Ist Sprit nur in Deutschland teuer? Der Vergleich in Europa

Kurz gesagt: Der Eindruck täuscht. Deutschland liegt im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld — in den Niederlanden, Dänemark, Finnland, Italien und Griechenland ist Benzin regelmäßig teurer. Deutlich günstiger ist es in Polen, Tschechien, Ungarn und Bulgarien. Die Unterschiede entstehen fast ausschließlich durch unterschiedliche Steuersätze, nicht durch den Rohölpreis.

Dieser Text ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlageberatung.

Wie die Preise in Europa verteilt sind

Die Europäische Kommission veröffentlicht wöchentlich einen Preisbericht für alle Mitgliedstaaten, aufgeschlüsselt nach Kraftstoffart und mit und ohne Steuern. Daraus lässt sich ablesen, dass die reinen Produktpreise über die Union hinweg sehr ähnlich sind. Die Endpreise unterscheiden sich dagegen um bis zu fünfzig Cent je Liter.

An der Spitze stehen üblicherweise die Niederlande, Dänemark und Finnland, häufig auch Italien und Griechenland. Am unteren Ende liegen Bulgarien, Ungarn, Polen und Rumänien. Deutschland liegt regelmäßig im oberen Drittel, aber nicht auf den ersten Plätzen.

Diese Reihenfolge ist über die Jahre bemerkenswert stabil, weil sie an den Steuersätzen hängt. Kurzfristige Verschiebungen entstehen durch nationale Rabatte oder Steuersenkungen. Sie ändern das Bild nur vorübergehend.

Warum die Steuern so unterschiedlich sind

Die Europäische Union gibt nur Mindeststeuersätze auf Energieerzeugnisse vor, die tatsächliche Höhe legt jeder Staat selbst fest. Diese Mindestsätze liegen deutlich unter den Sätzen der meisten westeuropäischen Länder. Steuerpolitik bleibt damit weitgehend nationale Zuständigkeit.

Hinzu kommt die Umsatzsteuer, deren Regelsatz von siebzehn Prozent in Luxemburg bis siebenundzwanzig Prozent in Ungarn reicht. Sie wird auf den bereits versteuerten Preis erhoben. Kleine Unterschiede wirken sich dadurch verstärkt aus.

Manche Staaten erheben zusätzlich eigene Abgaben, etwa für Vorratshaltung oder Klimaschutz. Deutschland hat mit dem CO2-Preis eine solche Abgabe eingeführt. Andere Länder setzen stattdessen auf höhere Grundsteuersätze.

Woher der Eindruck stammt

Die meisten Menschen vergleichen Preise mit den unmittelbaren Nachbarländern, und Deutschland grenzt an mehrere Staaten mit deutlich niedrigeren Sätzen: Polen, Tschechien, Österreich und Luxemburg. Der Blick nach Norden und Süden fehlt dabei. Aus dieser Auswahl entsteht ein verzerrtes Bild.

Hinzu kommt, dass Preisvergleiche in Nachrichten oft nur einzelne Länder nennen, meist die günstigsten. Vollständige Ranglisten werden seltener gezeigt. Auch das prägt die Wahrnehmung.

Ein dritter Faktor ist die Kaufkraft: In Ländern mit niedrigeren Löhnen ist auch billigerer Kraftstoff eine größere Belastung. Gemessen am Einkommen liegt Deutschland günstiger, als die absoluten Preise vermuten lassen. Diese Betrachtung fehlt in den meisten Vergleichen.

Der Tanktourismus

An allen deutschen Grenzen mit günstigeren Nachbarn ist Tanktourismus verbreitet, besonders auffällig in Richtung Luxemburg, Polen und Tschechien. Für Anwohner in Grenznähe rechnet sich das unmittelbar. Für längere Anfahrten selten.

Eine einfache Rechnung hilft: Bei zwanzig Cent Ersparnis je Liter und fünfzig Litern Tankinhalt bleiben zehn Euro. Ein Umweg von zwanzig Kilometern kostet bereits einen erheblichen Teil davon. Zeit ist dabei noch nicht berücksichtigt.

Zu beachten sind zudem unterschiedliche Kraftstoffbezeichnungen und Beimischungen. Innerhalb der EU sind sie weitgehend genormt. Bei Reisen außerhalb lohnt ein Blick auf die Spezifikation.

Was Deutschland teuer macht

Der wichtigste Einzelposten ist die Energiesteuer, die seit 2003 unverändert ist und bei Benzin rund 65 Cent je Liter beträgt. Sie war zum Zeitpunkt ihrer Einführung im europäischen Vergleich hoch, wurde aber seither von mehreren Ländern übertroffen. Eine Anpassung an die Inflation fand nicht statt.

Der CO2-Preis kam 2021 hinzu und steigt schrittweise, wodurch der Abstand zu Ländern ohne solche Abgabe wächst. Ab 2027 soll er über den europäischen Emissionshandel gebildet werden, was ihn in mehreren Staaten zugleich einführt. Die Unterschiede würden sich dadurch verringern.

Auch das Preisniveau an Autobahntankstellen fällt in Deutschland auf, weil die Konzessionen dort begrenzt vergeben werden. Der Aufschlag liegt regelmäßig im zweistelligen Cent-Bereich. Das Bundeskartellamt hat das mehrfach untersucht.

Was das für Verbraucher heißt

Auf die Steuerhöhe hat der Einzelne keinen Einfluss, wohl aber auf Verbrauch und Tankverhalten. Beides zusammen ergibt in der Jahresrechnung einen dreistelligen Betrag. Der Unterschied zwischen sparsamer und unaufmerksamer Nutzung ist erheblich.

Preisvergleichs-Apps auf Basis der amtlich gemeldeten Daten zeigen die aktuellen Preise in der Umgebung. Sie sind kostenfrei und beruhen auf einer gesetzlichen Meldepflicht. Genau dafür wurde die Markttransparenzstelle geschaffen.

Wer die eigenen Kosten senken will, beginnt am besten mit einem Blick auf den tatsächlichen Verbrauch über mehrere Tankfüllungen. Erst danach lohnen weitere Maßnahmen. Die Bordcomputeranzeige weicht oft von der Realität ab.

Wie sich Preise vergleichen lassen

Sinnvolle Vergleiche berücksichtigen nicht nur den Literpreis, sondern auch das Einkommensniveau und die tatsächlichen Fahrleistungen. Ein Liter Benzin kostet in Bulgarien deutlich weniger als in Deutschland, entspricht dort aber einem größeren Anteil des Durchschnittseinkommens. Solche Kaufkraftvergleiche veröffentlichen Wirtschaftsinstitute regelmäßig.

Ebenso wichtig ist der Blick auf die Gesamtkosten der Mobilität: Kfz-Steuer, Versicherung, Maut, Parkgebühren und Fahrzeugpreise unterscheiden sich zwischen Ländern erheblich. In Dänemark etwa ist der Kraftstoff teuer und die Fahrzeugsteuer noch deutlich höher. In Deutschland gibt es dafür keine Pkw-Maut.

Wer Länder vergleicht, sollte deshalb alle Posten zusammen betrachten. Einzelne Preise führen regelmäßig zu falschen Schlüssen. Die Europäische Kommission stellt dafür Daten bereit.

Was die Preise künftig treibt

Ab 2027 soll ein europäischer Emissionshandel für Verkehr und Gebäude starten, der den nationalen CO2-Preis ablöst. Der Preis bildet sich dann am Markt und ist damit weniger vorhersehbar. Schätzungen gehen von einem spürbaren Anstieg aus.

Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Benzin und Diesel mit dem wachsenden Anteil elektrisch angetriebener Fahrzeuge. Sinkende Absatzmengen erhöhen jedoch die Fixkosten je Liter im Tankstellennetz. Wie sich beides ausgleicht, ist offen.

Für die eigene Planung heißt das: Langfristige Prognosen zum Spritpreis sind unsicher. Sicher ist nur, dass die Abgabenlast auf fossile Kraftstoffe eher steigt als fällt. Das ist politisch beschlossen.

Häufige Fragen

Ist Sprit in Deutschland am teuersten?

Nein, mehrere EU-Staaten liegen darüber.

Wo ist es teurer?

Unter anderem in den Niederlanden und Dänemark.

Wo ist es günstiger?

In Polen, Tschechien, Ungarn und Bulgarien.

Woher kommen die Unterschiede?

Fast ausschließlich von den Steuersätzen.

Gibt die EU die Steuer vor?

Nur Mindestsätze.

Lohnt Tanktourismus?

Nur in Grenznähe.

Wie hoch ist die Energiesteuer?

Bei Benzin rund 65 Cent je Liter.

Warum sind Autobahntankstellen teurer?

Wegen begrenzt vergebener Konzessionen.

Wie vergleicht man Preise sinnvoll?

Gemeinsam mit Einkommen, Steuern und Maut.

Was ändert sich 2027?

Ein europäischer Emissionshandel für den Verkehr.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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