Was bedeutet volatil? Bedeutung in Börse, Chemie und IT

Kurzantwort: Volatil heißt „flüchtig“ oder „stark schwankend“. An der Börse beschreibt das Wort Kurse, die sich schnell und heftig bewegen. In der Chemie ist ein Stoff volatil, wenn er leicht verdampft. In der IT ist ein Speicher volatil, wenn er seine Daten ohne Strom verliert. Zugrunde liegt das lateinische „volare“ für „fliegen“.

Volatil begegnet dir in Börsennachrichten, auf Sicherheitsdatenblättern und in Computerhandbüchern. Die Bedeutungen wirken weit auseinander, kommen aber aus derselben Idee: etwas ist nicht festgelegt und kann sich schnell davonmachen.

An der Börse ist Volatilität eine messbare Größe. In der Chemie ist Flüchtigkeit eine Stoffeigenschaft. In der IT geht es um Speicher, der beim Ausschalten leer ist.

Hier bekommst du die Bedeutungen der Reihe nach, jeweils mit Beispielen und den Zahlen, die dahinterstehen.

Herkunft des Wortes

Volatil geht auf das lateinische „volatilis“ zurück. Das heißt „fliegend“ oder „flüchtig“ und gehört zum Verb „volare“, also „fliegen“. Verwandt ist das italienische „volare“ aus dem bekannten Lied.

Ins Deutsche kam der Begriff über die Fachsprache, zunächst aus der Chemie, später aus dem Finanzwesen. Der Duden nennt als Bedeutungen „schwankend, unbeständig“ sowie in der Chemie „leicht verdunstend“.

Der Kern ist in allen Fächern gleich. Volatil beschreibt etwas, das nicht bleibt, wie es ist.

Das zugehörige Substantiv ist die Volatilität. Im Deutschen sind daneben die Wörter Flüchtigkeit und Schwankungsbreite gebräuchlich, je nach Fach. Als Gegenteil dienen Begriffe wie stabil, beständig oder nichtflüchtig.

Volatil an der Börse

Ein volatiler Markt bewegt sich stark. Kurse springen innerhalb weniger Stunden um Prozente nach oben und unten, statt sich ruhig zu entwickeln.

Die Volatilität ist dabei ein Maß für die Schwankungsbreite, üblicherweise berechnet als Standardabweichung der Renditen. Angegeben wird sie meist auf ein Jahr hochgerechnet. Eine Volatilität von 20 Prozent im Jahr besagt, dass die Rendite in etwa zwei von drei Jahren um höchstens 20 Prozentpunkte vom Mittelwert abweicht, wenn eine Normalverteilung unterstellt wird.

Zwei Arten werden unterschieden. Die historische Volatilität rechnet aus vergangenen Kursen. Die implizite Volatilität wird aus Optionspreisen abgeleitet und zeigt, welche Schwankung der Markt für die Zukunft erwartet.

Für den deutschen Markt misst der VDAX-NEW genau das: die erwartete Schwankungsbreite des DAX für die kommenden 30 Tage. Für den US-Markt erfüllt der VIX dieselbe Aufgabe. Beide steigen typischerweise, wenn die Kurse fallen, weil dann die Nervosität zunimmt.

Wichtig für die Einordnung: Volatilität sagt nichts über die Richtung. Ein Kurs kann heftig schwanken und am Jahresende auf demselben Stand liegen.

Praktisch nutzen Anleger die Kennzahl für den Vergleich. Ein breit gestreuter Aktienindex schwankt in der Regel weniger als eine einzelne Aktie, weil sich Ausschläge einzelner Werte gegenseitig ausgleichen. Anleihen und Tagesgeld liegen darunter, einzelne Kryptowerte deutlich darüber.

Volatil in der Chemie

In der Chemie heißt volatil „leicht flüchtig“. Solche Stoffe haben einen niedrigen Siedepunkt und einen hohen Dampfdruck, sie gehen also schon bei Raumtemperatur bereitwillig in die Gasphase über.

Bekannte Beispiele sind Aceton, Ethanol und viele Lösemittel. Du erkennst sie am Geruch und daran, dass ein Tropfen auf der Haut schnell verdunstet und dabei kühlt.

Eine eigene Gruppe bilden die flüchtigen organischen Verbindungen, kurz VOC. Sie stecken in Farben, Lacken, Klebstoffen und Reinigungsmitteln und tragen zur Bildung von bodennahem Ozon bei. Für Farben und Lacke gelten deshalb in der EU Höchstgehalte, die auf den Gebinden ausgewiesen werden.

Beim Arbeiten mit flüchtigen Stoffen sind Lüftung und Zündquellenfreiheit die zentralen Vorsichtsmaßnahmen. Die Dämpfe sind oft schwerer als Luft und sammeln sich am Boden.

Der Gegenbegriff ist schwerflüchtig. Öle, Fette und Salze verdampfen bei Raumtemperatur kaum. Ob ein Stoff flüchtig ist, steht im Sicherheitsdatenblatt, meist über Siedepunkt und Dampfdruck.

Volatil in der IT

Ein volatiler Speicher verliert seinen Inhalt, sobald der Strom weg ist. Der Arbeitsspeicher eines Rechners arbeitet so. Deshalb ist ungespeicherte Arbeit nach einem Stromausfall verloren.

Nichtflüchtig sind dagegen Festplatte, SSD und USB-Stick. Sie behalten Daten ohne Stromversorgung, arbeiten dafür aber langsamer als der Arbeitsspeicher.

In der Programmierung gibt es zusätzlich das Schlüsselwort volatile. Es weist den Übersetzer an, den Wert einer Variablen bei jedem Zugriff neu zu lesen, weil er sich außerhalb des Programmflusses ändern kann. Typisch ist das bei Hardwareregistern und bei nebenläufigen Programmen.

Für die IT-Forensik hat der Unterschied eine besondere Folge. Spuren im Arbeitsspeicher, etwa laufende Prozesse und Schlüssel, verschwinden beim Ausschalten. Deshalb wird bei Untersuchungen der Speicherinhalt gesichert, bevor ein Gerät vom Strom genommen wird.

Volatil im Alltagsgebrauch

Außerhalb der Fachsprache steht volatil für unbeständig und schwer planbar. Eine volatile Lage kann kippen, eine volatile Nachfrage schwankt von Monat zu Monat.

Häufig ist der Begriff in der Energiewirtschaft. Strom aus Wind und Sonne heißt dort volatil, weil die Einspeisung mit Wetter und Tageszeit schwankt. Speicher, flexible Kraftwerke und steuerbare Verbraucher sollen diese Schwankungen ausgleichen.

In der Betriebswirtschaft ist von volatilen Märkten und volatilen Lieferketten die Rede. Gemeint sind schwer vorhersehbare Mengen und Preise. Unternehmen begegnen dem mit Puffern, zweiten Lieferanten und kürzeren Planungszyklen.

Häufige Fragen

Was bedeutet volatil einfach erklärt?

Schwankend und unbeständig. In der Chemie zusätzlich: leicht verdunstend.

Was heißt „der Markt ist volatil“?

Die Kurse bewegen sich stark und schnell in beide Richtungen. Über die künftige Richtung sagt das nichts.

Wie wird Volatilität gemessen?

Meist als Standardabweichung der Renditen, hochgerechnet auf ein Jahr. Für Erwartungen dienen Indizes wie der VDAX-NEW oder der VIX.

Was ist ein volatiler Speicher?

Ein Speicher, der seine Daten ohne Strom verliert, etwa der Arbeitsspeicher eines Computers.

Was sind volatile organische Verbindungen?

Leicht flüchtige Stoffe aus Farben, Lacken, Klebern und Reinigern. Sie verdunsten bei Raumtemperatur und werden über die Luft aufgenommen.

Ist hohe Volatilität schlecht?

Sie bedeutet höheres Risiko und größere Ausschläge in beide Richtungen. Für kurzfristig gebundenes Geld ist das ungünstig, für langfristige Anlagen weniger entscheidend.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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