffe. Was stimmt: Es ist nicht immer völlig alkoholfrei, und für zwei Personengruppen ist es tatsächlich ungeeignet.

Woher der Mythos kommt

Drei Punkte werden immer wieder angeführt: der Restalkohol, der Zuckergehalt und die Verarbeitung. Alle drei stimmen im Kern, aber keiner trägt den Schluss.

Der Restalkohol

In Deutschland darf ein Bier als alkoholfrei bezeichnet werden, wenn es höchstens 0,5 Volumenprozent Alkohol enthält. Das ist keine Lücke im Gesetz, sondern eine bewusste Grenze — vollständige Alkoholfreiheit ist beim Brauen technisch aufwendig.

Zum Vergleich: Reifer Fruchtsaft, Kefir, Sauerkraut und manche Brotsorten liegen in derselben Größenordnung oder darüber. Ein reifer Apfel kann mehr Alkohol enthalten als ein alkoholfreies Bier.

Wer ein Getränk mit tatsächlich null Prozent will, greift zu Produkten, die ausdrücklich mit 0,0 % gekennzeichnet sind. Diese Angabe ist zusätzlich geregelt.

Bei 0,5 Prozent müsste ein Erwachsener mehrere Liter in kurzer Zeit trinken, um überhaupt einen messbaren Blutalkoholwert zu erreichen — der Körper baut die Menge schneller ab, als sie zugeführt werden kann.

Der Zucker

Hier steckt ein wahrer Kern. Bei einem Herstellungsverfahren wird die Gärung frühzeitig gestoppt, damit erst gar kein Alkohol entsteht. Der Restzucker bleibt dann im Getränk.

Solche Biere schmecken süßlicher und enthalten mehr Kohlenhydrate als ein durchgegorenes Bier. Der Kaloriengehalt liegt dennoch deutlich unter dem des alkoholhaltigen Pendants, weil Alkohol mit sieben Kilokalorien je Gramm der energiereichste Bestandteil ist.

Beim zweiten Verfahren wird normal vergoren und der Alkohol anschließend entzogen — durch Vakuumdestillation oder Membranfilter. Diese Biere enthalten kaum Restzucker.

Welches Verfahren verwendet wurde, steht meist nicht auf dem Etikett. Die Nährwerttabelle verrät es aber: Ein hoher Kohlenhydratwert deutet auf gestoppte Gärung hin.

Was dafür spricht

Alkoholfreies Bier ist isotonisch — die Konzentration gelöster Teilchen entspricht ungefähr der des Blutes. Dadurch wird es schnell aufgenommen. Es enthält Kalium, Magnesium, Folsäure und B-Vitamine aus dem Malz sowie sekundäre Pflanzenstoffe aus dem Hopfen.

Deshalb steht es in vielen Sportlerkabinen. Es ersetzt keine gezielte Regeneration, taugt aber als Getränk nach Belastung.

Und der wesentliche Punkt: Wer ein alkoholfreies statt eines normalen Bieres trinkt, nimmt keinen Alkohol auf. Alkohol ist ein Zellgift und ein anerkannter Krebsauslöser. Jedes ersetzte Glas ist ein Gewinn.

Für wen es dennoch nicht geeignet ist

Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit in der Vorgeschichte. Geschmack, Geruch, Flaschenform und das Ritual können den Suchtdruck auslösen. Suchtberatungsstellen raten deshalb ab — nicht wegen der 0,5 Prozent, sondern wegen der Reize drumherum.

In der Schwangerschaft. Für Alkohol in der Schwangerschaft gibt es keine als sicher geltende Menge. Wer nicht verzichten möchte, sollte zu ausgewiesenen 0,0-Prozent-Produkten greifen.

Für Kinder gilt: In Deutschland darf alkoholfreies Bier verkauft werden, viele Fachleute halten es aber für ungünstig, weil es das Getränk und sein Ritual früh vertraut macht.

Wie alkoholfreies Bier gebraut wird

Es gibt zwei grundsätzliche Wege, und sie führen zu deutlich verschiedenen Getränken.

Gestoppte Gärung. Die Hefe wird durch Kälte oder Filtration gebremst, bevor sie den Zucker vollständig zu Alkohol umgesetzt hat. Das Verfahren ist einfach und günstig. Ergebnis: mehr Restzucker, ein süßlicher, oft würziger Geschmack — die typische Note, die viele mit alkoholfreiem Bier verbinden.

Alkoholentzug. Das Bier wird normal fertig vergoren, anschließend wird der Alkohol wieder entfernt. Bei der Vakuumdestillation nutzt man den niedrigen Siedepunkt unter vermindertem Druck, damit die Aromastoffe nicht durch Hitze zerstört werden. Bei der Membranfiltration presst man das Bier durch feine Filter, die Alkohol und Wasser passieren lassen, größere Aromamoleküle aber zurückhalten.

Der Alkoholentzug ist aufwendiger und teurer, liefert aber ein Bier, das dem Original geschmacklich näherkommt und kaum Restzucker enthält.

Daneben gibt es eine dritte Möglichkeit: spezielle Hefen, die von vornherein wenig Alkohol bilden. Sie kommen zunehmend zum Einsatz.

Der Vergleich in Zahlen

Ein halber Liter Pils mit 4,8 Volumenprozent liegt bei etwa 200 bis 220 Kilokalorien. Dieselbe Menge alkoholfreies Bier kommt je nach Herstellung auf etwa 90 bis 130.

Der Unterschied kommt fast vollständig vom Alkohol. Er liefert sieben Kilokalorien je Gramm — mehr als Zucker mit vier und fast so viel wie Fett mit neun. Wer den Alkohol entfernt, entfernt den größten Energieträger.

Beim Zucker liegen die Werte je nach Verfahren zwischen etwa 2 und 6 Gramm je 100 Milliliter. Wer darauf achtet, findet die Angabe in der Nährwerttabelle unter Kohlenhydraten.

Was auf dem Etikett steht — und was nicht

„Alkoholfrei“ bedeutet in Deutschland bis zu 0,5 Volumenprozent.

„0,0 %“ ist eine zusätzliche, strengere Auslobung.

„Alkoholarm“ ist etwas anderes und erlaubt bis zu 1,2 Volumenprozent — dieser Begriff wird leicht überlesen.

Nicht auf dem Etikett steht in der Regel das Herstellungsverfahren. Wer wissen will, ob gestoppt oder entzogen wurde, findet den Hinweis am ehesten auf der Internetseite der Brauerei oder erkennt es am Kohlenhydratwert.

Auch die Deklaration der Zutaten hilft weiter: Steht dort mehr als Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, wurde nachgesüßt oder aromatisiert.

Häufige Fragen

Ist alkoholfreies Bier schädlicher als normales?

Nein.

Wie viel Alkohol ist enthalten?

Bis zu 0,5 Volumenprozent, bei 0,0-Produkten praktisch nichts.

Enthält es mehr Zucker?

Bei gestoppter Gärung ja, bei entzogenem Alkohol nicht.

Darf man es in der Schwangerschaft trinken?

Nur ausgewiesene 0,0-Produkte, und auch die zurückhaltend.

Kann man davon betrunken werden?

Praktisch nicht – der Abbau ist schneller als die Aufnahme.

Ist es für Sportler sinnvoll?

Als isotonisches Getränk nach Belastung ja.

Wie wird alkoholfreies Bier hergestellt?

Durch gestoppte Gärung oder durch nachträglichen Alkoholentzug.

Was bedeutet alkoholarm?

Bis zu 1,2 Volumenprozent – deutlich mehr als alkoholfrei.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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