Warum der Benzinpreis so hoch ist – die Bestandteile

Kurz gesagt: Mehr als die Hälfte des Preises an der Zapfsäule besteht aus Steuern und Abgaben: Energiesteuer, CO2-Preis, Erdölbevorratungsbeitrag und darauf noch 19 Prozent Umsatzsteuer. Der Rest verteilt sich auf Rohölpreis, Raffinerie, Transport und die Marge der Tankstelle. Zusätzlich schwankt der Preis mehrfach täglich, weil Tankstellen ihn automatisiert anpassen.

Dieser Text ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlageberatung.

Die Bestandteile im Einzelnen

Die Energiesteuer, früher Mineralölsteuer, ist ein fester Betrag je Liter und beträgt bei Benzin rund 65 Cent, bei Diesel etwa 47 Cent. Sie ändert sich nicht mit dem Rohölpreis. Diese Differenz erklärt einen großen Teil des Preisunterschieds zwischen beiden Kraftstoffen.

Hinzu kommt der CO2-Preis, der seit 2021 erhoben wird und schrittweise steigt. Er wird auf den Ausstoß je Liter umgerechnet und liegt im Bereich mehrerer Cent. Ab 2027 soll die Bepreisung über einen europäischen Emissionshandel erfolgen.

Auf die Summe aus Produktpreis, Energiesteuer und CO2-Preis wird zuletzt die Umsatzsteuer von 19 Prozent aufgeschlagen. Es fällt also Steuer auf Steuer an. Diese Kaskade ist ein häufiger Kritikpunkt.

Der Anteil des Rohöls

Der Rohölpreis wird international in US-Dollar je Barrel gehandelt und schwankt mit Angebot, Nachfrage und politischen Ereignissen. Er macht je nach Marktlage grob ein Drittel des Endpreises aus. Steigt er, wirkt sich das mit einigen Tagen Verzögerung an der Säule aus.

Weil der Handel in Dollar erfolgt, spielt zusätzlich der Wechselkurs eine Rolle. Ein schwacher Euro verteuert den Kraftstoff auch dann, wenn der Rohölpreis unverändert bleibt. Dieser Effekt wird oft übersehen.

Zwischen Rohöl und Zapfsäule liegt die Raffinerie, deren Marge sich ebenfalls verändert. Bei Engpässen, etwa durch Wartungen oder Ausfälle, steigt sie deutlich. Auch das schlägt auf den Endpreis durch.

Warum der Preis mehrfach täglich wechselt

Tankstellen passen ihre Preise inzwischen mehrfach am Tag automatisiert an, teils über zwanzigmal täglich. Grundlage sind Wettbewerbsbeobachtung und Nachfrageprognosen. Die Preise werden an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe gemeldet.

Typisch ist ein hoher Preis am frühen Morgen und ein niedrigerer am Abend, wobei sich das Muster über die Jahre verschoben hat. Untersuchungen des Kartellamts zeigen wiederkehrende Tagesverläufe. Sie sind regional unterschiedlich.

Für Verbraucher heißt das: Der Tankzeitpunkt macht einen messbaren Unterschied. Apps auf Basis der gemeldeten Daten zeigen die aktuellen Preise. Der Unterschied liegt oft bei mehreren Cent je Liter.

Warum Diesel und Benzin unterschiedlich teuer sind

Der Hauptgrund ist die niedrigere Energiesteuer auf Diesel, die historisch mit der Förderung des Güterverkehrs begründet wurde. Ausgeglichen wird das teilweise über die höhere Kfz-Steuer für Dieselfahrzeuge. Beides zusammen ergibt die bekannte Rechnung, dass sich Diesel erst ab einer bestimmten Fahrleistung lohnt.

Zeitweise war Diesel dennoch teurer als Benzin, etwa 2022, als Diesel wegen der Importstruktur und der Nachfrage aus Industrie und Heizungsmarkt knapp wurde. Solche Phasen zeigen, dass die Steuer nur ein Faktor ist. Der Markt kann sie überlagern.

Auch der CO2-Preis wirkt bei Diesel stärker, weil je Liter mehr Kohlendioxid entsteht. Mit steigenden Sätzen verringert sich der Preisabstand weiter. Diese Entwicklung ist politisch beabsichtigt.

Was der Staat einnimmt

Die Energiesteuer gehört zu den aufkommensstärksten Steuern des Bundes und bringt jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag. Dazu kommt die Umsatzsteuer auf Kraftstoffe, die zwischen Bund, Ländern und Gemeinden aufgeteilt wird. Die Einnahmen fließen in den allgemeinen Haushalt.

Eine Zweckbindung für den Straßenbau besteht nicht, auch wenn das häufig angenommen wird. Sie wurde in den sechziger Jahren aufgegeben. Investitionen in Verkehr werden unabhängig davon beschlossen.

Die Einnahmen aus dem CO2-Preis fließen in den Klima- und Transformationsfonds. Aus ihm werden unter anderem Gebäudeförderung und Entlastungen finanziert. Auch das ist regelmäßig Gegenstand politischer Debatten.

Was man selbst tun kann

Der größte Hebel ist der Verbrauch: Vorausschauendes Fahren, richtiger Reifendruck, weniger Ballast und der Verzicht auf Dachträger senken ihn spürbar. Auch die Geschwindigkeit wirkt stark, weil der Luftwiderstand überproportional steigt. Zwischen 120 und 150 Kilometern pro Stunde liegen mehrere Liter Unterschied.

Beim Tanken lohnt der Blick auf die Tageszeit und auf Preisunterschiede zwischen Stadt und Autobahn. Autobahntankstellen sind regelmäßig deutlich teurer. Der Umweg zur nächsten Ausfahrt rechnet sich häufig.

Tankkarten und Rabattprogramme bringen einige Cent, binden aber an Anbieter. Ob sich das lohnt, hängt am eigenen Fahrprofil. Ein Vergleich über mehrere Monate zeigt es.

Der Vergleich in Europa

Innerhalb der Europäischen Union sind die Steuersätze auf Kraftstoffe sehr unterschiedlich, weil jeder Staat sie oberhalb eines Mindestsatzes selbst festlegt. Deutschland liegt beim Benzinpreis im oberen Mittelfeld, die Niederlande und die skandinavischen Länder darüber. Osteuropäische Staaten liegen deutlich darunter.

Aus diesen Unterschieden entsteht der bekannte Tanktourismus an den Grenzen, etwa nach Polen, Tschechien, Österreich oder Luxemburg. Für Grenzbewohner lohnt sich das, für weite Anfahrten selten. Der Umweg frisst den Vorteil schnell auf.

Zu beachten ist außerdem, dass die Mitnahme von Kraftstoff in Kanistern über Grenzen begrenzt ist und in einigen Ländern eigene Regeln gelten. Für den Tank selbst gibt es keine Beschränkung. Reservekanister sind dagegen mengenmäßig begrenzt.

Der Tankrabatt als Beispiel

Im Sommer 2022 senkte die Bundesregierung die Energiesteuer für drei Monate auf das europäische Mindestmaß, um Verbraucher zu entlasten. Untersuchungen des Kartellamts und mehrerer Forschungsinstitute kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen, wie viel davon tatsächlich an der Zapfsäule ankam. Bei Benzin war die Weitergabe deutlich höher als bei Diesel.

Der Fall zeigt, dass Steuersenkungen nur wirken, wenn der Wettbewerb sie durchsetzt. In Marktphasen mit knappem Angebot bleibt ein Teil bei Raffinerien und Handel hängen. Genau das war 2022 bei Diesel der Fall.

Für künftige Debatten ist das der wichtigste Punkt: Eine Entlastung über die Steuer ist nicht automatisch eine Entlastung an der Säule. Direkte Zahlungen an Haushalte wirken zielgenauer. Beide Wege haben eigene Nachteile.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Steueranteil?

Meist über die Hälfte des Literpreises.

Wie hoch ist die Energiesteuer?

Bei Benzin rund 65 Cent je Liter.

Gibt es Steuer auf Steuer?

Ja, die Umsatzsteuer kommt zuletzt obendrauf.

Warum ändert sich der Preis täglich?

Tankstellen passen ihn automatisiert vielfach an.

Wann tankt man günstig?

Meist abends, je nach Region.

Warum ist Diesel billiger?

Wegen der niedrigeren Energiesteuer.

Fließt das Geld in den Straßenbau?

Nein, es gibt keine Zweckbindung.

Was senkt die Kosten am meisten?

Ein niedrigerer Verbrauch.

Wo ist Tanken in Europa günstiger?

Vor allem in osteuropäischen Nachbarländern.

Kam der Tankrabatt bei den Kunden an?

Bei Benzin weitgehend, bei Diesel nur teilweise.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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