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Kurzantwort: Konsolidierung heißt Festigung oder Zusammenführung. Das Wort kommt vom lateinischen „consolidare“, festmachen. Im Rechnungswesen meint es das Zusammenrechnen mehrerer Einzelabschlüsse zu einem Konzernabschluss, in der Finanzpolitik den Abbau von Schulden, in der IT das Zusammenlegen von Systemen und an der Börse eine ruhige Seitwärtsphase nach einer starken Bewegung.
Kaum ein Wort wechselt so unauffällig die Bedeutung. In der Bilanzabteilung heißt Konsolidierung etwas anderes als im Bundestag, im Rechenzentrum oder auf der Intensivstation.
Der gemeinsame Kern bleibt aber immer erkennbar. Etwas wird fester, stabiler oder zu einer Einheit zusammengefasst, das vorher lose, verstreut oder wacklig war.
Die fünf wichtigsten Verwendungen stehen unten, jeweils mit dem, was in der Praxis dahintersteckt.
Woher das Wort kommt
Die Grundlage ist das lateinische Verb „consolidare“. Es setzt sich aus „con“ für zusammen und „solidus“ für fest oder dicht zusammen und bedeutet wörtlich festmachen.
Dasselbe „solidus“ steckt in solide und in Solidarität. Die Verwandtschaft ist an der Bedeutung noch gut abzulesen: Es geht immer um Halt und Festigkeit.
Ins Deutsche kam das Verb konsolidieren über das Französische und wurde zunächst im Finanzwesen gebraucht. Die englischen Staatsanleihen, die im 18. Jahrhundert zu einer einzigen Schuld zusammengefasst wurden, hießen deshalb Consols.
Heute läuft das Wort in fünf Fachsprachen parallel, ohne dass die Bedeutungen sich vollständig decken. Wer den Kontext nicht kennt, versteht den Satz oft falsch.
Im Alltag hörst du das Wort meist im übertragenen Sinn. „Die Lage hat sich konsolidiert“ heißt schlicht, dass etwas nach einer unruhigen Phase wieder stabil geworden ist.
Konsolidierung im Konzernabschluss
Ein Konzern besteht aus rechtlich selbstständigen Gesellschaften. Jede stellt eine eigene Bilanz auf. Die Konsolidierung rechnet diese Einzelabschlüsse so zusammen, als wäre der Konzern ein einziges Unternehmen.
Nach § 290 Handelsgesetzbuch muss ein Mutterunternehmen mit Sitz im Inland in den ersten fünf Monaten des Konzerngeschäftsjahrs einen Konzernabschluss und einen Konzernlagebericht aufstellen. Auslöser ist der beherrschende Einfluss auf ein anderes Unternehmen.
Herausgerechnet wird alles, was nur innerhalb des Konzerns stattfindet. Dazu zählen konzerninterne Forderungen und Verbindlichkeiten, Umsätze zwischen Tochterfirmen und Gewinne aus Lieferungen von einer Tochter an die andere.
Die Fachbegriffe dafür lauten Kapitalkonsolidierung, Schuldenkonsolidierung, Zwischenergebniseliminierung sowie Aufwands- und Ertragskonsolidierung. Je nach Beteiligungshöhe wird voll konsolidiert, quotal einbezogen oder nach der Equity-Methode bewertet.
Ohne diesen Schritt ließe sich der Konzernumsatz beliebig aufblähen. Ein Bauteil, das dreimal zwischen Tochtergesellschaften wandert, würde sonst dreimal als Umsatz erscheinen.
Geprüft wird der Konzernabschluss von einem Wirtschaftsprüfer und anschließend im Unternehmensregister offengelegt. Wer die Offenlegung versäumt, riskiert ein Ordnungsgeldverfahren beim Bundesamt für Justiz.
Haushaltskonsolidierung beim Staat
In der Finanzpolitik meint Konsolidierung den Abbau von Defiziten und Schulden. Der Werkzeugkasten ist klein: Ausgaben kürzen, Einnahmen erhöhen oder beides gleichzeitig.
Für den Bund setzt Artikel 115 Grundgesetz eine Grenze. Einnahmen und Ausgaben sind grundsätzlich ohne Kredite auszugleichen; als eingehalten gilt das, solange die Kreditaufnahme 0,35 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts nicht übersteigt.
Ausnahmen sind ausdrücklich vorgesehen, etwa bei Naturkatastrophen oder außergewöhnlichen Notsituationen. Dann muss ein Tilgungsplan beschlossen werden.
Auch Städte und Gemeinden konsolidieren. Kommunen mit hohen Kassenkrediten schließen dafür in mehreren Bundesländern Vereinbarungen ab, in denen Sparziele und Fristen festgehalten werden.
Der Begriff ist politisch aufgeladen. Was die eine Seite als notwendige Konsolidierung bezeichnet, nennt die andere Kürzungspolitik — gemeint sind dieselben Haushaltszahlen.
Konsolidierung in der IT
Serverkonsolidierung heißt, viele kleine Maschinen durch wenige größere zu ersetzen. Möglich wurde das durch Virtualisierung, bei der mehrere Systeme auf derselben Hardware laufen.
Das Ziel sind niedrigere Kosten für Strom, Kühlung und Wartung. Nebenbei sinkt der Aufwand für Sicherheitsupdates, weil weniger Systeme gepflegt werden müssen.
Datenkonsolidierung ist der verwandte Fall auf der Inhaltsebene. Dabei werden Bestände aus mehreren Quellen zusammengeführt, Dubletten entfernt und Formate vereinheitlicht.
Der Preis dafür ist eine höhere Abhängigkeit von wenigen Systemen. Fällt ein konsolidierter Host aus, stehen mehrere Dienste gleichzeitig still.
Ein dritter Fall ist die Anwendungskonsolidierung. Betriebe, die über Jahre für jede Abteilung eigene Software gekauft haben, ersetzen den Wildwuchs durch ein gemeinsames System.
Konsolidierung an der Börse
An den Märkten beschreibt Konsolidierung eine Seitwärtsphase. Nach einem kräftigen Anstieg oder Absturz pendelt der Kurs eine Weile in einer engen Spanne.
Eine feste Definition gibt es dafür nicht. Wie lang die Phase dauert und wie eng die Spanne sein muss, legt jeder Analyst selbst fest.
Der Begriff ist deshalb eine Beschreibung, keine Prognose. Aus einer Konsolidierung kann eine Fortsetzung des Trends werden oder eine Umkehr.
Im Chart erkennst du solche Phasen an waagerechten Unterstützungs- und Widerstandslinien. Das Handelsvolumen fällt dabei häufig, weil weniger Marktteilnehmer aktiv sind.
Konsolidierung in Medizin und Logistik
In der Radiologie bezeichnet Konsolidierung einen Lungenabschnitt, dessen Luftgehalt verdrängt ist. Im Röntgen- oder CT-Bild erscheint er weiß statt schwarz, typisch etwa bei einer Lungenentzündung.
In der Krebsbehandlung heißt die Phase nach der ersten erfolgreichen Therapie Konsolidierungstherapie. Sie soll das erreichte Ergebnis sichern.
In der Logistik meint Konsolidierung das Bündeln einzelner Sendungen zu einer größeren Ladung. Mehrere Kleinaufträge an dasselbe Ziel fahren dann in einem Container statt in fünf.
Auch in der Knochenheilung wird der Begriff benutzt. Die Konsolidierung eines Bruchs bezeichnet den Zeitpunkt, ab dem der neu gebildete Knochen wieder belastbar ist.
Häufige Fragen
Was ist das Gegenteil von Konsolidierung?
Je nach Fachgebiet Dekonsolidierung, Aufsplittung oder Ausgliederung. Im Konzernrecht heißt das Herauslösen einer Tochter aus dem Konzernabschluss Entkonsolidierung.
Heißt Konsolidierung immer Sparen?
Nein. Nur in der Finanzpolitik hat der Begriff diesen Beiklang. Im Rechnungswesen beschreibt er ein reines Rechenverfahren.
Ab wann muss ein Konzernabschluss aufgestellt werden?
Wenn ein Mutterunternehmen beherrschenden Einfluss auf ein anderes Unternehmen ausübt. Die Einzelheiten und die Befreiungen stehen in den §§ 290 ff. Handelsgesetzbuch.
Was ist eine Konsolidierungsphase im Chart?
Eine Seitwärtsbewegung nach einer starken Kursbewegung. Der Begriff ist beschreibend und sagt nichts über die weitere Richtung aus.
Wie schreibt man das Verb?
Konsolidieren, auch reflexiv: Die Lage konsolidiert sich. Das Partizip lautet konsolidiert.
Quellen
- § 290 HGB, Pflicht zur Aufstellung des Konzernabschlusses
- Artikel 115 Grundgesetz, Kreditaufnahme des Bundes
- konsolidieren im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache
- Konzernabschluss, Wikipedia
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Von Susanne Bork, Redaktion frageecke.de. Jede Erklaerung wird an Beispielen geprueft.

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