Wenn der Blinddarm platzt – Symptome, Folgen, Behandlung

Kurz gesagt: Bricht ein entzündeter Wurmfortsatz durch, gelangt Darminhalt in die Bauchhöhle und löst eine Bauchfellentzündung aus. Das ist ein lebensbedrohlicher Notfall und erfordert sofortige Operation. Ein trügerisches Zeichen: Unmittelbar nach dem Durchbruch lassen die Schmerzen oft kurz nach, bevor sie sich über den ganzen Bauch ausbreiten. Bei Verdacht gilt immer: 112 oder Notaufnahme.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden ist die Hausarztpraxis die richtige Adresse.

Was tatsächlich platzt

Umgangssprachlich ist vom Blinddarm die Rede, betroffen ist aber der Wurmfortsatz, ein wenige Zentimeter langes Anhängsel am Blinddarm. Der Blinddarm selbst ist ein Teil des Dickdarms und entzündet sich praktisch nie. Fachlich heißt die Entzündung deshalb Appendizitis.

Entzündet sich der Wurmfortsatz, schwillt er an, füllt sich mit Eiter und die Wand wird zunehmend dünner. Bleibt das unbehandelt, kann sie an einer Stelle durchbrechen. Man spricht dann von einer Perforation.

Wie schnell das geschieht, ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Verläufen vergehen Tage, bei anderen wenige Stunden. Besonders bei kleinen Kindern und älteren Menschen geht es schneller.

Die typischen Anzeichen vorher

Klassisch beginnt es mit unbestimmten Schmerzen um den Bauchnabel, die im Lauf von Stunden in den rechten Unterbauch wandern. Dazu kommen Appetitlosigkeit, Übelkeit, leichtes Fieber und ein Druckgefühl. Die Schmerzen nehmen bei Erschütterung zu, etwa beim Gehen oder Husten.

Ein bekanntes Zeichen ist der Loslassschmerz: Drückt man im linken Unterbauch und lässt plötzlich los, schmerzt es rechts. Auch das Anheben des gestreckten rechten Beins gegen Widerstand verstärkt den Schmerz. Diese Tests ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Bei Kindern, Schwangeren und älteren Menschen verläuft die Entzündung häufig untypisch. Dann fehlen die klassischen Zeichen, und die Diagnose ist schwieriger. Das ist einer der Gründe für verspätete Behandlungen.

Der trügerische Moment

Beim Durchbruch entweicht der Druck aus dem entzündeten Wurmfortsatz, und die Schmerzen lassen für kurze Zeit deutlich nach. Viele Betroffene halten das für eine Besserung. Genau in diesem Moment beginnt jedoch die eigentlich gefährliche Phase.

Nach kurzer Zeit breitet sich der Schmerz über den gesamten Bauch aus, die Bauchdecke wird hart wie ein Brett, das Fieber steigt und der Puls beschleunigt sich. Das ist das Bild einer Bauchfellentzündung. Ab hier zählt jede Stunde.

Wer diese Abfolge kennt, deutet die kurze Besserung richtig. Sie ist kein Grund, den Arztbesuch abzusagen. Im Gegenteil.

Die Bauchfellentzündung

Gelangt Darminhalt mit Bakterien in die freie Bauchhöhle, entzündet sich das Bauchfell großflächig. Von dort können Erreger in die Blutbahn übertreten und eine Sepsis auslösen. Diese Kette ist der Grund, warum ein Durchbruch lebensbedrohlich ist.

Manchmal kapselt der Körper den Durchbruch ab, und es entsteht ein abgegrenzter Eiterherd, ein sogenannter Abszess. Das ist weniger dramatisch, muss aber ebenfalls behandelt werden. Häufig wird er zunächst über eine Drainage entlastet.

Ohne Behandlung endet eine ausgedehnte Bauchfellentzündung häufig tödlich. Mit rechtzeitiger Operation und Antibiotika ist die Prognose dagegen gut. Der entscheidende Faktor ist die Zeit bis zur Behandlung.

Was in der Klinik passiert

Zur Diagnose gehören Untersuchung, Blutbild mit Entzündungswerten und meist eine Ultraschalluntersuchung, bei unklaren Fällen auch eine Computertomografie. Bei Kindern und Schwangeren wird Strahlenbelastung vermieden. Die Entscheidung fällt oft binnen weniger Stunden.

Bei bestätigtem Durchbruch wird sofort operiert, meist minimalinvasiv über wenige kleine Schnitte. Der Wurmfortsatz wird entfernt und die Bauchhöhle gespült. Bei ausgedehnter Entzündung ist ein größerer Schnitt nötig.

Antibiotika werden vor, während und nach der Operation gegeben. Der Krankenhausaufenthalt dauert nach einem Durchbruch deutlich länger als bei einer unkomplizierten Entzündung. Statt zwei bis drei Tagen sind es oft eine Woche oder mehr.

Die Heilung danach

Nach einer unkomplizierten Entfernung sind die meisten Menschen binnen zwei Wochen wieder belastbar. Nach einem Durchbruch dauert es länger, weil der Körper die Bauchfellentzündung überwinden muss. Vier bis sechs Wochen Schonung sind üblich.

Mögliche Komplikationen sind Wundinfektionen, Abszesse in der Bauchhöhle und später Verwachsungen, die zu Darmverschluss führen können. Solche Spätfolgen sind selten, aber bekannt. Sie treten teils erst nach Jahren auf.

Der Wurmfortsatz ist nicht überflüssig — er enthält Immungewebe und dient vermutlich als Rückzugsort für Darmbakterien. Seine Entfernung hat aber keine erkennbaren Nachteile im Alltag. Das ist gut untersucht.

Wann man sofort handeln muss

Sofortige ärztliche Abklärung ist nötig bei starken Bauchschmerzen, die über Stunden zunehmen, bei harter Bauchdecke, bei Fieber mit Bauchschmerzen und bei Schmerzen, die in den rechten Unterbauch wandern. Auch anhaltendes Erbrechen mit Bauchschmerz gehört dazu. Im Zweifel ist die Notaufnahme der richtige Ort.

Nicht empfehlenswert sind Schmerzmittel auf eigene Faust, weil sie das Bild verschleiern können, und Wärmflaschen, die die Entzündung fördern. Auch Abführmittel sind bei Verdacht gefährlich. Essen und Trinken sollten unterbleiben, falls operiert werden muss.

Bei Kindern gilt besondere Vorsicht, weil sie Schmerzen schlecht lokalisieren. Auffällig sind Bewegungsunlust, angezogene Beine und Berührungsempfindlichkeit. Eltern sollten solche Zeichen ernst nehmen.

Wie häufig das vorkommt

Eine Blinddarmentzündung gehört zu den häufigsten Gründen für eine Notfalloperation im Bauchraum. Betroffen sind besonders Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, sie kann aber in jedem Alter auftreten. In Deutschland werden jährlich mehrere zehntausend Operationen durchgeführt.

Zu einem Durchbruch kommt es in einem Teil der Fälle, häufiger dann, wenn die Behandlung verzögert wurde. Bei sehr jungen Kindern liegt die Rate höher, weil die Diagnose schwieriger ist. Rechtzeitige Vorstellung senkt das Risiko deutlich.

Unkomplizierte Entzündungen werden inzwischen in ausgewählten Fällen auch mit Antibiotika allein behandelt. Bei Durchbruch kommt das nicht infrage. Dort bleibt die Operation der Standard.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn der Blinddarm platzt?

Darminhalt gelangt in die Bauchhöhle und löst eine Bauchfellentzündung aus.

Warum lassen die Schmerzen kurz nach?

Weil der Druck entweicht – das ist trügerisch.

Ist das lebensgefährlich?

Ja, unbehandelt.

Was ist der Loslassschmerz?

Schmerz rechts beim Loslassen links.

Wie wird behandelt?

Sofortige Operation und Antibiotika.

Wie lange dauert die Heilung?

Nach einem Durchbruch vier bis sechs Wochen.

Darf man Schmerzmittel nehmen?

Besser nicht, sie verschleiern das Bild.

Wann in die Notaufnahme?

Bei zunehmenden Bauchschmerzen mit Fieber oder harter Bauchdecke.

Quellen

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Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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