Wie viele Tierarten gibt es? Beschrieben und geschätzt

Kurz gesagt: Wissenschaftlich beschrieben sind rund 1,5 Millionen Tierarten. Schätzungen zur tatsächlichen Zahl reichen von drei bis über zehn Millionen — die bekannteste Hochrechnung nennt etwa 7,7 Millionen. Der größte Teil der unbekannten Arten sind Insekten und Kleinstlebewesen in tropischen Wäldern und in der Tiefsee.

Was „beschrieben“ bedeutet

Eine Art gilt als beschrieben, wenn sie in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung mit Merkmalen, einem Belegexemplar und einem gültigen lateinischen Namen erfasst wurde.

Diese Regeln legt ein internationaler Code für zoologische Nomenklatur fest. Ohne ihn gäbe es keine Möglichkeit, Funde aus verschiedenen Ländern zuzuordnen.

Alles, was nicht so erfasst ist, existiert für die Statistik nicht — auch wenn Menschen vor Ort das Tier seit Generationen kennen und benennen.

Die Verteilung auf Gruppen

Insekten stellen den mit Abstand größten Anteil. Über eine Million beschriebener Arten entfallen auf sie, allein die Käfer machen rund 400.000 aus.

Weichtiere folgen mit etwa 85.000 Arten, Spinnentiere mit rund 110.000. Krebstiere kommen auf etwa 70.000.

Wirbeltiere, also die Gruppe mit allen Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien und Amphibien, umfassen zusammen nur rund 75.000 Arten — weniger als fünf Prozent des Gesamtbestands.

Die bekannten Wirbeltiere

Bei den Säugetieren sind etwa 6.500 Arten beschrieben, bei den Vögeln rund 11.000. Beide Gruppen gelten als weitgehend erfasst.

Fische stellen mit rund 36.000 Arten die größte Wirbeltiergruppe. Hier kommen jedes Jahr neue Beschreibungen dazu, vor allem aus Südamerika und Südostasien.

Amphibien und Reptilien liegen bei jeweils rund 8.000 bis 12.000 Arten. Gerade bei den Amphibien wächst die Zahl schnell, weil genetische Methoden verborgene Arten sichtbar machen.

Warum die Schätzungen auseinandergehen

Die bekannteste Hochrechnung von 2011 leitete aus der Struktur der bereits bekannten Klassifikation eine Gesamtzahl von rund 7,7 Millionen Tierarten ab.

Andere Arbeiten kommen auf deutlich weniger oder deutlich mehr. Der Streitpunkt sind dabei fast immer die Insekten, für die es keine gute Stichprobengrundlage gibt.

Frühere Schätzungen auf Basis von Baumkronen-Untersuchungen im Regenwald reichten bis zu 30 Millionen. Diese Werte gelten heute als zu hoch angesetzt.

Wo die unbekannten Arten leben

  • Tropische Regenwälder, besonders in den Baumkronen
  • Die Tiefsee unterhalb von tausend Metern
  • Böden, in denen Milben und Fadenwürmer leben
  • Süßwasser in abgelegenen Gebirgsregionen
  • Höhlensysteme mit isolierten Populationen

Wie viele neu dazukommen

Jedes Jahr werden rund 15.000 bis 20.000 neue Tierarten beschrieben. Die meisten davon sind Insekten, Spinnentiere und wirbellose Meerestiere.

Ein wachsender Teil dieser Beschreibungen stammt nicht aus neuen Expeditionen, sondern aus der Untersuchung von Museumsbeständen, die teils Jahrzehnte unbearbeitet lagerten.

Bei diesem Tempo würde die vollständige Erfassung selbst bei der niedrigsten Schätzung noch mehr als ein Jahrhundert dauern.

Kryptische Arten

Genetische Untersuchungen zeigen regelmäßig, dass eine vermeintlich einheitliche Art in Wirklichkeit mehrere ist, die sich äußerlich kaum unterscheiden.

Solche Fälle heißen kryptische Arten. Sie sind einer der Gründe, warum die Artenzahl auch bei gut untersuchten Gruppen weiter steigt.

Bei Fledermäusen, Fröschen und vielen Meerestieren hat sich die Zahl der anerkannten Arten dadurch in den letzten Jahrzehnten spürbar erhöht.

Der Artbegriff selbst

Was eine Art ist, wird unterschiedlich definiert. Das klassische Kriterium lautet: Individuen, die sich untereinander fruchtbar fortpflanzen können.

Bei ungeschlechtlicher Fortpflanzung, bei Fossilien und bei Populationen, die räumlich getrennt leben, greift diese Definition nicht. Dann wird nach Merkmalen oder nach genetischer Distanz abgegrenzt.

Je nach gewähltem Kriterium fällt die Artenzahl unterschiedlich aus. Das ist kein Randproblem, sondern betrifft ganze Tiergruppen.

Der Rückgang

Parallel zur Entdeckung neuer Arten verschwinden andere. Die Weltnaturschutzunion führt in ihrer Roten Liste zehntausende Arten als bedroht.

Besonders betroffen sind Amphibien, bei denen ein erheblicher Teil der bekannten Arten als gefährdet gilt, sowie Süßwasserfische und Insekten.

Fachleute gehen davon aus, dass Arten aussterben, bevor sie überhaupt beschrieben werden — vor allem in Lebensräumen, die schnell verschwinden.

Wie Arten erfasst werden

Neben klassischer Feldarbeit spielen molekulare Methoden eine wachsende Rolle. Beim sogenannten Barcoding wird ein kurzer, festgelegter Genabschnitt verglichen.

Aus Wasser- oder Bodenproben lässt sich inzwischen ablesen, welche Arten dort vorkommen, ohne dass ein einziges Tier gefangen werden muss.

Diese Verfahren finden vieles, was klassische Methoden übersehen — sie liefern allerdings zunächst genetische Signaturen, aus denen erst noch eine formale Beschreibung werden muss.

Pflanzen, Pilze und Bakterien

Die Frage nach Tierarten wird oft mit der Frage nach allen Lebewesen vermischt. Beschrieben sind rund 400.000 Pflanzen- und etwa 150.000 Pilzarten.

Bei Pilzen liegt die Schätzung besonders weit auseinander: Angenommen werden zwei bis vier Millionen Arten, von denen erst ein kleiner Bruchteil erfasst ist.

Bakterien und Archaeen entziehen sich der Zählung fast vollständig, weil sich der Artbegriff dort kaum anwenden lässt.

Die verlässlichsten Quellen

Aktuelle Zahlen führt der Catalogue of Life, eine internationale Datenbank, die anerkannte Artnamen zusammenträgt und laufend aktualisiert.

Für den Gefährdungsstatus ist die Rote Liste der Weltnaturschutzunion die Referenz. Sie bewertet Arten nach festgelegten Kriterien und wird mehrfach im Jahr ergänzt.

Wer eine belastbare Zahl braucht, sollte immer das Abrufdatum mitnennen — die Werte ändern sich schneller, als Lehrbücher nachkommen.

Warum die Zahl im Alltag wenig taugt

Für Schulaufgaben und Quizfragen wird eine feste Zahl erwartet, doch jede Angabe ist eine Momentaufnahme aus einer bestimmten Datenbank zu einem bestimmten Stichtag.

Wer korrekt antworten will, nennt daher beides: die Zahl der beschriebenen Arten und die geschätzte Gesamtzahl, jeweils mit dem Hinweis auf die Unsicherheit.

Diese Unterscheidung ist keine Spitzfindigkeit — sie ist der eigentliche Inhalt der Frage. Zwischen dem, was wir kennen, und dem, was existiert, liegt der Großteil des Tierreichs.

Häufige Fragen

Wie viele Tierarten sind beschrieben?

Rund 1,5 Millionen.

Wie viele gibt es vermutlich?

Schätzungen nennen meist etwa 7,7 Millionen.

Welche Gruppe ist die größte?

Die Insekten, allein rund 400.000 Käferarten.

Wie viele Säugetierarten gibt es?

Etwa 6.500.

Wie viele neue kommen jährlich dazu?

Rund 15.000 bis 20.000.

Was sind kryptische Arten?

Äußerlich gleiche Arten, die genetisch getrennt sind.

Wo leben die unbekannten Arten?

Vor allem in Tropenwäldern und der Tiefsee.

Welche Quelle ist maßgeblich?

Der Catalogue of Life und die Rote Liste der IUCN.

Gibt es eine feste Zahl?

Nein, jede Angabe ist eine Momentaufnahme.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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