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Kurz gesagt: Der Rohölpreis macht nur etwa ein Drittel des Preises an der Zapfsäule aus. Der größere Teil sind Steuern und Abgaben, die sich nicht bewegen, wenn Öl billiger wird. Dazu kommt: Preissenkungen werden erfahrungsgemäß langsamer weitergegeben als Preiserhöhungen.
Woraus sich der Preis zusammensetzt
Bei einem Liter Superbenzin verteilt sich der Preis grob so:
- Energiesteuer: 65,45 Cent je Liter Benzin, 47,04 Cent je Liter Diesel. Ein fester Betrag — er ändert sich nicht mit dem Ölpreis.
- CO2-Preis: seit 2021 zusätzlich, mit jährlich steigendem Satz.
- Mehrwertsteuer: 19 Prozent — und zwar auf alles, auch auf die Energiesteuer und den CO2-Preis. Es wird also Steuer auf Steuer erhoben.
- Produktkosten: Rohöl, Raffination, Transport, Lagerhaltung.
- Marge von Mineralölkonzern und Tankstelle.
Steuern und Abgaben machen zusammen häufig mehr als die Hälfte des Preises aus. Selbst wenn Rohöl geschenkt würde, bliebe der Liter deutlich über einem Euro.
Der Steuer-auf-Steuer-Effekt
Weil die Mehrwertsteuer auf den Gesamtbetrag inklusive Energiesteuer berechnet wird, wirkt jede Preisänderung um den Faktor 1,19 verstärkt. Steigt der Einkaufspreis um zehn Cent, kommen an der Säule elf Cent und neunzig an.
Umgekehrt gilt dasselbe — der Effekt ist neutral. Bemerkbar macht er sich vor allem, weil er die Ausschläge vergrößert.
Warum Rohölpreise nicht sofort durchschlagen
Zwischen Bohrloch und Zapfsäule liegen Wochen. Was heute an der Börse gehandelt wird, ist Öl, das erst noch transportiert, raffiniert und verteilt werden muss.
Die Tankstelle verkauft unterdessen Kraftstoff, den sie zu älteren Preisen eingekauft hat. Ein Preisrutsch am Terminmarkt erreicht die Säule deshalb erst mit Verzögerung.
Hinzu kommt der Wechselkurs: Rohöl wird in US-Dollar gehandelt. Fällt der Ölpreis um fünf Prozent, während der Euro gegenüber dem Dollar um fünf Prozent nachgibt, bleibt der Einkaufspreis in Euro unverändert. Diesen Effekt übersehen die meisten Meldungen über sinkende Ölpreise.
Die Raffineriemarge
Rohöl ist nicht Benzin. Zwischen beiden steht die Raffinerie, und ihre Spanne schwankt unabhängig vom Ölpreis.
Sind Raffineriekapazitäten knapp — durch Wartung, Störungen oder hohe Nachfrage —, steigt diese Spanne, selbst wenn Rohöl billiger wird. In solchen Phasen bewegen sich Ölpreis und Spritpreis regelrecht auseinander.
Ein deutscher Sonderfall kommt hinzu: Ein erheblicher Teil des Kraftstoffs wird per Binnenschiff über den Rhein verteilt. Bei Niedrigwasser können die Schiffe nur teilbeladen fahren, die Transportkosten steigen und mit ihnen die Preise im Süden und Westen.
Warum es hoch schneller geht als runter
Die Beobachtung stimmt und hat einen Namen: Preise klettern wie Raketen und fallen wie Federn.
Die Erklärung liegt im Verhalten der Kundschaft. Bei steigenden Preisen vergleichen Autofahrer sofort und suchen die günstigste Tankstelle — der Wettbewerbsdruck ist hoch, aber die Erhöhung wird trotzdem durchgesetzt, weil alle Anbieter dieselben Einkaufskosten haben. Bei sinkenden Preisen fehlt der Druck: Wer nicht senkt, verliert kaum Kunden, solange die Konkurrenz ebenfalls zögert.
Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt erfasst deshalb seit Jahren jede Preisänderung an jeder Tankstelle in Deutschland. Die Daten fließen in Tank-Apps ein.
Die Tagesschwankung
Der Preis derselben Tankstelle schwankt am Tag um mehrere Cent, oft in einem wiederkehrenden Muster. Morgens zwischen sieben und acht Uhr ist es meist am teuersten, am günstigsten in den frühen Abendstunden.
Die Unterschiede zwischen Morgen- und Abendpreis liegen regelmäßig im zweistelligen Cent-Bereich. Wer die Tageszeit beachtet, spart mehr als durch die Wahl der Marke.
Warum Diesel mal billiger und mal teurer ist
Diesel wird mit 47,04 Cent je Liter niedriger besteuert als Benzin mit 65,45 Cent. Rein steuerlich müsste er also dauerhaft rund 18 Cent günstiger sein, mit Mehrwertsteuer etwa 22.
Dass er zeitweise trotzdem teurer war, liegt am Markt. Dieselkraftstoff und leichtes Heizöl sind chemisch nah verwandt und stammen aus derselben Fraktion der Raffinerie. Steigt im Winter die Nachfrage nach Heizöl, konkurrieren beide um dieselbe Produktionsmenge.
Hinzu kommt der internationale Handel: Europa produziert weniger Diesel, als es verbraucht, und importiert die Lücke. Fällt eine Bezugsquelle aus, schlägt das direkt auf den Preis durch — beim Benzin ist Europa dagegen eher Exporteur.
Was der einzelne tun kann
- Tageszeit nutzen. Der Unterschied zwischen Morgen- und Abendpreis übertrifft fast immer den Unterschied zwischen den Marken.
- Autobahntankstellen meiden. Der Aufschlag dort liegt regelmäßig im deutlich zweistelligen Cent-Bereich je Liter.
- Nicht auf Reserve fahren. Wer tanken muss, kann nicht wählen.
- Reifendruck prüfen. Zu niedriger Druck erhöht den Verbrauch messbar.
- Dachträger abnehmen, wenn er nicht gebraucht wird — der Luftwiderstand kostet auf der Autobahn spürbar Kraftstoff.
Warum staatliche Rabatte wenig bringen
Wird die Energiesteuer gesenkt, entsteht kein Automatismus, der die Ersparnis an der Säule ankommen lässt. Ob und wie schnell sie weitergegeben wird, entscheidet der Markt.
Bei der zeitweisen Steuersenkung im Sommer 2022 hat das Bundeskartellamt genau das untersucht. Der Befund war differenziert: Ein erheblicher Teil kam bei den Verbrauchern an, aber nicht sofort und nicht vollständig.
Beim Auslaufen einer solchen Maßnahme geht es dagegen erfahrungsgemäß schnell — der Preis springt am selben Tag.
Was der Ölpreis überhaupt abbildet
Wenn in Nachrichten vom Ölpreis die Rede ist, sind meist die Sorten Brent aus der Nordsee oder WTI aus den USA gemeint. Gehandelt werden dabei nicht Fässer, sondern Terminkontrakte auf künftige Lieferungen.
Diese Kurse reagieren auf Erwartungen: auf Förderentscheidungen der Opec und ihrer Partner, auf Konjunkturprognosen, auf politische Krisen in Förderregionen und auf Lagerbestände. Ein Kursrutsch kann also eine erwartete Nachfrageschwäche abbilden, ohne dass sich an der real gelieferten Menge etwas geändert hat.
Für Deutschland kommt hinzu, dass hier kaum eigenes Rohöl gefördert wird. Der Bedarf wird fast vollständig eingeführt, und die Bezugsquellen haben sich seit 2022 stark verschoben — mit Folgen für Transportwege und Kosten.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Steueranteil?
Häufig mehr als die Hälfte des Preises.
Warum wirkt sich der Ölpreis verzögert aus?
Zwischen Einkauf und Verkauf liegen Wochen.
Was hat der Dollarkurs damit zu tun?
Rohöl wird in Dollar gehandelt – ein schwacher Euro frisst Preissenkungen auf.
Wann ist Tanken am günstigsten?
Meist in den frühen Abendstunden.
Warum steigen Preise schneller als sie fallen?
Beim Senken fehlt der Wettbewerbsdruck.
Wer überwacht die Preise?
Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt.
Warum ist Diesel manchmal teurer als Benzin?
Weil er mit Heizöl um dieselbe Raffineriefraktion konkurriert.
Kommen Steuersenkungen an der Säule an?
Teilweise und mit Verzögerung.
Was ist Brent?
Eine Rohölsorte aus der Nordsee, deren Kurs als Referenz dient.
Quellen
- Bundeskartellamt — Markttransparenzstelle für Kraftstoffe
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
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Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






