Kompressionsstrümpfe nachts tragen – sinnvoll oder nicht?

Kurz gesagt: Nachts sind Kompressionsstrümpfe in der Regel nicht nötig. Im Liegen fehlt der Schweredruck, gegen den die Kompression arbeitet — der Rückfluss funktioniert ohnehin. Getragen werden sie nachts nur auf ärztliche Anordnung, etwa bei Lymphödem oder nach bestimmten Eingriffen. Falsch sitzende Strümpfe können nachts einschnüren und die Durchblutung stören.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden ist die Hausarztpraxis die richtige Adresse.

Wie Kompression wirkt

Medizinische Kompressionsstrümpfe üben von außen Druck auf das Bein aus, der am Knöchel am stärksten ist und nach oben abnimmt. Dadurch werden die oberflächlichen Venen verengt, das Blut wird in die tiefen Venen gelenkt und die Muskelpumpe arbeitet wirksamer. Das Ergebnis ist ein schnellerer Rückfluss zum Herzen.

Dieser Effekt wird gebraucht, solange man steht oder sitzt, weil dann die Schwerkraft das Blut in den Beinen hält. Genau dagegen arbeitet die Kompression. Im Liegen entfällt dieser Gegner.

Deshalb lautet die Grundregel: morgens vor dem Aufstehen anziehen, abends vor dem Schlafengehen ausziehen. Am wirksamsten sind die Strümpfe, wenn die Beine noch nicht angeschwollen sind. Das ist der Grund für das Anziehen im Liegen am Morgen.

Warum nachts meist unnötig

Beim Liegen befinden sich Beine und Herz auf annähernd gleicher Höhe, sodass das Blut ohne zusätzliche Hilfe zurückfließt. Schwellungen bilden sich über Nacht ohnehin zurück. Ein zusätzlicher äußerer Druck bringt in dieser Lage keinen messbaren Nutzen.

Studien zur Wirksamkeit von Kompression beziehen sich fast durchgehend auf das Tragen am Tag. Für nächtliches Tragen fehlt bei den üblichen Indikationen die Grundlage. Die Herstellerangaben sehen es entsprechend nicht vor.

Wer die Strümpfe nachts trägt, weil er sie morgens nicht anziehen mag, löst das Problem an der falschen Stelle. Anziehhilfen und Gleithandschuhe erleichtern das Anlegen erheblich. Sanitätshäuser zeigen die Technik.

Wann Ärzte es doch anordnen

Bei ausgeprägten Lymphödemen wird in der Entstauungsphase häufig rund um die Uhr bandagiert, meist mit speziellen Kurzzugbinden statt mit Strümpfen. Diese Bandagen sind für nächtliches Tragen ausgelegt. Sie werden von geschultem Personal angelegt.

Auch nach bestimmten Operationen, bei ausgedehnten Thrombosen oder bei offenen Beinen kann eine durchgehende Kompression verordnet werden. Dann ist sie Teil einer Behandlung mit klarer Anweisung. Eigenmächtiges nächtliches Tragen ersetzt das nicht.

Für nächtliche Anwendung gibt es zudem eigene Produkte mit anderer Materialstruktur, etwa Wickel- oder Klettsysteme. Sie sind weicher und weniger elastisch. Normale Tagesstrümpfe sind dafür nicht gedacht.

Die Risiken beim nächtlichen Tragen

Rutscht ein Strumpf über Nacht, kann er sich an Knie oder Wade zu einem Ring zusammenrollen und dort stark einschnüren. Das behindert den Rückfluss statt ihn zu fördern. Druckstellen und Hautschäden können die Folge sein.

Besonders gefährdet sind Menschen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit, mit Diabetes und mit eingeschränktem Empfinden in den Füßen. Sie bemerken Druckstellen zu spät. Bei ihnen kann eine falsch angewandte Kompression ernsthaften Schaden anrichten.

Auch Hautprobleme treten häufiger auf, wenn die Haut über Stunden nicht auslüftet. Trockene Haut, Juckreiz und Ekzeme sind typische Folgen. Die nächtliche Pause dient auch der Hautpflege.

Wann Kompression gar nicht angelegt werden darf

Bei fortgeschrittener arterieller Durchblutungsstörung ist Kompression grundsätzlich gefährlich, weil sie die ohnehin verminderte Blutzufuhr weiter drosselt. Vor der Verordnung wird deshalb der Knöchel-Arm-Index gemessen. Dieser Test dauert wenige Minuten.

Weitere Gegenanzeigen sind schwere Herzschwäche, akute Entzündungen der Haut und bestimmte Nervenerkrankungen. Auch bei Verdacht sollte vorher ärztlich geklärt werden. Kompression ist kein harmloses Hilfsmittel.

Werden Strümpfe unangenehm kalt, taub oder schmerzhaft, sind sie sofort auszuziehen und die Ursache zu klären. Solche Zeichen sind ein Warnsignal. Sie gehören nicht zum Gewöhnungsprozess.

Die richtige Anwendung am Tag

Angezogen wird morgens direkt nach dem Aufwachen, noch vor dem Aufstehen, weil die Beine dann am schlanksten sind. Der Strumpf muss faltenfrei sitzen, das Fersenteil an der richtigen Stelle. Falten erzeugen punktuellen Druck.

Getragen wird er über den Tag, auch bei sitzender Tätigkeit. Ausgezogen wird abends. Bei langen Flugreisen und langem Sitzen ist die Wirkung besonders deutlich.

Die Strümpfe verlieren mit der Zeit ihre Elastizität und sollten etwa alle sechs Monate ersetzt werden. Krankenkassen übernehmen bei entsprechender Verordnung meist zwei Paar pro Jahr. Gewaschen wird täglich bei niedriger Temperatur.

Was nachts stattdessen hilft

Wirksam gegen nächtliche Beinbeschwerden ist eine leichte Hochlagerung der Beine, etwa durch Anheben des Bettendes um wenige Zentimeter. Kissen unter den Unterschenkeln erfüllen denselben Zweck. Das unterstützt den Rückfluss ohne Druck von außen.

Ebenso hilfreich sind Bewegung am Tag, Wadenübungen vor dem Schlafengehen und kühle Beingüsse. Sie regen die Muskelpumpe an. Alkohol und Hitze am Abend verstärken dagegen Schwellungen.

Bleiben Schwellungen morgens bestehen, ist das ein Grund für eine ärztliche Abklärung. Dahinter können Venen-, Herz- oder Nierenerkrankungen stehen. Diese Unterscheidung gehört in ärztliche Hände.

Die Kompressionsklassen

Medizinische Kompressionsstrümpfe gibt es in vier Klassen mit steigendem Andruck, gemessen am Knöchel. Klasse eins wird bei leichten Beschwerden und zur Vorbeugung eingesetzt, Klasse zwei ist der häufigste Fall bei Krampfadern und nach Thrombosen. Klasse drei und vier kommen bei ausgeprägten Ödemen zum Einsatz.

Je höher die Klasse, desto wichtiger sind Maßanfertigung und ärztliche Kontrolle. Ein zu straffer Strumpf ist nicht wirksamer, sondern gefährlicher. Deshalb wird das Bein im Sanitätshaus an mehreren Stellen vermessen.

Stützstrümpfe aus dem Drogeriemarkt sind keine medizinischen Kompressionsstrümpfe. Sie haben einen deutlich geringeren und nicht definierten Druckverlauf. Für eine Behandlung sind sie nicht geeignet.

Häufige Fragen

Soll man Kompressionsstrümpfe nachts tragen?

In der Regel nicht.

Warum wirken sie im Liegen kaum?

Weil der Schweredruck fehlt.

Wann ordnet ein Arzt nächtliche Kompression an?

Etwa bei Lymphödemen oder nach Operationen.

Was passiert, wenn der Strumpf rutscht?

Er kann einschnüren und den Rückfluss behindern.

Wer darf keine Kompression tragen?

Menschen mit arterieller Verschlusskrankheit.

Wann zieht man sie an?

Morgens vor dem Aufstehen.

Wie lange halten sie?

Etwa ein halbes Jahr.

Was hilft nachts stattdessen?

Leichtes Hochlagern der Beine.

Welche Kompressionsklassen gibt es?

Vier, die zweite ist die häufigste.

Quellen

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Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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