Wie viele Religionen gibt es? Fünf oder zehntausend

Kurz gesagt: Es gibt fünf große Weltreligionen – Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und Judentum. Zählt man alle eigenständigen Religionsgemeinschaften, kommt man auf über 10.000. Eine feste Zahl gibt es nicht, weil unklar ist, wo eine Religion aufhört und die nächste beginnt.

Ist eine christliche Konfession eine eigene Religion oder eine Ausprägung? Von dieser Antwort hängt alles ab.

Die fünf Weltreligionen

Christentum. Mit rund 2,3 Milliarden Anhängern die größte Religion, aufgeteilt in Katholizismus, Orthodoxie und die protestantischen Kirchen.

Islam. Rund 1,9 Milliarden Anhänger, überwiegend Sunniten, dazu Schiiten und kleinere Richtungen.

Hinduismus. Etwa 1,2 Milliarden, vor allem in Indien und Nepal. Streng genommen kein einheitliches System, sondern eine Sammlung verwandter Traditionen.

Buddhismus. Rund 500 Millionen, mit den großen Richtungen Theravada, Mahayana und Vajrayana.

Judentum. Rund 15 Millionen – zahlenmäßig klein, aber als Ursprung von Christentum und Islam von großer Bedeutung.

Warum die Zahl schwankt

Die Abgrenzung ist eine Definitionsfrage.

Zählt man Katholizismus und Protestantismus getrennt? Sind Sikhismus, Jainismus und Bahai eigene Religionen oder Abspaltungen? Was ist mit den tausenden lokalen und indigenen Traditionen, die keine Schrift und keine feste Organisation haben?

Statistiken, die auf über 10.000 kommen, zählen jede eigenständige Gemeinschaft. Solche, die fünf nennen, meinen die großen Traditionen.

Die Verteilung weltweit

Etwa 85 Prozent der Menschen ordnen sich einer Religion zu. Die größte Einzelgruppe nach den Christen und Muslimen sind Menschen ohne religiöse Zugehörigkeit – rund 1,2 Milliarden.

Diese Gruppe ist nicht einheitlich: Sie umfasst Atheisten, Agnostiker und Menschen, die spirituell sind, ohne einer Gemeinschaft anzugehören.

Deutschland

Seit einigen Jahren gehört weniger als die Hälfte der Bevölkerung einer der beiden großen christlichen Kirchen an – ein historischer Einschnitt.

Die Zahl der Konfessionslosen wächst kontinuierlich, ebenso die der Muslime, die auf etwa 5,5 Millionen geschätzt wird.

Amtlich erfasst wird die Religionszugehörigkeit nur für die Gemeinschaften, die Kirchensteuer erheben – alle anderen Zahlen sind Schätzungen.

Was als Religion gezählt wird

Es gibt keine allgemein anerkannte Definition von Religion, weshalb Zählungen weit auseinandergehen. Manche Ansätze setzen Glaube an transzendente Wesen voraus, andere stellen Praxis und Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Beide Wege führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Hinzu kommt die Frage, ob Untergruppen als eigene Religionen gezählt werden. Christentum umfasst zahlreiche Konfessionen mit erheblichen Unterschieden. Wer sie einzeln zählt, kommt auf Tausende.

Deshalb sind Zahlen zwischen fünf und mehreren zehntausend im Umlauf. Beide sind begründbar. Entscheidend ist die zugrunde gelegte Definition.

Wie Religionsstatistik erhoben wird

Daten stammen aus Volkszählungen, Mitgliederangaben von Gemeinschaften und repräsentativen Umfragen. Alle drei Quellen haben Schwächen: Volkszählungen fragen unterschiedlich, Mitgliederzahlen sind Selbstauskünfte, Umfragen haben Stichprobenfehler. Deshalb werden Ergebnisse kombiniert.

In vielen Ländern wird Religionszugehörigkeit gar nicht amtlich erfasst. In Deutschland geschieht das nur für Körperschaften mit Steuereinzug. Für andere Gemeinschaften liegen nur Schätzungen vor.

Große Forschungsinstitute veröffentlichen regelmäßig weltweite Übersichten und legen ihre Methodik offen. Diese Berichte sind kostenfrei zugänglich. Sie sind die beste verfügbare Grundlage.

Wie sich Zugehörigkeit verändert

Weltweit wächst die Zahl der Menschen ohne Religionszugehörigkeit, besonders in Europa, Nordamerika und Ostasien. Gleichzeitig wachsen einzelne Religionen durch höhere Geburtenraten. Beide Entwicklungen laufen parallel.

Prognosen der großen Institute gehen davon aus, dass sich die Anteile im Lauf dieses Jahrhunderts verschieben. Solche Vorhersagen beruhen auf Alters- und Geburtenstrukturen. Sie sind mit Unsicherheiten behaftet.

Zugehörigkeit und Praxis fallen dabei zunehmend auseinander: Viele bezeichnen sich als zugehörig, ohne regelmäßig zu praktizieren. Erhebungen erfassen das getrennt. Diese Unterscheidung ist für die Interpretation wichtig.

Religionsfreiheit als Rechtsrahmen

In Deutschland garantiert das Grundgesetz die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und der Religionsausübung. Der Staat ist zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet, ohne strikt getrennt zu sein. Diese Konstruktion wird als hinkende Trennung bezeichnet.

Religionsgemeinschaften können den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erhalten, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Damit sind Rechte wie Steuererhebung und eigene Verwaltung verbunden. Über die Verleihung entscheiden die Länder.

Grenzen der Religionsfreiheit ergeben sich aus den Rechten anderer und aus der verfassungsmäßigen Ordnung. Über solche Konflikte entscheiden Gerichte. Die Rechtsprechung dazu ist umfangreich.

Neue religiöse Bewegungen

Neben den etablierten Religionen existieren zahlreiche jüngere Gemeinschaften, die in Statistiken unterschiedlich behandelt werden. Manche sind aus bestehenden Traditionen hervorgegangen, andere unabhängig entstanden. Ihre Größe reicht von wenigen Dutzend bis zu Millionen.

Für Betroffene und Angehörige gibt es in Deutschland Beratungsstellen, die über Gruppen informieren und bei Konflikten helfen. Sie werden von Kirchen, Kommunen und unabhängigen Trägern betrieben. Die Beratung ist meist kostenfrei.

Sachliche Information unterscheidet sich von pauschaler Abwertung. Fachliteratur und Religionswissenschaft beschreiben Gruppen ohne Werturteil. Für eine Einordnung sind sie die geeignete Quelle.

Wo man verlässliche Zahlen findet

Weltweite Übersichten veröffentlichen große Forschungsinstitute und statistische Jahrbücher zur Religionsdemografie. Für Deutschland liefern die Statistischen Ämter und die Religionsgemeinschaften selbst Daten. Beide Quellen sind frei zugänglich.

Wichtig ist, immer die Definition und das Erhebungsjahr mitzulesen. Ohne diese Angaben lassen sich Zahlen nicht vergleichen. Genau daran scheitern die meisten Diskussionen.

Zahlen aus politischen Debatten ohne Quelle sollten nicht übernommen werden. Häufig werden unterschiedliche Definitionen vermischt. Ein Blick in die Primärquelle klärt das schnell.

Häufige Fragen

Welche ist die größte Religion?

Das Christentum.

Welche ist die älteste?

Umstritten. Hinduismus und Judentum gehören zu den ältesten noch praktizierten Traditionen.

Wie viele Menschen sind konfessionslos?

Weltweit rund 1,2 Milliarden.

Ist Buddhismus eine Religion?

Er wird als Religion gezählt, kennt aber keinen Schöpfergott – manche ordnen ihn eher als Philosophie ein.

Warum schwankt die Zahl so stark?

Weil es keine einheitliche Definition von Religion gibt.

Wird Religion in Deutschland amtlich erfasst?

Nur bei Körperschaften mit Steuereinzug.

Was ist eine hinkende Trennung?

Staatliche Neutralität ohne strikte Trennung von Religion.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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