Was bedeutet passiv? Bedeutung, Grammatik und Beispiele

Kurzantwort: Passiv heißt untätig, abwartend, nicht selbst handelnd. Das Gegenteil ist aktiv. Das Wort geht auf das lateinische pati zurück, erleiden. In der Grammatik ist das Passiv die Form, bei der die handelnde Person in den Hintergrund tritt: „Das Haus wird gebaut.“

Passiv gehört zu den Wörtern, die in ganz unterschiedlichen Bereichen eine feste Bedeutung haben. Im Alltag beschreibt es ein Verhalten. In der Grammatik eine Verbform. In der Buchhaltung eine Seite der Bilanz. Und im Wahlrecht eine Art von Berechtigung.

Alle Bedeutungen teilen denselben Kern: Etwas geschieht mit jemandem, statt dass er es selbst tut. Wer passiv ist, steht auf der Empfängerseite.

Hier findest du die Bedeutungen der Reihe nach, mit Beispielen und den Wortverbindungen, die dir am häufigsten begegnen.

Herkunft und Grundbedeutung

Das lateinische Verb pati heißt erleiden oder erdulden. Daraus wurde passivus, leidend, empfangend. Aus derselben Wurzel stammen die Passion und der Patient, also der Erduldende.

Im Deutschen ist passiv seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich, zuerst in der Sprachlehre, später auch im übertragenen Sinn.

Passiv im Alltag

Wer passiv bleibt, greift nicht ein. Das kann sachlich gemeint sein oder als Vorwurf.

„Sie blieb in der Diskussion passiv.“
„Passives Zuschauen hilft hier niemandem.“
„Er ist passives Mitglied im Verein, er zahlt Beitrag, spielt aber nicht mit.“

Das letzte Beispiel zeigt eine feste Bedeutung im Vereinsrecht: Passive Mitglieder unterstützen den Verein, nehmen aber am Sportbetrieb nicht teil. Ob sie stimmberechtigt sind, regelt die Satzung.

Im Sprachgebrauch schwingt fast immer eine Bewertung mit. Passiv klingt nach Zögern und Zurückhaltung. Es gibt aber Zusammenhänge, in denen es rein beschreibend gemeint ist: Ein passives Bauteil in der Elektronik ist eines ohne eigene Energiequelle, etwa ein Widerstand. Und eine passive Kühlung arbeitet ohne Lüfter, allein über Kühlkörper und Luftbewegung.

Verbreitet ist auch „passiv-aggressiv“. Gemeint ist Widerstand, der nicht offen ausgetragen wird, sondern über Verzögerung, Schweigen oder betonte Gleichgültigkeit läuft.

Das Passiv in der Grammatik

Im Aktiv steht die handelnde Person vorn: „Der Handwerker repariert die Heizung.“ Im Passiv rückt die Sache in den Mittelpunkt: „Die Heizung wird repariert.“

Vorgangspassiv und Zustandspassiv

Das Vorgangspassiv bildest du mit werden und dem Partizip II: „Die Tür wird geschlossen.“ Es beschreibt den Vorgang.

Das Zustandspassiv bildest du mit sein und dem Partizip II: „Die Tür ist geschlossen.“ Es beschreibt das Ergebnis.

Ersatzformen

Neben den beiden Passivformen gibt es Umschreibungen, die dasselbe leisten: „Das lässt sich reparieren“, „Der Antrag ist bis Freitag einzureichen“, „Die Datei ist leicht zu öffnen“. Sie wirken oft leichter als ein volles Passiv und werden im Deutschen häufig gewählt.

Wann Passiv sinnvoll ist

Es hilft, wenn der Handelnde unbekannt oder unwichtig ist: „Das Rad wurde gestohlen.“ In Anleitungen und Verwaltungstexten ist es deshalb häufig.

Es schadet, wenn die Verantwortung verschwinden soll: „Es wurden Fehler gemacht.“ Wer wissen will, wer etwas getan hat, sollte im Aktiv schreiben. Genau deshalb raten Stilratgeber dazu, das Passiv sparsam einzusetzen.

Passiva in der Bilanz

In der Buchführung hat eine Bilanz zwei Seiten. Links stehen die Aktiva, also das Vermögen und damit die Frage, wofür das Geld verwendet wurde. Rechts stehen die Passiva und damit die Frage, woher das Geld stammt.

Zu den Passiva gehören das Eigenkapital, die Rückstellungen und die Verbindlichkeiten. Wie diese Seite gegliedert wird, gibt für Kapitalgesellschaften Paragraf 266 des Handelsgesetzbuchs vor.

Beide Seiten sind immer gleich hoch, daher der Name Bilanz, von der Waage. Die Einzahl von Passiva lautet das Passivum, gebräuchlich ist auch die Passivseite.

Aktives und passives Wahlrecht

Hier bedeutet die Unterscheidung etwas ganz Konkretes.

Aktives Wahlrecht heißt: Du darfst wählen.
Passives Wahlrecht heißt: Du darfst gewählt werden.

Für den Bundestag gilt nach Artikel 38 des Grundgesetzes beides ab 18 Jahren. Bei der Europawahl dürfen in Deutschland seit 2024 bereits Menschen ab 16 Jahren wählen, kandidieren aber erst ab 18. In den Ländern und Gemeinden weichen die Altersgrenzen teils ab, das regeln die jeweiligen Wahlgesetze.

Passivrauchen, Passivhaus, passives Einkommen

Drei feste Wortverbindungen begegnen dir oft.

Passivrauchen ist das Einatmen von fremdem Tabakrauch. Es ist auch für Nichtrauchende gesundheitsschädlich, was die Nichtraucherschutzgesetze der Länder begründet.

Passivhaus ist ein Baustandard mit sehr geringem Heizbedarf. Das Passivhaus Institut nennt als Kernkriterium einen Heizwärmebedarf von höchstens 15 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr.

Passivlegitimation ist ein Begriff aus dem Zivilprozess. Er beschreibt die Frage, ob die verklagte Person überhaupt die richtige Gegnerin ist. Das Gegenstück heißt Aktivlegitimation.

Passives Einkommen ist ein Werbebegriff für Einnahmen ohne laufende Arbeit, etwa Mieten oder Zinsen. Steuerlich gibt es diese Kategorie nicht, versteuert werden muss trotzdem.

Häufige Fragen

Was ist das Gegenteil von passiv?

Aktiv. Je nach Satz passen auch tätig, handelnd oder engagiert.

Wie erkenne ich das Passiv im Satz?

An werden oder sein zusammen mit dem Partizip II. Die handelnde Person fehlt oft ganz oder steht mit „von“.

Ist Passiv im Text schlecht?

Nein, nur unpassend gehäuft. In Anleitungen und Berichten ist es sinnvoll, in Erzählungen wirkt es blass.

Was sind Passiva einfach erklärt?

Die Herkunft des Geldes im Unternehmen: eigenes Kapital und Schulden.

Was heißt passives Mitglied?

Jemand, der Beitrag zahlt und den Verein unterstützt, aber nicht am aktiven Betrieb teilnimmt.

Was ist der Unterschied zwischen passiv und faul?

Faul bewertet die Person und unterstellt Unlust. Passiv beschreibt nur, dass jemand nicht eingreift. Dafür kann es viele Gründe geben, etwa Unsicherheit oder fehlende Zuständigkeit.

Kann man passiv steigern?

Ja: passiver, am passivsten. Das Substantiv lautet die Passivität.

Quellen

DWDS – Wörterbucheintrag „passiv“
Grundgesetz, Artikel 38 – Wahlen
HGB, Paragraf 266 – Gliederung der Bilanz
Passivhaus Institut

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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