Was bedeutet ppa.? Unterschrift, Strom und Bilanz

Kurzantwort: Vor einer Unterschrift steht „ppa.“ für „per procura“ und zeigt an, dass die Person Prokura hat. Sie darf damit fast alle Geschäfte des Unternehmens abschließen. In der Energiewirtschaft steht PPA für Power Purchase Agreement, einen langfristigen Stromliefervertrag. Im Rechnungswesen meint PPA die Purchase Price Allocation, also die Aufteilung eines Kaufpreises auf einzelne Posten.

Welche Bedeutung gilt, entscheidet der Zusammenhang. Auf einem Brief unter der Unterschrift ist es der handelsrechtliche Zusatz, in einer Pressemitteilung über einen Windpark der Stromvertrag.

Die drei Verwendungen haben nichts miteinander zu tun. Sie treffen sich nur zufällig in derselben Buchstabenfolge.

Unten steht jede einzeln, beginnend mit der im Alltag häufigsten.

ppa. als Zusatz zur Unterschrift

„Per procura“ ist Latein und heißt sinngemäß „in Vollmacht“. Der Zusatz weist darauf hin, dass die unterschreibende Person eine Prokura besitzt.

Das Handelsgesetzbuch schreibt diesen Hinweis vor. Nach § 51 HGB hat der Prokurist so zu zeichnen, dass er der Firma seinen Namen mit einem die Prokura andeutenden Zusatz beifügt.

Erteilt werden kann die Prokura nur vom Inhaber des Handelsgeschäfts oder seinem gesetzlichen Vertreter, und nur durch ausdrückliche Erklärung. Das steht in § 48 HGB.

Anschließend wird sie ins Handelsregister eingetragen. Wer wissen will, ob eine Person tatsächlich Prokura hat, kann das dort nachsehen.

Geschrieben wird der Zusatz klein und mit Punkt: ppa. Müller. Er steht vor dem Namen, nicht dahinter.

Auch der Widerruf ist eintragungspflichtig. Bis zur Löschung im Register kann sich ein gutgläubiger Geschäftspartner weiter auf den veröffentlichten Stand berufen.

Was ein Prokurist darf

Der Umfang ist im Gesetz weit gefasst. Nach § 49 HGB ermächtigt die Prokura zu allen Arten von gerichtlichen und außergerichtlichen Geschäften, die der Betrieb eines Handelsgewerbes mit sich bringt.

Diese Reichweite lässt sich nach außen nicht wirksam beschränken. Interne Vorgaben, etwa eine Betragsgrenze, gelten im Verhältnis zum Vertragspartner nicht.

Eine gesetzliche Ausnahme gibt es. Grundstücke darf ein Prokurist nur veräußern oder belasten, wenn ihm diese Befugnis ausdrücklich erteilt wurde.

Weitere Grenzen ergeben sich aus der Natur der Sache. Die Bilanz unterschreiben, einen Insolvenzantrag stellen, das Unternehmen verkaufen oder selbst Prokura erteilen darf nur die Leitung.

Die Prokura ist außerdem nicht übertragbar. Ein Prokurist kann sie an keine andere Person weiterreichen. Delegieren lassen sich lediglich einzelne Aufgaben.

Der Unterschied zu i. V. und i. A.

„i. V.“ steht für in Vertretung und wird meist bei einer Handlungsvollmacht benutzt. Deren Umfang ist enger und richtet sich nach dem, was der Betrieb gewöhnlich mit sich bringt.

„i. A.“ steht für im Auftrag. Es zeigt an, dass jemand eine fremde Erklärung überbringt, ohne selbst Vertretungsmacht zu haben.

Die Rangfolge ist damit klar: ppa. steht für die weitreichendste Vollmacht, dann folgt i. V., dann i. A.

Im Schriftverkehr wird das oft ungenau gehandhabt. Rechtlich zählt allerdings die tatsächlich erteilte Vollmacht, nicht die Abkürzung auf dem Papier.

Erteilt werden kann sie auch mehreren Personen gemeinsam. Bei einer solchen Gesamtprokura ist eine Unterschrift allein nicht ausreichend, es müssen zwei Berechtigte zeichnen.

PPA in der Energiewirtschaft

Ein Power Purchase Agreement ist ein direkter Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Abnehmer. Der Umweg über die Börse oder einen Versorger entfällt.

Geregelt werden darin Menge, Preis, Lieferzeitraum, die Weitergabe von Herkunftsnachweisen und die Folgen von Minderlieferungen. Die Laufzeiten liegen üblicherweise zwischen fünf und zwanzig Jahren.

Kauft ein Unternehmen den Strom für den Eigenverbrauch, spricht man von einem Corporate PPA. Geht er an einen Händler zum Weiterverkauf, heißt es Merchant PPA.

Liegt die Anlage auf dem Gelände des Abnehmers, ist es ein On-site-PPA. Andernfalls wird der Strom über das öffentliche Netz geliefert.

Wichtig geworden sind diese Verträge mit dem Auslaufen der EEG-Förderung. Anlagen, die nach zwanzig Jahren aus der Vergütung fallen, brauchen eine neue Einnahmequelle.

Eine Sonderform ist das virtuelle PPA. Dabei wird allein ein Preis über eine Ausgleichszahlung abgesichert. Strom fließt zwischen den beiden Parteien nicht direkt.

PPA im Rechnungswesen

Purchase Price Allocation heißt auf Deutsch Kaufpreisallokation. Sie wird nötig, wenn ein Unternehmen ein anderes kauft und den Kaufpreis in der Bilanz abbilden muss.

Dabei wird der Preis auf die übernommenen Vermögenswerte und Schulden verteilt, jeweils mit ihrem beizulegenden Zeitwert. Auch immaterielle Posten wie Marken, Kundenbeziehungen und Technologie werden einzeln bewertet.

Was nach dieser Verteilung übrig bleibt, ist der Geschäfts- oder Firmenwert, international Goodwill genannt. Er steht für das, was sich keinem einzelnen Posten zuordnen lässt.

Die Regeln dafür stehen im internationalen Standard IFRS 3 für Unternehmenszusammenschlüsse. Nach Handelsrecht gelten eigene Vorschriften.

Der Aufwand dafür ist erheblich. Bewertungen von Marken und Kundenbeziehungen übernehmen meist externe Gutachter, weil sie Annahmen über künftige Zahlungsströme voraussetzen.

Welche Bedeutung gerade gemeint ist

Der einfachste Hinweis ist die Schreibweise. Klein mit Punkt und direkt vor einem Namen ist es fast immer der Unterschriftenzusatz.

Großgeschrieben und ohne Punkte deutet es auf einen Fachbegriff hin. Zusammen mit Wörtern wie Solarpark, Abnahmemenge oder Laufzeit ist der Stromvertrag gemeint.

Steht es neben Übernahme, Goodwill oder Zeitwert, geht es um die Kaufpreisallokation. Beide Fachbedeutungen stammen aus dem Englischen.

Daneben existieren weitere Abkürzungen mit denselben Buchstaben, etwa in der Medizin und in der Chemie. Im deutschen Geschäftsalltag spielen sie kaum eine Rolle.

Häufige Fragen

Schreibt man ppa. groß oder klein?

Klein und mit Punkt, direkt vor dem Namen. Andere Schreibweisen sind unüblich, machen die Unterschrift aber nicht unwirksam.

Ist ein Prokurist ein Geschäftsführer?

Nein. Der Prokurist handelt aufgrund einer erteilten Vollmacht, der Geschäftsführer aufgrund seiner Organstellung. Beides kann in einer Person zusammenfallen.

Wo kann ich eine Prokura überprüfen?

Im Handelsregister. Die Erteilung und der Widerruf werden dort eingetragen.

Was ist der Unterschied zwischen ppa. und i. V.?

ppa. steht für die gesetzlich weit gefasste Prokura, i. V. meist für die engere Handlungsvollmacht.

Wie lange läuft ein Power Purchase Agreement?

Üblich sind fünf bis zwanzig Jahre. Kürzere Verträge kommen vor, sind aber für die Finanzierung neuer Anlagen weniger geeignet.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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