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Kurzantwort: Kompensation heißt Ausgleich. Das Wort kommt vom lateinischen „compensare“, aufwiegen. Etwas Fehlendes, Verlorenes oder Schädliches wird durch etwas anderes wettgemacht. Je nach Fachgebiet meint es den Freizeitausgleich für Überstunden, die Aufrechnung zweier Forderungen, den Ausgleich von Treibhausgasen oder den Ausgleich einer Schwäche durch eine Stärke.
Der Begriff ist so breit, dass er ohne Zusammenhang wenig aussagt. Im Arbeitsvertrag steht etwas anderes dahinter als im Klimabericht oder im Arztbrief.
Gemeinsam bleibt die Rechnung mit zwei Seiten. Auf der einen fehlt etwas oder ist zu viel, auf der anderen wird gegengerechnet.
Die sechs häufigsten Verwendungen stehen unten, jeweils mit dem, was in der Praxis dazugehört.
Woher das Wort kommt
„Compensare“ setzt sich aus „cum“ für mit und „pensare“ für wägen zusammen. Wörtlich heißt es also gegeneinander abwägen.
Im römischen Recht bezeichnete es bereits die Verrechnung gegenseitiger Forderungen. Diese Bedeutung hat sich bis heute gehalten.
Ins Deutsche kam das Wort über die Rechts- und Kaufmannssprache. Das Verb lautet kompensieren, das Adjektiv kompensatorisch.
Vorsicht bei englischen Texten: „compensation“ heißt dort meist schlicht Vergütung oder Gehalt. Der Begriff ist ein klassischer falscher Freund.
Verwandt sind Ausgleich, Wiedergutmachung und Gegenrechnung. Sie treffen jeweils nur einen Teil der Bedeutung, weshalb sich der Fremdwortgebrauch gehalten hat.
Kompensation im Arbeitsleben
Am häufigsten geht es um Überstunden. Statt sie auszuzahlen, gleicht der Betrieb sie durch Freizeit aus, meist über ein Arbeitszeitkonto.
Ob das zulässig ist, hängt vom Vertrag, vom Tarifvertrag und von einer möglichen Betriebsvereinbarung ab. Pauschale Klauseln, nach denen alle Mehrarbeit mit dem Gehalt abgegolten sei, halten vor Gericht oft nicht.
Die Arbeitszeitgrenzen bleiben davon unberührt. Das Arbeitszeitgesetz erlaubt werktäglich acht Stunden, eine Verlängerung auf zehn ist nur mit Ausgleich innerhalb bestimmter Fristen möglich.
Daneben wird das Wort für Erschwerniszulagen benutzt. Nacht- und Schichtarbeit werden dann mit Zuschlägen oder zusätzlichen freien Tagen kompensiert.
Ein eigener Fall ist die Kompensation im öffentlichen Dienst. Mehrarbeit wird dort in der Regel zuerst durch Freizeit ausgeglichen, eine Auszahlung ist die Ausnahme.
Kompensation im Recht
Schulden zwei Personen einander gleichartige Leistungen, kann jede ihre Forderung gegen die des anderen aufrechnen. Das steht in § 387 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.
Voraussetzung ist, dass die eigene Forderung fällig und durchsetzbar ist und die eigene Leistung erbracht werden könnte. Erklärt wird die Aufrechnung gegenüber der anderen Seite.
In Österreich heißt genau dieses Rechtsinstitut Kompensation. Wer österreichische Verträge liest, findet den Begriff dort statt Aufrechnung.
Auch im Schadensrecht taucht das Wort auf. Schmerzensgeld gleicht einen Schaden aus, der sich nicht in Geld messen lässt, und wird deshalb als kompensatorisch bezeichnet.
Wirksam wird die Aufrechnung mit dem Zugang der Erklärung. Die beiden Forderungen gelten dann rückwirkend in dem Umfang als erloschen, in dem sie sich decken.
Kompensation von Treibhausgasen
Hier bedeutet Kompensation, für unvermeidbare Emissionen an anderer Stelle eine Einsparung zu finanzieren. Grundlage ist, dass es für das Klima gleichgültig ist, wo Treibhausgase entstehen oder vermieden werden.
Das Umweltbundesamt nennt eine klare Reihenfolge: erst vermeiden, dann reduzieren, erst zuletzt kompensieren. Was gar nicht ausgestoßen wird, muss auch nicht ausgeglichen werden.
Entscheidend für die Qualität ist die Zusätzlichkeit. Das finanzierte Projekt darf es ohne das Geld aus der Kompensation nicht geben, sonst wird nur Bestehendes umetikettiert.
Am Markt dominieren einige wenige Standards, darunter der Clean Development Mechanism, der Verified Carbon Standard und der Gold Standard. Sie legen fest, wie Einsparungen berechnet und geprüft werden.
Kritik gibt es reichlich, vor allem an überschätzten Waldprojekten. Wer kompensiert, sollte deshalb auf Standard, Projektart und Prüfbericht achten.
Für Unternehmen kommt seit einigen Jahren der Blick von außen hinzu. Werbeaussagen wie klimaneutral sind gerichtlich angreifbar, wenn die Grundlage der Kompensation nicht offengelegt wird.
Kompensation in Psychologie und Medizin
Der Psychologe Alfred Adler beschrieb Kompensation als Antwort auf erlebte Unterlegenheit. Eine empfundene Schwäche wird durch besondere Anstrengung an anderer Stelle ausgeglichen.
Im Alltag begegnet dir das als Ausgleichshandlung. Wer im Beruf wenig Anerkennung bekommt, sucht sie eventuell verstärkt im Ehrenamt oder im Sport.
In der Medizin bedeutet kompensiert, dass der Körper eine Störung noch auffangen kann. Eine kompensierte Herzschwäche macht in Ruhe kaum Beschwerden.
Kippt dieser Ausgleich, spricht man von Dekompensation. Der Zustand verschlechtert sich dann oft rasch, weil die Reserve aufgebraucht ist.
Auch in Schule und Ausbildung wird der Begriff benutzt. Kompensatorische Förderung meint Angebote, die ungleiche Startbedingungen ausgleichen sollen.
Kompensation im Naturschutz und in der Technik
Wer in Natur und Landschaft eingreift, muss den Eingriff ausgleichen oder ersetzen. Die Vorgaben dazu stehen in den §§ 13 bis 15 des Bundesnaturschutzgesetzes.
Praktisch heißt das: Ein Bauprojekt finanziert an anderer Stelle eine Renaturierung, eine Hecke oder eine Ausgleichsfläche. Verwaltet wird das häufig über Ökokonten.
In der Technik meint Kompensation den Ausgleich einer Störgröße. Waagen und Sensoren rechnen etwa den Einfluss der Temperatur heraus.
Im Stromnetz gleicht die Blindleistungskompensation Verschiebungen zwischen Strom und Spannung aus. Ohne sie steigen die Verluste in den Leitungen.
Der Umfang richtet sich nach Art und Schwere des Eingriffs. Nicht ausgleichbare Beeinträchtigungen können durch eine Ersatzzahlung abgegolten werden.
Häufige Fragen
Was ist das Gegenteil von Kompensation?
In der Medizin die Dekompensation. Allgemein sprachlich das Ungleichgewicht oder der ungedeckte Verlust.
Heißt Kompensation dasselbe wie Entschädigung?
Nicht ganz. Entschädigung meint eine Zahlung für einen erlittenen Nachteil, Kompensation jede Art von Ausgleich, auch ohne Geld.
Ist CO2-Kompensation sinnvoll?
Nur nachrangig. Das Umweltbundesamt stellt Vermeidung und Reduktion voran und knüpft die Kompensation an nachweisbare Zusätzlichkeit.
Was bedeutet kompensatorisch?
Ausgleichend. Der Begriff wird vor allem in Recht, Pädagogik und Medizin benutzt.
Was ist Kompensation im österreichischen Recht?
Die Aufrechnung, also das Verrechnen gegenseitiger Forderungen. In Deutschland heißt dasselbe Institut Aufrechnung.
Quellen
- § 387 BGB, Voraussetzungen der Aufrechnung
- Freiwillige CO2-Kompensation, Umweltbundesamt
- § 15 BNatSchG, Verursacherpflichten bei Eingriffen
- kompensieren im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache
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Geschrieben von Clara, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






