Wie viele Kontinente gibt es? Die Modelle im Vergleich

Kurz gesagt: Es kommt darauf an, wo man fragt. In Deutschland gilt das Siebener-Modell: Europa, Asien, Afrika, Nordamerika, Südamerika, Australien und Antarktika. In Russland und Teilen Osteuropas zählt man sechs, in Lateinamerika und romanischsprachigen Ländern oft fünf. Alle drei sind richtig — sie beruhen auf verschiedenen Kriterien.

Es gibt keine internationale Stelle, die Kontinente festlegt. Anders als bei Staatsgrenzen fehlt hier jede verbindliche Definition.

Das Siebener-Modell

Europa, Asien, Afrika, Nordamerika, Südamerika, Australien mit Ozeanien und Antarktika.

Es ist in Deutschland, Großbritannien, den USA, China und Indien üblich und trennt konsequent nach kultureller und historischer Tradition. Europa und Asien gelten als eigene Kontinente, ebenso Nord- und Südamerika.

Das Sechser-Modell

Hier werden Europa und Asien zu Eurasien zusammengefasst. Der Grund ist geologisch: Zwischen beiden verläuft keine Meeresgrenze, sie liegen auf derselben Landmasse und größtenteils auf derselben Erdplatte.

Der Ural ist ein altes, stark abgetragenes Mittelgebirge und trennt nichts, was sich nicht bequem umfahren ließe. Als Kontinentgrenze wurde er im 18. Jahrhundert vorgeschlagen — eine Setzung, keine Entdeckung.

Eine zweite Variante des Sechser-Modells behält Europa und Asien getrennt, fasst dafür Nord- und Südamerika zu Amerika zusammen. Diese Zählung ist in Frankreich und Spanien verbreitet.

Das Fünfer-Modell

Eurasien, Afrika, Amerika, Australien, Antarktika — oder, in der weiter verbreiteten Variante, die fünf bewohnten Kontinente ohne Antarktika.

Auf dieser Zählung beruhen die fünf olympischen Ringe. Sie stehen für die bewohnten Erdteile; die Antarktis bleibt außen vor, weil dort niemand dauerhaft lebt.

In Lateinamerika ist es zudem selbstverständlich, von América als einem Kontinent zu sprechen. Wer dort Nord- und Südamerika trennt, erntet Widerspruch.

Warum Europa überhaupt ein Kontinent ist

Geologisch gibt es keinen Grund dafür. Die Trennung stammt aus der Antike: Griechische Seefahrer teilten die ihnen bekannte Welt in drei Teile — Europa, Asien und Libyen, womit Afrika gemeint war. Die Grenzen verliefen entlang der Wasserstraßen, die sie befuhren.

Diese Einteilung wurde über Jahrhunderte weitergereicht und im 18. Jahrhundert bis zum Ural verlängert. Sie ist also ein kulturelles Erbe, kein geografischer Befund.

Aus demselben Grund ist auch die Grenze im Kaukasus umstritten. Ob Georgien und Armenien zu Europa gehören, beantworten Atlanten unterschiedlich.

Was die Geologie sagt

Erdwissenschaftlich zählt nicht die Landmasse, sondern die Kontinentalplatte. Davon gibt es sieben große: Afrikanische, Antarktische, Eurasische, Indo-Australische, Nordamerikanische, Pazifische und Südamerikanische Platte.

Diese Einteilung deckt sich nur teilweise mit den Kontinenten. Indien etwa sitzt auf einer eigenen Platte und schiebt sich seit Millionen Jahren gegen Eurasien — daraus entstand der Himalaya. Ein Teil Islands liegt auf der nordamerikanischen Platte, ein Teil auf der eurasischen.

Und die Platten wandern weiter. Vor rund 250 Millionen Jahren bildeten alle Landmassen den Superkontinent Pangaea. In ferner Zukunft wird es wieder einen geben — die heutige Einteilung ist eine Momentaufnahme.

Ozeanien oder Australien?

Australien ist die kleinste kontinentale Landmasse. Rechnet man Neuseeland, Papua-Neuguinea und die pazifischen Inselstaaten hinzu, spricht man von Ozeanien.

Unter Neuseeland liegt zudem eine weitgehend versunkene Landmasse, für die der Name Zealandia vorgeschlagen wurde. Sie erfüllt geologisch die Merkmale eines Kontinents, ragt aber zu über neunzig Prozent nicht aus dem Wasser.

Die Kontinente in Zahlen

Asien ist mit rund 44 Millionen Quadratkilometern der größte und mit über vier Milliarden Menschen der bevölkerungsreichste Kontinent. Mehr als die Hälfte aller Menschen lebt dort.

Afrika folgt mit rund 30 Millionen Quadratkilometern. Seine Fläche wird auf üblichen Weltkarten stark unterschätzt, weil die Mercator-Projektion Gebiete nahe den Polen vergrößert und äquatornahe verkleinert. Afrika ist größer als China, Indien, die USA und weite Teile Europas zusammen.

Nordamerika kommt auf rund 24 Millionen, Südamerika auf rund 18 Millionen Quadratkilometer.

Antarktika liegt mit rund 14 Millionen Quadratkilometern dazwischen — größer als Europa, aber ohne ständige Bevölkerung. Nur Forschungsstationen sind besetzt.

Europa misst rund 10 Millionen Quadratkilometer, Australien rund 8,5 Millionen.

Warum Karten täuschen

Eine Kugel lässt sich nicht ohne Verzerrung auf ein Blatt Papier bringen. Jede Projektion muss sich entscheiden, was sie richtig darstellt: Flächen, Winkel oder Entfernungen.

Die Mercator-Projektion, die den meisten Weltkarten und lange auch den Online-Kartendiensten zugrunde lag, hält Winkel korrekt — das war für die Seefahrt entscheidend, weil ein Kurs als gerade Linie erscheint. Dafür verzerrt sie Flächen umso stärker, je weiter man vom Äquator entfernt ist.

Grönland erscheint dort etwa so groß wie Afrika, hat aber nur rund ein Vierzehntel der Fläche. Flächentreue Projektionen zeigen das Verhältnis richtig, verzerren dafür die Formen.

Die Grenze zwischen Nord- und Südamerika

Auch sie ist Vereinbarung. Meist wird der Isthmus von Panama genannt, häufig der Panamakanal.

Mittelamerika ist dabei kein eigener Kontinent, sondern ein Teil Nordamerikas. Geologisch sitzt die Region allerdings weitgehend auf einer eigenen kleinen Platte, der Karibischen Platte — was die Erdbeben und Vulkane der Region erklärt.

Kontinente in Bewegung

Die Platten wandern mit wenigen Zentimetern im Jahr — etwa so schnell, wie Fingernägel wachsen. Über Jahrmillionen summiert sich das zu tausenden Kilometern.

Der Atlantik wird jedes Jahr breiter, weil am Mittelatlantischen Rücken neue Kruste entsteht. Afrika schiebt sich nach Norden gegen Europa und schließt das Mittelmeer langsam; die Alpen sind ein Ergebnis dieser Bewegung, ebenso die Erdbeben in Italien und Griechenland.

Im Osten Afrikas reißt der Kontinent auf. Entlang des Ostafrikanischen Grabenbruchs entsteht über Millionen Jahre ein neues Meer, das Somalia vom übrigen Afrika trennen wird.

Häufige Fragen

Wie viele Kontinente gibt es?

Je nach Modell fünf, sechs oder sieben.

Was lernt man in Deutschland?

Sieben.

Warum stehen fünf Ringe im olympischen Symbol?

Sie stehen für die fünf bewohnten Erdteile.

Ist Europa geologisch ein eigener Kontinent?

Nein, es gehört zur eurasischen Landmasse.

Wie viele Erdplatten gibt es?

Sieben große und zahlreiche kleinere.

Wo verläuft die Grenze zwischen Europa und Asien?

Üblicherweise am Ural – eine Festlegung aus dem 18. Jahrhundert.

Welcher Kontinent ist der größte?

Asien mit rund 44 Millionen Quadratkilometern.

Warum wirkt Grönland auf Karten so groß?

Die Mercator-Projektion verzerrt Flächen nahe den Polen.

Wie schnell bewegen sich die Kontinente?

Wenige Zentimeter im Jahr.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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