Warum ist es so heiß? Wetterlagen und langfristige Trends

Kurz gesagt: Kurzfristig entsteht Hitze durch eine stabile Hochdrucklage, die warme Luft aus dem Süden heranführt und Wolken verhindert — die Sonne heizt den Boden dann Tag für Tag weiter auf. Langfristig werden solche Lagen häufiger, länger und heißer, weil die Durchschnittstemperatur steigt. In Deutschland liegt sie inzwischen rund zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Wie eine Hitzewelle entsteht

Am Anfang steht meist ein kräftiges Hochdruckgebiet, das sich über Mitteleuropa festsetzt und mehrere Tage kaum bewegt. In einem Hoch sinkt Luft ab, erwärmt sich dabei und löst Wolken auf. Ohne Wolken erreicht die Sonneneinstrahlung ungebremst den Boden.

Verstärkt wird das, wenn gleichzeitig heiße Luft aus Nordafrika oder Südeuropa herangeführt wird. Diese Luftmasse bringt bereits hohe Ausgangstemperaturen mit. Fachleute sprechen dann von einer Omega-Lage, benannt nach der Form der Strömung.

Von Tag zu Tag heizt sich der Boden weiter auf, weil die nächtliche Abkühlung nicht ausreicht. Trockener Boden verstärkt den Effekt zusätzlich, weil keine Energie mehr für Verdunstung verbraucht wird. So entstehen die höchsten Werte oft erst am vierten oder fünften Tag.

Warum Städte heißer sind

In Städten liegt die Temperatur regelmäßig mehrere Grad über dem Umland, nachts teils bis zu zehn Grad. Grund sind versiegelte Flächen, die tagsüber Wärme speichern und nachts abgeben, dazu fehlende Verdunstung und Abwärme aus Verkehr und Gebäuden. Fachleute nennen das städtische Wärmeinsel.

Besonders belastend sind Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter zwanzig Grad fällt. Der Körper kann sich dann nicht erholen, was das gesundheitliche Risiko deutlich erhöht. In Innenstädten treten sie inzwischen regelmäßig auf.

Wirksam dagegen sind Bäume, entsiegelte Flächen, helle Oberflächen und Wasser. Straßenbäume senken die gefühlte Temperatur erheblich, weil sie beschatten und Wasser verdunsten. Viele Städte bauen ihre Konzepte darauf auf.

Der langfristige Trend

Der Deutsche Wetterdienst dokumentiert für Deutschland seit 1881 einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur um rund zwei Grad. Damit liegt die Erwärmung über dem globalen Durchschnitt, weil Landflächen sich schneller erwärmen als Ozeane. Die Zahl der heißen Tage über dreißig Grad hat sich seither vervielfacht.

Die wärmsten Jahre der Messreihe liegen fast alle in den letzten zwei Jahrzehnten. Einzelne kühle Sommer widersprechen dem nicht, weil Wetter und Klima verschiedene Zeitskalen betreffen. Ein Trend zeigt sich erst über Jahrzehnte.

Auch die Zahl der Hitzewellen und ihre Dauer nehmen zu. Studien zur Zuordnung einzelner Ereignisse zeigen, dass bestimmte Hitzewellen ohne die Erwärmung praktisch unmöglich gewesen wären. Diese Methode heißt Attributionsforschung.

Was Hitze im Körper macht

Der Körper hält seine Kerntemperatur durch Schwitzen und erweiterte Hautgefäße konstant. Beides belastet den Kreislauf, weil das Herz mehr Blut in die Haut pumpen muss. Bei hoher Luftfeuchte funktioniert das Schwitzen zudem schlechter.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, kleine Kinder, Schwangere, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und solche, die bestimmte Medikamente einnehmen. Auch das Durstgefühl lässt im Alter nach. Statistiken zeigen in Hitzeperioden regelmäßig eine erhöhte Sterblichkeit.

Warnzeichen sind Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit und ausbleibendes Schwitzen bei heißer Haut. Letzteres deutet auf einen Hitzschlag hin und ist ein Notfall. Dann gilt: Notruf wählen, kühlen, Beine hochlagern.

Was praktisch hilft

Wirksam ist, morgens und nachts zu lüften und tagsüber Fenster geschlossen und verschattet zu halten. Außenliegender Sonnenschutz wirkt deutlich besser als Vorhänge innen, weil die Wärme gar nicht erst ins Zimmer gelangt. Auch elektrische Geräte heizen spürbar mit.

Über den Tag verteilt regelmäßig trinken, auch ohne Durst, und körperliche Anstrengung in die frühen Morgenstunden legen. Leichte Kost belastet den Kreislauf weniger. Alkohol entzieht Flüssigkeit und sollte gemieden werden.

Nachbarschaftliche Aufmerksamkeit ist der unterschätzte Punkt: Ältere allein lebende Menschen sind besonders gefährdet und melden sich selten. Ein kurzer Anruf oder Besuch kann entscheidend sein. Kommunen bauen dafür Hitzeaktionspläne auf.

Wo man die aktuelle Lage nachliest

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht amtliche Hitzewarnungen für jeden Landkreis und einen Newsletter, der bei Warnungen automatisch informiert. Beides ist kostenfrei. Auch Warn-Apps geben die Meldungen weiter.

Für die Einordnung längerer Trends stellt derselbe Dienst Zeitreihen bereit, aus denen sich Temperaturen seit 1881 ablesen lassen. Sie sind frei zugänglich und werden monatlich aktualisiert. Damit lässt sich jede Behauptung selbst prüfen.

Wer wissen will, ob ein einzelner Sommer außergewöhnlich war, vergleicht ihn mit dem Mittel einer Referenzperiode. Üblich sind dreißigjährige Zeiträume. Nur so lässt sich Wetter von Klima trennen.

Hitze und Arbeit

Für Arbeitsplätze gilt die Arbeitsstättenverordnung mit den zugehörigen technischen Regeln, die ab 26 Grad Raumtemperatur Maßnahmen empfehlen und ab 30 Grad verlangen. Über 35 Grad ist ein Raum ohne besondere Schutzmaßnahmen nicht mehr als Arbeitsraum geeignet. Hitzefrei im rechtlichen Sinn gibt es für Erwachsene allerdings nicht.

Mögliche Maßnahmen sind Sonnenschutz, Ventilatoren, Getränke, verlängerte Pausen und eine Verlagerung der Arbeitszeit in kühlere Stunden. Welche gewählt wird, entscheidet der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung. Der Betriebsrat hat dabei Mitbestimmungsrechte.

Für Arbeiten im Freien kommen Schatten, Kopfbedeckung und Sonnenschutzmittel hinzu. Auf dem Bau und in der Landwirtschaft sind Hitzeschutzregelungen inzwischen fester Bestandteil der Arbeitsschutzplanung. Die Unfallversicherungsträger stellen dazu Material bereit.

Häufige Fragen

Wie entsteht eine Hitzewelle?

Durch eine stabile Hochdrucklage mit warmer Luft aus dem Süden.

Warum sind Städte heißer?

Wegen versiegelter Flächen und fehlender Verdunstung.

Was ist eine Tropennacht?

Eine Nacht, in der es nicht unter zwanzig Grad abkühlt.

Wie stark ist es wärmer geworden?

In Deutschland rund zwei Grad seit 1881.

Wer ist besonders gefährdet?

Ältere Menschen, Kinder und Herzkranke.

Was hilft in der Wohnung?

Nachts lüften, tagsüber außen verschatten.

Woran erkennt man einen Hitzschlag?

An heißer trockener Haut und Verwirrtheit.

Wo gibt es Warnungen?

Beim Deutschen Wetterdienst.

Gibt es hitzefrei im Beruf?

Nein, aber ab bestimmten Temperaturen sind Maßnahmen Pflicht.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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