Was bedeutet Vertigo? Schwindel, Ursachen und Herkunft

Kurzantwort: Vertigo ist der lateinische und medizinische Fachbegriff für Schwindel, im engeren Sinn für Drehschwindel. Das Wort kommt von vertere, drehen. Betroffene nehmen eine Bewegung wahr, die es nicht gibt. Die häufigste Ursache ist der gutartige Lagerungsschwindel.

Der Ausdruck steht auf Arztbriefen, in Fachtexten und im Titel eines Hitchcock-Films. Gemeint ist immer dasselbe Grundphänomen.

Schwindel gehört zu den häufigsten Beschwerden in Hausarztpraxen. Dahinter stecken sehr verschiedene Ursachen, von harmlos bis dringend.

Dieser Text ordnet den Begriff ein und nennt die wichtigsten Formen. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung.

Woher das Wort kommt

Das lateinische vertigo bedeutet Drehung, Wirbel oder Schwindel. Es leitet sich vom Verb vertere ab, drehen oder wenden.

Dieselbe Wurzel steckt in vielen deutschen Fremdwörtern: konvertieren, Version, vertikal im Sinne der Scheitellinie und Universum.

In der Medizin ist Vertigo bis heute der Fachausdruck. In Diagnosen taucht er in Zusammensetzungen auf, etwa Vertigo paroxysmalis.

Im Englischen ist vertigo auch außerhalb der Fachsprache gebräuchlich. Im Deutschen sagt man im Alltag Schwindel.

Verwirrend ist die Doppelbedeutung des deutschen Wortes. Schwindel bezeichnet auch den Betrug, und beide Bedeutungen haben denselben Ursprung im Verb schwinden.

Im medizinischen Alltag begegnet dir der Ausdruck außerdem als Endung: Lagerungsschwindel, Drehschwindel, Höhenschwindel. In lateinischen Diagnosen bleibt Vertigo das Grundwort.

Was Ärzte mit Vertigo meinen

Schwindel ist eine Störung der räumlichen Orientierung. Betroffene nehmen eine Bewegung von sich selbst oder der Umgebung wahr, die tatsächlich nicht stattfindet.

Unterschieden werden mehrere Formen. Beim Drehschwindel dreht sich alles wie im Karussell, beim Schwankschwindel wankt der Boden wie auf einem Schiff.

Davon abzugrenzen ist die Benommenheit, ein diffuses Gefühl von Unsicherheit ohne klare Bewegungsempfindung.

Am Gleichgewicht arbeiten drei Systeme zusammen: das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, die Augen und die Tiefensensibilität aus Muskeln und Gelenken. Melden diese Systeme Widersprüchliches, entsteht Schwindel.

Für die Diagnose zählen vor allem drei Angaben: die Dauer der Attacken, was sie auslöst und welche Begleitsymptome auftreten.

Die häufigsten Ursachen

An erster Stelle steht der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel, kurz BPLS. Er gilt als häufigste Schwindelform und macht etwa 20 Prozent der Schwindelsyndrome aus. In einer bevölkerungsbasierten Studie in Deutschland lag die Lebenszeitprävalenz bei 2,4 Prozent.

Ursache sind winzige Kristalle aus dem Gleichgewichtsorgan, die sich gelöst haben und in einen Bogengang geraten sind. Typisch sind heftige Drehattacken von wenigen Sekunden bis unter einer Minute, ausgelöst durch Umdrehen im Bett oder Kopfheben.

Beim Morbus Menière dauern die Attacken Minuten bis Stunden. Dazu kommen einseitiger Hörverlust, Ohrgeräusche und ein Druckgefühl im Ohr.

Die Vestibularisneuritis ist eine Funktionsstörung des Gleichgewichtsnervs. Der Schwindel ist dabei anhaltend und dauert Tage, oft mit Übelkeit und Gangunsicherheit.

Häufig sind außerdem die vestibuläre Migräne, der funktionelle Schwankschwindel sowie Schwindel durch Kreislaufprobleme oder Nebenwirkungen von Medikamenten.

Wann Schwindel ein Notfall ist

Schwindel kann Zeichen eines Schlaganfalls im Bereich von Kleinhirn oder Hirnstamm sein. Dann zählt jede Minute.

Alarmzeichen sind Doppelbilder, Sprach- oder Schluckstörungen, Lähmungen oder Taubheitsgefühle, plötzliche starke Kopfschmerzen und eine ausgeprägte Gangunsicherheit mit Sturz.

Treten solche Symptome zusammen mit Schwindel auf, gilt der Notruf 112.

Auch ein erstmalig auftretender, sehr heftiger Schwindel ohne erkennbaren Auslöser gehört rasch ärztlich abgeklärt.

Hilfreich für die Praxis ist ein kurzes Protokoll: Wann trat der Schwindel auf, wie lange dauerte er, was ging voraus und welche Medikamente werden eingenommen.

Gerade Blutdruckmittel, Beruhigungsmittel und einige Antibiotika können Schwindel als Nebenwirkung auslösen. Die Packungsbeilage gibt darüber Auskunft.

Was hilft

Beim gutartigen Lagerungsschwindel wirken Befreiungsmanöver. Bekannt sind das Epley-Manöver und das Sémont-Manöver, bei denen der Kopf in einer festen Abfolge bewegt wird, damit die Kristalle den Bogengang verlassen.

Die Manöver werden ärztlich oder physiotherapeutisch angeleitet. Viele Betroffene sind danach innerhalb weniger Tage beschwerdefrei.

Bei anderen Formen richtet sich die Behandlung nach der Ursache. Gleichgewichtstraining, Physiotherapie und in manchen Fällen Medikamente kommen infrage.

Von einer dauerhaften Einnahme sogenannter Antivertiginosa wird abgeraten, weil sie die Gewöhnung des Gehirns an die Störung bremsen können. Die Entscheidung trifft die behandelnde Praxis.

Zuständig sind Hausarztpraxen, HNO-Ärzte und Neurologen. In Deutschland gibt es zudem spezialisierte Schwindelambulanzen an Universitätskliniken.

Praktisch hilfreich ist Bewegung. Wer sich aus Angst vor Attacken schont, verzögert die Gewöhnung des Gleichgewichtssystems und verlängert die Beschwerden.

Für den Alltag lohnt außerdem der Blick auf Stolperfallen: lose Teppiche, schlechte Beleuchtung und fehlende Haltegriffe erhöhen bei Schwindel das Sturzrisiko deutlich.

Vertigo in Film und Musik

Alfred Hitchcocks Film Vertigo von 1958 trägt im Deutschen den Titel Aus dem Reich der Toten. Die Hauptfigur leidet unter Höhenangst mit Schwindel.

Bekannt wurde daraus der sogenannte Vertigo-Effekt, ein Kameratrick, bei dem gleichzeitig gezoomt und gefahren wird. Der Raum scheint sich dadurch zu verziehen.

In der Musik trägt ein Lied von U2 aus dem Jahr 2004 denselben Titel. Auch ein Plattenlabel und mehrere Comicreihen nutzen den Namen.

Die Filmbedeutung erklärt, warum viele Menschen den Begriff kennen, ohne ihn medizinisch einzuordnen.

Genau genommen zeigt der Film keine Gleichgewichtsstörung, sondern Höhenangst. Die medizinische Bezeichnung dafür wäre Akrophobie.

Auch das ist ein Grund, warum Vertigo im Alltag unschärfer gebraucht wird als in der Praxis.

Häufige Fragen

Was heißt Vertigo auf Deutsch?

Schwindel, im engeren Sinn Drehschwindel.

Was ist die häufigste Ursache?

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel, etwa 20 Prozent aller Schwindelsyndrome.

Wie lange dauert eine Attacke beim Lagerungsschwindel?

Meist wenige Sekunden bis unter eine Minute, ausgelöst durch Lagewechsel.

Wann muss ich sofort zum Arzt?

Bei Doppelbildern, Sprachstörungen, Lähmungen oder starken Kopfschmerzen: Notruf 112.

Was ist das Epley-Manöver?

Eine feste Abfolge von Kopfbewegungen, die die Kristalle aus dem Bogengang zurückbefördert.

Woher kommt das Wort?

Vom lateinischen vertigo für Drehung, abgeleitet von vertere, drehen.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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