Wie viele Juden gibt es auf der Welt? Rund 15 Millionen

Kurz gesagt: Weltweit leben rund 15 bis 16 Millionen Jüdinnen und Juden. Über 80 Prozent davon in zwei Ländern: Israel und den USA. Die Zahl hängt allerdings stark davon ab, wen man mitzählt – die Definitionen unterscheiden sich erheblich.

Es gibt keine eine Zahl, weil es keine eine Definition gibt.

Die Verteilung

Israel und die USA stellen zusammen den weitaus größten Teil, mit jeweils etwa sechs bis sieben Millionen.

Es folgen mit deutlichem Abstand Frankreich, Kanada, Großbritannien, Argentinien und Russland.

In Deutschland leben nach Angaben der jüdischen Gemeinden rund 90.000 bis 100.000 Menschen jüdischen Glaubens; die tatsächliche Zahl liegt vermutlich höher, weil nicht alle Mitglied einer Gemeinde sind.

Warum die Zahlen auseinandergehen

Gezählt werden kann nach Religionszugehörigkeit, nach Abstammung oder nach Selbstverständnis.

Nach religiösem Recht gilt als jüdisch, wer eine jüdische Mutter hat oder übergetreten ist – unabhängig davon, ob die Person religiös lebt.

Nach Selbstauskunft zählen auch Menschen, die sich kulturell zugehörig fühlen, ohne religiös zu sein.

Nach israelischem Rückkehrgesetz ist der Kreis noch weiter gefasst und schließt Menschen mit einem jüdischen Großelternteil ein.

Je nach Definition liegt die Zahl zwischen etwa 15 und über 20 Millionen.

Der historische Bruch

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten weltweit etwa 16,6 Millionen Jüdinnen und Juden. Im Holocaust ermordeten die Nationalsozialisten rund sechs Millionen von ihnen.

Die Weltbevölkerung hat sich seit 1939 mehr als verdreifacht – die jüdische Bevölkerung hat ihren Vorkriegsstand bis heute nicht wieder erreicht.

Deutschland heute

Nach 1945 lebten nur noch wenige tausend Jüdinnen und Juden in Deutschland. Erst durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion ab 1990 wuchsen die Gemeinden wieder deutlich.

Heute gibt es in Deutschland über hundert jüdische Gemeinden.

Wie gezählt wird

Demografische Erhebungen unterscheiden zwischen einer Kernbevölkerung, die sich selbst als jüdisch bezeichnet, und weiter gefassten Definitionen, die auch Personen mit jüdischen Vorfahren oder Anspruch auf Einwanderung nach Israel einschließen. Je nach Definition unterscheiden sich die Ergebnisse um mehrere Millionen. Deshalb kursieren verschiedene Zahlen.

Religiöse Zugehörigkeit wird in vielen Ländern nicht amtlich erfasst, weshalb Schätzungen auf Befragungen und Gemeindedaten beruhen. In Deutschland erheben nur einige Bundesländer entsprechende Angaben. Die Datenlage ist entsprechend uneinheitlich.

Fachliche Jahrbücher zur jüdischen Demografie legen ihre Definitionen offen und werden regelmäßig aktualisiert. Sie sind die verlässlichste Quelle. Angaben ohne Definition sind nicht einzuordnen.

Zugehörigkeit nach religiösem Recht

Nach traditionellem jüdischem Religionsgesetz gilt als jüdisch, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde oder nach den Regeln übergetreten ist. Reformströmungen erkennen zusätzlich die Abstammung vom Vater an, wenn eine jüdische Erziehung erfolgte. Diese Unterschiede wirken sich unmittelbar auf Zählungen aus.

Ein Übertritt erfordert eine mehrjährige Vorbereitung und die Entscheidung eines religiösen Gerichts. Die Anforderungen unterscheiden sich zwischen den Strömungen erheblich. Anerkennung durch eine Gemeinde bedeutet nicht automatisch Anerkennung durch alle.

Für die Einwanderung nach Israel gilt eine eigene, weiter gefasste Definition. Sie umfasst auch Enkel jüdischer Großeltern. Deshalb weichen dortige Statistiken von religiösen Zählungen ab.

Die Verteilung weltweit

Der weitaus größte Teil lebt in Israel und den Vereinigten Staaten, zusammen deutlich über achtzig Prozent. Weitere größere Gemeinschaften bestehen in Frankreich, Kanada, Großbritannien, Argentinien und Russland. Alle übrigen Länder haben vergleichsweise kleine Gemeinden.

Diese Verteilung hat sich im 20. Jahrhundert grundlegend verschoben. Vor 1939 lebte die Mehrheit in Europa, vor allem in Osteuropa. Der Zweite Weltkrieg und die Schoah beendeten diese Struktur.

Migrationsbewegungen nach 1945 führten zur heutigen Konzentration. Auch die Auswanderung aus arabischen Staaten und später aus der Sowjetunion prägte sie. Diese Entwicklungen sind historisch gut dokumentiert.

Jüdisches Leben in Deutschland

Die Zahl der Mitglieder jüdischer Gemeinden in Deutschland stieg nach 1990 durch Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion erheblich. Seither geht sie leicht zurück, unter anderem wegen der Altersstruktur. Der Zentralrat der Juden veröffentlicht dazu jährlich Zahlen.

Nicht alle jüdischen Menschen in Deutschland sind Gemeindemitglieder, weshalb die tatsächliche Zahl höher liegt. Schätzungen berücksichtigen das über Zuschläge. Auch hier hängt das Ergebnis an der Definition.

Gemeinden gehören überwiegend Landesverbänden an, die im Zentralrat zusammengeschlossen sind. Daneben bestehen liberale und orthodoxe Gemeinden mit eigenen Strukturen. Diese Vielfalt ist wenig bekannt.

Rechtlicher Rahmen in Deutschland

Jüdische Gemeinden sind in Deutschland überwiegend Körperschaften des öffentlichen Rechts und damit rechtlich ähnlich gestellt wie die großen Kirchen. Bund und Länder haben Staatsverträge geschlossen, die Zuwendungen und Aufgaben regeln. Diese Verträge sind öffentlich einsehbar.

Geregelt sind darin unter anderem der Erhalt von Gemeindeeinrichtungen, Religionsunterricht und die Ausbildung von Rabbinern. Zwei Hochschulen in Deutschland bilden dafür aus. Beide sind staatlich anerkannt.

Der Schutz jüdischer Einrichtungen ist wegen der Sicherheitslage ein eigenes Thema und wird von Bund und Ländern getragen. Kosten und Maßnahmen sind Gegenstand parlamentarischer Anfragen. Die Antworten sind öffentlich.

Wo verlässliche Zahlen stehen

Für weltweite Angaben sind demografische Jahrbücher und Forschungsinstitute die maßgebliche Quelle, weil sie ihre Definitionen offenlegen. Für Deutschland veröffentlichen der Zentralrat und die Statistischen Ämter Zahlen. Beide sind kostenfrei zugänglich.

Angaben in politischen Debatten ohne Quellenangabe sollten nicht übernommen werden. Häufig werden dort unterschiedliche Definitionen vermischt. Ein Blick in die Primärquelle klärt das.

Wer historische Zahlen sucht, findet sie in wissenschaftlichen Publikationen und in Gedenkstättenarchiven. Diese Bestände sind gut erschlossen. Sie werden laufend ergänzt.

Häufige Fragen

In welchem Land leben die meisten?

In Israel, knapp vor den USA.

Wie viele leben in Deutschland?

Rund 90.000 bis 100.000 Gemeindemitglieder, die tatsächliche Zahl liegt höher.

Wer gilt als jüdisch?

Das hängt von der Definition ab – religiöses Recht, Selbstverständnis und staatliche Regelungen unterscheiden sich.

Wo findet man verlässliche Zahlen?

Bei demografischen Erhebungen jüdischer Forschungseinrichtungen und beim Zentralrat der Juden in Deutschland.

Warum gehen die Zahlen auseinander?

Wegen unterschiedlicher Definitionen der Zugehörigkeit.

Wo lebt der größte Teil?

In Israel und den Vereinigten Staaten.

Werden alle in Deutschland erfasst?

Nein, nur Gemeindemitglieder werden gezählt.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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