Warum ist die Luftqualität so schlecht? Die Ursachen

Kurz gesagt: Schlechte Luftqualität entsteht fast immer aus zwei Faktoren zugleich: Emissionen aus Verkehr, Heizung, Industrie und Landwirtschaft – und einer Wetterlage, die den Austausch verhindert. Bei windstillem Hochdruck mit Inversion sammelt sich alles am Boden. Aktuelle Werte veröffentlicht das Umweltbundesamt stündlich.

Die Emissionen sind an einem schlechten Tag nicht höher als sonst. Der Unterschied liegt im Wetter.

Die Inversionswetterlage

Normalerweise wird es nach oben kälter, warme Luft steigt auf und nimmt Schadstoffe mit.

Bei einer Inversion liegt eine warme Luftschicht über einer kalten. Die kalte Luft am Boden kann nicht aufsteigen – sie sitzt fest wie unter einem Deckel.

Solche Lagen treten vor allem im Winter bei Hochdruck und Windstille auf. Sie sind der Hauptgrund für Belastungsspitzen bei Feinstaub.

Die Quellen

Feinstaub. Verkehr – auch durch Reifen- und Bremsabrieb, nicht nur aus dem Auspuff –, Holzheizungen, Industrie, Landwirtschaft.

Stickstoffdioxid. Überwiegend aus dem Straßenverkehr, besonders aus Dieselmotoren.

Ozon. Entsteht erst in der Luft aus Vorläuferstoffen unter Sonneneinstrahlung – deshalb ein Sommerproblem, mit Spitzen am Nachmittag.

Ammoniak. Aus der Landwirtschaft; trägt zur Bildung von sekundärem Feinstaub bei.

Warum manche Tage besonders schlecht sind

Winterliche Inversion mit Heizperiode und Windstille.

Silvester. Feuerwerk führt zu kurzzeitig extremen Feinstaubwerten.

Saharastaub. Wüstenstaub wird über tausende Kilometer herangeführt und erhöht die Feinstaubwerte messbar – erkennbar am milchigen Himmel und Staubfilm auf Autos.

Waldbrände. Rauch aus Süd- oder Osteuropa kann Deutschland erreichen.

Hitzeperioden. Sonne und Wärme treiben die Ozonbildung.

Was die Werte bedeuten

Für Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon gelten EU-Grenzwerte. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt deutlich strengere Werte als die geltenden Grenzwerte – gesundheitlich relevant sind auch Belastungen unterhalb der gesetzlichen Schwellen.

Das Umweltbundesamt veröffentlicht stündlich aktualisierte Messwerte und einen Luftqualitätsindex von „sehr gut“ bis „sehr schlecht“.

Was man selbst tun kann

Bei schlechter Luft: anstrengenden Sport im Freien verschieben, besonders am Nachmittag bei hohen Ozonwerten; empfindliche Personen bleiben besser drinnen.

Lüften früh morgens oder spät abends, wenn die Belastung geringer ist – nicht während der Rushhour an einer Hauptstraße.

Welche Schadstoffe gemessen werden

Überwacht werden vor allem Feinstaub in zwei Größenklassen, Stickstoffdioxid, Ozon und Schwefeldioxid. Feinstaub wird nach Partikelgröße unterschieden, weil kleinere Teilchen tiefer in die Lunge gelangen. Ozon entsteht erst in der Luft unter Sonneneinstrahlung.

Für jeden Stoff gelten eigene Grenzwerte mit unterschiedlichen Mittelungszeiträumen, teils als Tages-, teils als Jahresmittel. Deshalb kann ein Tag auffällig sein, ohne dass der Jahreswert überschritten wird. Diese Systematik ist in der EU einheitlich geregelt.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt deutlich strengere Werte als die derzeit geltenden Grenzwerte. Die EU hat ihre Regeln zuletzt verschärft und nähert sich diesen Empfehlungen an. Der Zeitplan dafür ist festgelegt.

Woher die Belastung stammt

Wesentliche Quellen sind Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und Feuerungsanlagen in Gebäuden. Der Anteil unterscheidet sich stark nach Ort und Jahreszeit. In Wohngebieten mit vielen Holzöfen steigt die Belastung im Winter deutlich.

Beim Verkehr entstehen Emissionen nicht nur aus dem Auspuff, sondern auch durch Abrieb von Reifen, Bremsen und Fahrbahn. Dieser Anteil ist bei modernen Fahrzeugen relativ gewachsen. Elektrofahrzeuge verursachen ihn ebenfalls.

Aus der Landwirtschaft stammt vor allem Ammoniak, das in der Luft zu sekundärem Feinstaub reagiert. Dieser Beitrag wird in der öffentlichen Diskussion oft unterschätzt. Er ist über Messkampagnen gut belegt.

Wetterlagen und Ferntransport

Bei einer Inversionswetterlage liegt warme Luft über kalter, wodurch der Luftaustausch nach oben blockiert wird. Schadstoffe sammeln sich dann in Bodennähe. Solche Lagen treten vor allem im Winter bei Hochdruck auf.

Wind kann Belastung sowohl abbauen als auch heranführen. Saharastaub erreicht Mitteleuropa mehrmals im Jahr und erhöht die Feinstaubwerte messbar. Auch Rauch von Waldbränden wird über weite Strecken transportiert.

Silvesterfeuerwerk führt regelmäßig zu sehr hohen, aber kurzen Spitzen. Der Beitrag zum Jahresmittel ist gering, die kurzfristige Belastung dennoch erheblich. Beides ist gut dokumentiert.

Was Belastung gesundheitlich bedeutet

Langfristige Belastung mit Feinstaub ist mit Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verbunden, was in großen Studien wiederholt gezeigt wurde. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Menschen und Vorerkrankte. Auch die Lungenentwicklung bei Kindern ist berührt.

Kurzfristige Spitzen führen vor allem bei Asthma und chronischen Lungenerkrankungen zu Beschwerden. An solchen Tagen sind Anpassungen sinnvoll. Betroffene kennen ihre Auslöser meist gut.

Die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch Luftverschmutzung wird von europäischen Behörden regelmäßig geschätzt. Diese Schätzungen beruhen auf Modellen und sind mit Unsicherheiten behaftet. Die Größenordnung ist dennoch unstrittig.

Was man selbst tun kann

An Tagen mit hoher Belastung hilft, anstrengende Aktivität im Freien in die Morgenstunden zu verlegen und stark befahrene Straßen zu meiden. Ozonwerte sind nachmittags am höchsten, Feinstaub oft morgens. Diese Tagesgänge stehen in den Messdaten.

In Innenräumen wirken regelmäßiges Stoßlüften und der Verzicht auf offene Feuer. Luftreiniger mit geeigneten Filtern können Feinstaub in Räumen senken. Gegen Außenluftbelastung helfen sie nur begrenzt.

Wer selbst mit Holz heizt, sollte auf trockenes Holz, richtige Anzündtechnik und moderne Technik achten. Falsches Heizen erhöht die Emissionen um ein Vielfaches. Schornsteinfeger beraten dazu.

Wo aktuelle Werte stehen

Das Umweltbundesamt betreibt gemeinsam mit den Ländern ein Messnetz und veröffentlicht stündlich aktualisierte Werte. Die Daten sind frei zugänglich und nach Stationen abrufbar. Auch Vorhersagen werden angeboten.

Ergänzend stellen die Länder eigene Portale bereit, teils mit zusätzlichen Stationen. Für Pollen gibt es getrennte Dienste. Beide sind kostenfrei.

Private Sensoren und Apps liefern zusätzliche Werte, sind aber nicht kalibriert und können deutlich abweichen. Für eine Einordnung sind amtliche Messungen maßgeblich. Sie folgen genormten Verfahren.

Häufige Fragen

Wo sehe ich die aktuellen Werte?

Beim Umweltbundesamt, das stündlich Messdaten veröffentlicht.

Wer ist besonders betroffen?

Menschen mit Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kleine Kinder und ältere Menschen.

Helfen Masken?

FFP2-Masken filtern Feinstaub in gewissem Umfang, gegen Ozon und Stickstoffdioxid wirken sie nicht.

Ist die Luft schlechter als früher?

Nein. Feinstaub- und Stickstoffdioxidwerte sind in Deutschland seit den 1990er-Jahren deutlich gesunken.

Was ist eine Inversionswetterlage?

Warme Luft über kalter blockiert den Austausch.

Verursachen Elektroautos Feinstaub?

Ja, durch Abrieb von Reifen und Bremsen.

Wo stehen aktuelle Messwerte?

Beim Umweltbundesamt, stündlich aktualisiert.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

Nach oben scrollen