Wie viele Staaten gibt es auf der Welt? 193, 195 oder mehr

Kurz gesagt: Die Vereinten Nationen haben 193 Mitgliedstaaten. Dazu kommen zwei Staaten mit Beobachterstatus – der Vatikan und Palästina –, was auf 195 führt. Je nach Zählweise kursieren auch höhere Zahlen, weil einige Gebiete umstritten sind.

Es gibt keine Behörde, die entscheidet, was ein Staat ist. Es gibt nur Anerkennung.

Die 193 UN-Mitglieder

Das ist die Zahl, auf die sich die meisten offiziellen Angaben stützen. Der jüngste Beitritt war Südsudan im Jahr 2011.

Die Mitgliedschaft setzt die Aufnahme durch die Generalversammlung auf Empfehlung des Sicherheitsrats voraus – dort kann jedes ständige Mitglied ein Veto einlegen.

Die beiden Beobachter

Der Heilige Stuhl beziehungsweise der Vatikan hat sich nie um eine Mitgliedschaft beworben.

Palästina hat seit 2012 den Status eines Beobachterstaats. Eine Vollmitgliedschaft scheiterte bisher.

Die umstrittenen Fälle

Taiwan. Verfügt über Regierung, Währung, Armee und Grenzen, wird aber von den meisten Staaten nicht offiziell anerkannt. 1971 ging der UN-Sitz an die Volksrepublik China.

Kosovo. Erklärte 2008 die Unabhängigkeit und wird von rund hundert Staaten anerkannt – nicht von allen.

Westsahara, Nordzypern, Abchasien, Südossetien und weitere Gebiete werden jeweils nur von wenigen Staaten anerkannt.

Was einen Staat ausmacht

Klassisch gelten drei Merkmale: ein Staatsgebiet, ein Staatsvolk und eine Staatsgewalt. Diese Drei-Elemente-Lehre stammt aus dem 19. Jahrhundert.

In der Praxis kommt ein viertes hinzu: die Anerkennung durch andere Staaten. Ohne sie gibt es keine Botschaften, keine Verträge und keine Mitgliedschaft in internationalen Organisationen.

Warum die Zahl sich ändert

1945 hatte die UNO 51 Mitglieder. Die Entkolonialisierung, der Zerfall der Sowjetunion und der Jugoslawienkrieg ließen die Zahl auf das heutige Niveau steigen.

Umgekehrt können Staaten verschwinden – die DDR endete 1990 durch den Beitritt zur Bundesrepublik.

Wie ein Staat anerkannt wird

Anerkennung ist ein Akt einzelner Staaten, nicht einer zentralen Instanz. Deshalb kann ein Gebilde von vielen Staaten anerkannt sein und von anderen nicht. Diese Uneinheitlichkeit ist der Kern der Zählprobleme.

Die Aufnahme in die Vereinten Nationen setzt eine Empfehlung des Sicherheitsrats und einen Beschluss der Generalversammlung voraus. Im Sicherheitsrat haben fünf Staaten ein Vetorecht. Dadurch können Aufnahmen blockiert werden.

Neben der Mitgliedschaft gibt es den Status als Beobachter, der Rederecht, aber kein Stimmrecht umfasst. Zwei Gebilde haben derzeit diesen Status. Sie werden in vielen Zählungen mitgeführt.

Die klassischen Kriterien

Nach einer verbreiteten völkerrechtlichen Definition braucht ein Staat ein Staatsgebiet, ein Staatsvolk und eine wirksame Staatsgewalt. Diese drei Merkmale gehen auf eine Lehre des frühen 20. Jahrhunderts zurück. Sie sind bis heute Ausgangspunkt jeder Diskussion.

Umstritten ist, ob Anerkennung durch andere Staaten hinzukommen muss. Nach einer Auffassung entsteht ein Staat unabhängig davon, nach der anderen erst mit Anerkennung. Diese Streitfrage ist nicht abschließend geklärt.

In der Praxis entscheidet oft die tatsächliche Handlungsfähigkeit: Wer Verträge schließt, Grenzen kontrolliert und Vertretungen unterhält, wird behandelt wie ein Staat. Das gilt auch ohne breite Anerkennung. Diese Praxis ist pragmatisch.

Umstrittene Gebiete

Mehrere Gebilde erfüllen faktisch Staatsmerkmale, werden aber nur von wenigen Staaten anerkannt. Andere werden von vielen anerkannt, aber nicht von allen ständigen Sicherheitsratsmitgliedern. Beide Konstellationen kommen vor.

Hinzu kommen Gebiete mit ungeklärtem Status, etwa nach Konflikten oder mit ungelöster Dekolonisierung. Die Vereinten Nationen führen dazu eine eigene Liste. Sie wird regelmäßig aktualisiert.

Für Reisende und Unternehmen hat das praktische Folgen bei Visa, Verträgen und Versicherungen. Auswärtige Ämter geben dazu Hinweise. Sie sind kostenfrei abrufbar.

Sonderfälle in Europa

Mehrere Kleinstaaten sind vollwertige Mitglieder der Vereinten Nationen, obwohl sie sehr klein sind. Andere Gebilde sind völkerrechtliche Sonderfälle ohne Staatsgebiet im klassischen Sinn. Solche Konstruktionen sind historisch gewachsen.

Auch innerhalb von Staaten gibt es Gebiete mit besonderem Status, etwa autonome Regionen mit eigener Gesetzgebung. Sie sind keine Staaten, verfügen aber über weitgehende Rechte. Die Ausgestaltung unterscheidet sich stark.

Überseegebiete einzelner Staaten sind ebenfalls keine eigenen Staaten, haben aber teils eigene Währungen und Regierungen. In Statistiken werden sie unterschiedlich behandelt. Auch das erklärt abweichende Zahlen.

Wie sich die Zahl entwickelt hat

Bei Gründung der Vereinten Nationen 1945 gab es einundfünfzig Mitglieder. Durch Entkolonialisierung, Staatszerfall und Neugründungen wuchs die Zahl auf den heutigen Stand. Die größten Sprünge fielen in die 1960er- und die 1990er-Jahre.

Der jüngste Neuzugang erfolgte 2011 nach einem Unabhängigkeitsreferendum. Seitdem ist die Zahl unverändert. Weitere Aufnahmen sind derzeit blockiert.

Auch Auflösungen kommen vor, etwa bei der Teilung von Staaten. Nachfolgestaaten müssen dann neu aufgenommen werden. Solche Verfahren sind rechtlich anspruchsvoll.

Wo man nachschlagen kann

Die Vereinten Nationen führen eine Mitgliederliste mit Aufnahmedatum, die frei einsehbar ist. Auch die Beobachterstaaten sind dort ausgewiesen. Für die Grundzahl ist das die maßgebliche Quelle.

Auswärtige Ämter veröffentlichen Länderlisten mit Angaben zu Anerkennung und diplomatischen Beziehungen. Sie zeigen die nationale Sicht. Zwischen Staaten unterscheiden sich diese Listen.

Wer eine Zahl nennt, sollte deshalb angeben, was mitgezählt wird. Ohne diese Angabe ist sie nicht vergleichbar. Genau daran scheitern die meisten Diskussionen.

Was Mikronationen sind

Als Mikronationen bezeichnet man Gebilde, die sich selbst zum Staat erklären, ohne von anderen anerkannt zu werden oder Staatsgewalt auszuüben. Sie entstehen aus künstlerischen, politischen oder privaten Motiven. Völkerrechtlich sind sie ohne Bedeutung.

Bekannte Beispiele beziehen sich auf Plattformen im Meer, unbeanspruchte Landstriche oder Privatgrundstücke. Gerichte haben solche Ansprüche regelmäßig zurückgewiesen. Steuer- und Meldepflichten bleiben bestehen.

Häufige Fragen

Ist Taiwan ein Staat?

Es erfüllt die klassischen Merkmale, wird aber überwiegend nicht anerkannt.

Wie viele Länder gibt es in Europa?

Je nach Abgrenzung 44 bis 50 – die Grenze zu Asien ist eine Konvention.

Wie viele Länder hat die EU?

27 seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs 2020.

Welcher Staat ist der jüngste?

Südsudan, unabhängig seit 2011.

Wer entscheidet über Anerkennung?

Jeder Staat für sich, es gibt keine zentrale Instanz.

Welche Kriterien nennt das Völkerrecht?

Staatsgebiet, Staatsvolk und Staatsgewalt.

Wann kam der jüngste Neuzugang?

2011 nach einem Unabhängigkeitsreferendum.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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