Was bedeutet objektiv? Bedeutung, Gegenteil, Beispiele

Kurzantwort: Objektiv heißt sachlich, unvoreingenommen und unabhängig von persönlichen Gefühlen. Eine objektive Aussage lässt sich überprüfen, eine subjektive gibt eine Meinung wieder. Das Wort hat eine zweite Bedeutung: Das Objektiv ist das Linsensystem einer Kamera oder eines Mikroskops.

Zwei Menschen sehen dasselbe Zimmer. Der eine sagt: „Es ist unaufgeräumt.“ Der andere sagt: „Auf dem Tisch liegen vier Bücher und zwei Tassen.“ Der erste Satz bewertet, der zweite beschreibt. Der zweite ist objektiv.

Das Wort stammt vom lateinischen obiectum, dem Entgegengeworfenen, also dem Gegenstand. Objektiv ist demnach alles, was am Gegenstand selbst liegt und nicht an dem, der ihn betrachtet.

Hier findest du den Unterschied zu subjektiv, Beispiele aus Wissenschaft und Journalismus, die Bedeutung in der Fotografie und die Grammatik des Wortes.

Objektiv und subjektiv: der Unterschied

Objektiv ist, was unabhängig vom Beobachter gilt. Messwerte, Daten, überprüfbare Ereignisse. „Das Thermometer zeigt 18 Grad.“

Subjektiv ist, was von der Person abhängt: Empfindungen, Geschmack, Bewertungen. „Mir ist kalt.“

Beide Sätze können gleichzeitig richtig sein. Der Unterschied liegt nicht in der Wahrheit, sondern in der Prüfbarkeit. Den ersten Satz kann jeder mit einem zweiten Thermometer kontrollieren. Den zweiten nicht.

Neutral ist etwas anderes

Neutral heißt: Ich ergreife keine Partei. Objektiv heißt: Meine Aussage hängt nicht von mir ab. Man kann parteiisch sein und trotzdem objektiv richtig berichten, und man kann neutral sein und trotzdem falsch liegen.

Objektiv im Alltag richtig verwenden

So steht das Wort im Satz:

„Bewerte deine eigene Arbeit möglichst objektiv.“
„Objektiv betrachtet war der Preis fair.“
„Für seine Behauptung gibt es keinen objektiven Beleg.“
„Die Prüfung soll für alle nach objektiven Kriterien ablaufen.“

Im Recht taucht das Wort ebenfalls oft auf. Von einem „objektiven Betrachter“ oder einem „objektiven Empfängerhorizont“ ist die Rede, wenn nicht zählt, was jemand gemeint hat, sondern wie ein verständiger Dritter die Sache verstehen musste. Damit hängt die Auslegung eines Vertrags nicht an den privaten Gedanken der Beteiligten.

Häufiger Fehler: „objektiv“ als Verstärker für die eigene Meinung. Wer sagt „objektiv ist das der beste Film“, meint meistens „ich finde ihn großartig“. Ein Beleg macht daraus keine objektive Aussage.

Objektivität in der Wissenschaft

In der Testtheorie und der empirischen Forschung ist Objektivität ein festes Gütekriterium, neben Reliabilität, also Zuverlässigkeit, und Validität, also Gültigkeit.

Objektivität wird dabei in drei Stufen geprüft:

Durchführungsobjektivität – das Ergebnis hängt nicht davon ab, wer den Test durchführt.
Auswertungsobjektivität – zwei Personen kommen bei derselben Antwort zum selben Punktwert.
Interpretationsobjektivität – aus demselben Wert werden dieselben Schlüsse gezogen.

Deshalb sind Multiple-Choice-Prüfungen auswertungsobjektiver als freie Aufsätze. Genau darum gibt es für Aufsätze Bewertungsraster.

Die drei Kriterien bauen aufeinander auf. Ein Test, der nicht objektiv abläuft, misst auch nicht zuverlässig. Und was nicht zuverlässig misst, kann nicht gültig sein. Objektivität ist damit die unterste Stufe, nicht das Ziel.

Objektivität im Journalismus

Vollständige Objektivität ist im Journalismus umstritten, weil schon die Auswahl eines Themas eine Entscheidung ist. Als Handwerksregeln haben sich stattdessen Sorgfalt und Transparenz durchgesetzt.

Der Pressekodex des Deutschen Presserats verpflichtet in Ziffer 1 auf Wahrhaftigkeit und in Ziffer 2 auf sorgfältige Recherche: Informationen sind vor der Veröffentlichung auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Dazu kommt die berufsübliche Trennung von Nachricht und Kommentar, damit Leser erkennen, was Bericht und was Meinung ist.

Das Objektiv an Kamera und Mikroskop

Hier ist objektiv keine Eigenschaft, sondern ein Bauteil. Das Objektiv ist das Linsensystem, das dem Objekt zugewandt ist. Das Gegenstück heißt Okular, es ist dem Auge zugewandt.

Zwei Angaben beschreiben ein Kameraobjektiv:

Brennweite in Millimetern. Kleine Werte bedeuten Weitwinkel und viel Bildausschnitt, große Werte bedeuten Tele und einen engen Ausschnitt.
Lichtstärke, angegeben als Blendenzahl wie f/1.8. Je kleiner die Zahl, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Zwei Bauarten trennt man dabei: Ein Zoomobjektiv deckt einen Brennweitenbereich ab, etwa 24 bis 70 Millimeter. Ein Festbrennweiten-Objektiv hat nur eine Brennweite, ist dafür meist lichtstärker und leichter. Am Handy sind mehrere feste Objektive nebeneinander verbaut, zwischen denen die Kamera-App umschaltet.

Der Plural lautet die Objektive, der Artikel ist sächlich: das Objektiv. Beim Mikroskop sitzen mehrere Objektive an einem drehbaren Revolver, damit du schnell zwischen Vergrößerungen wechseln kannst.

Wie du objektiver urteilst

Vollständige Objektivität erreicht ein einzelner Mensch kaum. Näher kommst du ihr mit vier Handgriffen.

Beobachtung und Bewertung trennen. Schreib zuerst auf, was messbar passiert ist. Die Bewertung kommt danach und wird als Bewertung kenntlich gemacht.

Zahlen suchen. Aus „oft zu spät“ wird „an sieben von zwanzig Tagen nach acht Uhr“.

Kriterien vorher festlegen. Wer erst nach dem Bewerbungsgespräch entscheidet, worauf es ankam, wählt nach Sympathie.

Eine zweite Person einbeziehen. Das Vier-Augen-Prinzip fängt blinde Flecken ab. Genau deshalb werden Abschlussprüfungen von zwei Personen bewertet.

Häufige Fragen

Was ist das Gegenteil von objektiv?

Subjektiv. Je nach Zusammenhang passen auch voreingenommen, parteiisch oder befangen.

Kann ein Mensch völlig objektiv sein?

Vollständig kaum, weil jede Wahrnehmung eine Auswahl trifft. Regeln, Messgeräte und Kontrolle durch andere machen Urteile aber deutlich objektiver.

Was heißt objektiv betrachtet?

Die Formel kündigt an, dass jetzt Fakten folgen und keine Vorlieben. Sie verpflichtet dich dazu, den Satz danach auch belegen zu können.

Was ist eine objektive Tatsache?

Eine Aussage, die sich unabhängig von der eigenen Meinung überprüfen lässt, etwa durch Messung, Dokument oder Zeugen.

Heißt objektiv dasselbe wie wahr?

Nein. Eine objektive Aussage ist überprüfbar. Die Prüfung kann ergeben, dass sie falsch ist.

Warum heißt die Kameralinse Objektiv?

Weil sie dem Objekt zugewandt ist. Die Linse am Auge heißt entsprechend Okular, von lateinisch oculus, Auge.

Wie steigert man objektiv?

Objektiver, am objektivsten. Das Substantiv ist die Objektivität.

Quellen

DWDS – Wörterbucheintrag „objektiv“
Deutscher Presserat – Pressekodex
Wikipedia – Objektivität

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Geschrieben von Clara, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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