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Kurzantwort: Inklusiv hat zwei Bedeutungen. In Preisen und Aufzählungen heißt es einschließlich, also mit dem Genannten zusammen: 25 Euro inklusive Mehrwertsteuer. In Gesellschaft, Schule und Arbeitswelt heißt inklusiv, dass niemand ausgeschlossen wird — Grundlage dafür ist die UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland seit dem 26. März 2009 gilt.
Das Wort begegnet dir in zwei völlig verschiedenen Zusammenhängen. Auf der Hotelrechnung steht es neben dem Frühstück, in der Schuldebatte neben dem Wort Teilhabe.
Gemeinsam ist beiden Bedeutungen die lateinische Wurzel „includere“, hineinschließen oder einbeziehen. Was einbezogen wird, unterscheidet sich allerdings stark.
Beide Verwendungen stehen unten getrennt, dazu die Grammatikfrage, an der die meisten hängen bleiben: inklusiv oder inklusive.
Die beiden Bedeutungen auseinanderhalten
Die erste Bedeutung ist rein rechnerisch. Etwas ist im Preis, im Zeitraum oder in der Menge bereits enthalten und wird nicht extra berechnet.
Die zweite Bedeutung ist gesellschaftlich. Ein inklusives Angebot ist so gebaut, dass Menschen mit und ohne Behinderung es gemeinsam nutzen können.
Welche gemeint ist, verrät fast immer das Bezugswort. Inklusiver Preis, inklusives Frühstück, inklusiver Versand zeigen auf die erste Bedeutung.
Inklusive Schule, inklusiver Arbeitsmarkt, inklusiver Sportverein zeigen auf die zweite. Zwischen beiden gibt es keine Grauzone, nur Gleichklang.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Form „inklusive“ zusätzlich als Präposition auftritt. Dazu steht weiter unten ein eigener Abschnitt.
Inklusiv im Sinn von einschließlich
Diese Bedeutung ist die ältere und im Alltag die häufigere. Sie sagt aus, dass eine Leistung bereits Teil des Angebots ist.
Gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern ist das in Deutschland geregelt. Die Preisangabenverordnung verlangt die Angabe des Gesamtpreises, und dieser schließt die Umsatzsteuer und sonstige Preisbestandteile ein.
Der Zusatz „inkl. MwSt.“ kennzeichnet damit lediglich den ohnehin vorgeschriebenen Endpreis. Im Handel zwischen Unternehmen gilt diese Pflicht nicht.
Auch bei Zeiträumen taucht das Wort auf. „Montag bis Freitag inklusive“ heißt, dass der Freitag mitzählt — genauso wie „bis einschließlich 31. März“.
Das Gegenstück heißt exklusiv im Sinn von ohne, etwa „Preis exklusive Versand“. Diese Bedeutung hat mit dem Werbewort exklusiv für hochwertig nichts zu tun.
Inklusiv im Sinn von Inklusion
Diese Bedeutung stammt aus der Behindertenpolitik und hat sich von dort auf viele Bereiche ausgeweitet. Gemeint ist, dass alle Menschen von vornherein dazugehören.
Rechtlicher Anker ist die UN-Behindertenrechtskonvention. Deutschland hat sie am 24. Februar 2009 ratifiziert, in Kraft getreten ist sie hier am 26. März 2009.
Artikel 24 verpflichtet die Vertragsstaaten auf ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen. Menschen mit Behinderungen dürfen nicht wegen ihrer Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden.
Genannt werden dort auch angemessene Vorkehrungen, etwa Gebärdensprache und Brailleschrift. Die Konvention haben inzwischen weit über 180 Staaten sowie die Europäische Union angenommen.
Über die Bildung hinaus wird der Begriff heute für Arbeitsplätze, Vereine, Wohnformen und Veranstaltungen benutzt. Barrierefreiheit ist dabei eine Voraussetzung, nicht das Ziel selbst.
Im Arbeitsleben knüpft das Sozialgesetzbuch IX daran an. Größere Betriebe müssen einen Teil ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzen oder eine Ausgleichsabgabe zahlen.
Inklusion, Integration und Separation
Die drei Wörter werden oft vermischt, bezeichnen aber verschiedene Modelle. Der Unterschied liegt darin, wer sich anpassen muss.
Separation trennt: Es gibt eine Einrichtung für die einen und eine für die anderen. In Deutschland steht dafür das Nebeneinander von Förderschule und Regelschule.
Integration holt Einzelne in die bestehende Einrichtung hinein. Der Rahmen bleibt, wie er ist, und die hinzukommende Person passt sich an.
Inklusion verändert den Rahmen selbst, damit Anpassung nicht nötig ist. Räume, Materialien und Abläufe werden von Anfang an für unterschiedliche Bedürfnisse gebaut.
In der Praxis liegen Schulen und Betriebe meist zwischen den Modellen. Der Begriff beschreibt deshalb häufiger ein Ziel als einen erreichten Zustand.
Ein häufiger Einwand lautet, Inklusion überfordere Lehrkräfte. Die Konvention verlangt deshalb ausdrücklich Unterstützung: Personal, Fortbildung und Hilfsmittel gehören zu den angemessenen Vorkehrungen.
Inklusive Sprache
Inklusive Sprache meint Formulierungen, die niemanden unsichtbar machen. Dazu zählen geschlechtergerechte Formen ebenso wie der Verzicht auf herabsetzende Bezeichnungen.
Für Behinderung hat sich die Personenzentrierung durchgesetzt: Mensch mit Behinderung statt Behinderter. Der Mensch steht sprachlich vor dem Merkmal.
Verbindlich vorgeschrieben ist inklusive Sprache in Deutschland nicht. Behörden, Hochschulen und Unternehmen regeln es in eigenen Leitfäden unterschiedlich.
Ein eigener Fall ist die Leichte Sprache. Sie arbeitet mit kurzen Sätzen, bekannten Wörtern und Bildern und richtet sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten.
Für Webseiten und Apps gibt es dafür eigene Regelwerke. Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung des Bundes verweist auf europäische Normen und die internationalen Richtlinien für Webinhalte.
Inklusiv oder inklusive?
Inklusiv ist das Adjektiv und wird gebeugt: ein inklusives Konzept, inklusiver Unterricht, inklusive Angebote.
Inklusive ist zusätzlich eine Präposition mit der Bedeutung einschließlich. Sie steht mit dem Genitiv: inklusive aller Nebenkosten.
Steht ein Substantiv im Plural ohne erkennbaren Genitiv allein, wird der Dativ verwendet: inklusive Getränken. Im Singular ohne Artikel bleibt das Wort oft unverändert: inklusive Versand.
Abgekürzt wird ausschließlich die Präposition, und zwar als „inkl.“ mit Punkt. Für das Adjektiv gibt es keine gebräuchliche Abkürzung.
In der Linguistik gibt es außerdem das inklusive Wir. Es schließt die angesprochene Person mit ein, während das exklusive Wir sie ausschließt.
Häufige Fragen
Heißt inklusive immer mit Umsatzsteuer?
Nur, wenn es dabeisteht. „Inklusive“ allein sagt lediglich, dass etwas enthalten ist — was genau, muss aus dem Angebot hervorgehen.
Was ist der Unterschied zwischen inklusiv und exklusiv?
Inklusiv heißt einschließlich, exklusiv in diesem Sinn ausschließlich. Das gleichlautende Werbewort exklusiv für hochwertig ist eine andere Bedeutung.
Zählt bei „bis Freitag inklusive“ der Freitag mit?
Ja. Der genannte Tag ist Teil des Zeitraums. Ohne den Zusatz bleibt die Angabe auslegungsbedürftig.
Seit wann gilt die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland?
Seit dem 26. März 2009. Ratifiziert wurde sie am 24. Februar 2009.
Ist Inklusion dasselbe wie Barrierefreiheit?
Nein. Barrierefreiheit beschreibt die Zugänglichkeit von Gebäuden, Angeboten und Informationen. Sie ist eine Bedingung für Inklusion, aber nicht gleichbedeutend damit.
Quellen
- UN-Behindertenrechtskonvention, Wikipedia
- Monitoring-Stelle UN-BRK, Deutsches Institut für Menschenrechte
- inklusive im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache
- Preisangabenverordnung, Bundesamt für Justiz
Das passt dazu
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Geschrieben von Clara, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






