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Kurz gesagt: Auf der Erde stehen rund drei Billionen Bäume — also etwa 3.000 Milliarden. Das sind ungefähr 375 Bäume je Mensch. Die Zahl stammt aus einer Erhebung, die 2015 in der Fachzeitschrift Nature erschien und Satellitendaten mit über 400.000 Zählungen am Boden verband.
Vor dieser Erhebung ging man von 400 Milliarden aus. Die Zahl war um den Faktor sieben zu niedrig — nicht weil vorher schlecht gerechnet wurde, sondern weil man vom Weltall aus nur Waldfläche sieht, nicht einzelne Stämme.
Wie man Bäume zählt, ohne sie zu zählen
Niemand hat drei Billionen Bäume gezählt. Das Verfahren läuft in zwei Schritten.
Zuerst wird auf kleinen Flächen von Hand gezählt: Wie viele Stämme mit mindestens zehn Zentimetern Durchmesser stehen auf einem Hektar borealem Nadelwald, wie viele in tropischem Regenwald, wie viele in einer Savanne? Für diese Bodenzählungen wurden Daten aus mehr als fünfzig Ländern zusammengetragen.
Dann kommt der Satellit. Er bestimmt, wie viel Fläche jeder Waldtyp weltweit einnimmt. Die Baumdichte je Hektar wird auf diese Fläche hochgerechnet.
Damit ist auch klar, wo die Unsicherheit sitzt: in der Dichte. Ein Hektar Taiga trägt ein Vielfaches der Stämme eines Hektars offener Savanne, weil die Bäume dort dünner sind und dichter stehen. Wer die Dichte für eine große Zone falsch ansetzt, verschiebt das Endergebnis um Milliarden.
Wo die Bäume stehen
Die größten Bestände liegen nicht dort, wo die meisten Menschen sie vermuten. Die tropischen und subtropischen Wälder tragen den größten Anteil — etwa 43 Prozent. Danach folgen die borealen Nadelwälder des Nordens mit rund 24 Prozent, dann die gemäßigten Wälder mit etwa 22 Prozent.
Nach Ländern führen Russland, Kanada und Brasilien. Allein diese drei stellen einen erheblichen Teil des weltweiten Bestandes.
Die Verteilung erklärt auch, warum die borealen Wälder so stark ins Gewicht fallen: Sie sind nicht besonders artenreich, aber sie sind riesig und die Bäume stehen eng.
Wie viele jedes Jahr verschwinden
Rund 15 Milliarden Bäume gehen pro Jahr verloren — durch Rodung, Feuer, Sturm und Schädlinge. Nachgepflanzt und natürlich nachgewachsen wird deutlich weniger.
Seit dem Beginn menschlicher Landwirtschaft hat sich der weltweite Bestand nach dieser Schätzung etwa halbiert. Was heute steht, ist ungefähr die Hälfte dessen, was vor rund 12.000 Jahren stand.
Diese Zahl relativiert die drei Billionen. Sie klingt nach viel — sie ist der Rest.
Deutschland
Die Bundeswaldinventur zählt für Deutschland rund 90 Milliarden Bäume im Wald. Damit stehen hier etwa 1.000 Bäume je Einwohner.
Der Wald bedeckt etwa ein Drittel der Landesfläche. Die häufigsten Baumarten sind Fichte, Kiefer, Buche und Eiche, wobei sich das Verhältnis seit Jahren verschiebt: Fichten leiden unter Trockenheit und Borkenkäfer, Laubbäume nehmen zu.
Nicht mitgezählt sind Bäume außerhalb des Waldes — Straßenbäume, Obstwiesen, Gärten, Alleen. Ihre Zahl kennt niemand genau, weil es dafür keine bundesweite Erfassung gibt.
Was als Baum zählt
Die Zahl hängt an einer Definition. Bei der genannten Erhebung gilt als Baum, was einen Stammdurchmesser von mindestens zehn Zentimetern in Brusthöhe hat.
Junge Bäume, Sträucher und mehrstämmige Gewächse fallen damit heraus. Wer die Grenze niedriger ansetzt, kommt auf deutlich höhere Zahlen. Wer nur Bäume ab dreißig Zentimetern zählt, auf deutlich niedrigere.
Deshalb widersprechen sich Angaben aus verschiedenen Quellen so oft: Sie zählen Verschiedenes.
Warum die Zahl allein wenig sagt
Drei Billionen klingt beruhigend. Für das Klima zählt aber nicht die Stückzahl, sondern die gespeicherte Biomasse — und die verteilt sich sehr ungleich.
Ein alter Urwaldriese speichert so viel Kohlenstoff wie hunderte Jungpflanzen. Eine gerodete Primärwaldfläche, die mit Setzlingen bepflanzt wird, hat rasch wieder eine hohe Baumzahl, aber über Jahrzehnte einen Bruchteil der Speicherleistung.
Dasselbe gilt für die Artenvielfalt: Eine Monokultur aus einer einzigen schnell wachsenden Art erreicht nie den ökologischen Wert eines gewachsenen Mischwaldes, auch wenn die Zahl der Stämme stimmt.
Wie alt Bäume werden
Die Zahl der Stämme sagt nichts über ihr Alter, und Alter ist der Grund, warum sich Verluste nicht schnell ausgleichen lassen.
Eine Buche in Mitteleuropa erreicht 150 bis 300 Jahre, eine Eiche 500 bis 800, eine Fichte im Wirtschaftswald wird meist nach 80 bis 120 Jahren geschlagen. Die ältesten bekannten Einzelbäume der Erde — Grannenkiefern im Westen der USA — stehen seit über 4.000 Jahren.
In deutschen Wirtschaftswäldern liegt das Durchschnittsalter deutlich unter dem, was die Arten erreichen könnten. Ein Wald aus 60-jährigen Bäumen ist kein alter Wald, auch wenn er dicht aussieht.
Was ein einzelner Baum leistet
Eine ausgewachsene Buche mit rund 20 Metern Höhe bindet im Jahr eine Größenordnung von etwa einer Tonne Kohlendioxid und gibt dabei Sauerstoff ab. Sie verdunstet an einem warmen Sommertag mehrere hundert Liter Wasser und kühlt damit ihre Umgebung spürbar.
Dazu kommt, was sich schlecht in Zahlen fassen lässt: Ein alter Baum trägt Höhlen, Totholz, Flechten und Insekten. Ein einzelner Alteichenbestand kann hunderte Arten beherbergen, die auf genau diese Struktur angewiesen sind.
Deshalb ist der Verlust eines 200-jährigen Baumes nicht durch das Pflanzen eines Setzlings ausgeglichen. Rechnerisch dauert der Ausgleich Jahrzehnte, ökologisch länger.
Aufforstung — was sie kann und was nicht
Rechnerisch wäre Platz für rund eine Billion zusätzliche Bäume, ohne Städte und Landwirtschaft zu verdrängen. Diese Zahl kursiert seit Jahren in Pflanzkampagnen.
In der Praxis hakt es an drei Stellen. Erstens überleben viele Setzlinge die ersten Jahre nicht, wenn niemand sie pflegt. Zweitens ist die Fläche nicht herrenlos — sie wird genutzt, beweidet oder beansprucht. Drittens richtet Aufforstung am falschen Ort Schaden an: Wer Grasland, Moor oder Steppe bepflanzt, zerstört ein eigenes Ökosystem und setzt im Moorfall sogar Kohlenstoff frei.
Wirksamer als das Pflanzen ist deshalb fast immer das Erhalten. Ein bestehender Wald, der nicht gerodet wird, speichert sofort — ein neuer Wald erst in Jahrzehnten.
Häufige Fragen
Wie viele Bäume gibt es weltweit?
Rund drei Billionen, also etwa 3.000 Milliarden.
Wie viele Bäume kommen auf einen Menschen?
Etwa 375.
Wie viele Bäume stehen in Deutschland?
Rund 90 Milliarden im Wald, etwa 1.000 je Einwohner.
Wie viele Bäume gehen jährlich verloren?
Etwa 15 Milliarden.
Wie hat sich der Bestand langfristig entwickelt?
Er hat sich seit Beginn der Landwirtschaft ungefähr halbiert.
Ab wann gilt eine Pflanze als Baum?
In der genannten Erhebung ab zehn Zentimetern Stammdurchmesser in Brusthöhe.
Wie alt wird eine Eiche?
Meist 500 bis 800 Jahre.
Wie viel CO2 bindet ein Baum?
Eine ausgewachsene Buche in der Größenordnung von einer Tonne im Jahr.
Quellen
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft — Bundeswaldinventur
- Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen
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Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






