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Kurz gesagt: In Deutschland und im gesamten englischsprachigen Raum gilt das Modell mit sieben Kontinenten. International sind aber auch Modelle mit vier, fünf oder sechs Kontinenten üblich – je nachdem, welches Land unterrichtet.
Die Frage klingt nach Grundschulwissen mit einer eindeutigen Antwort. Sie hat keine.
Das Modell mit sieben Kontinenten
In deutschen Schulen wird gelehrt: Afrika, Antarktika, Asien, Australien beziehungsweise Ozeanien, Europa, Nordamerika und Südamerika. Dieselbe Einteilung gilt in Großbritannien, den USA, Kanada, Australien, China, Indien und weiten Teilen Westeuropas.
Die anderen Modelle
Sechs Kontinente, Variante A: Nord- und Südamerika werden als ein Amerika gezählt. So unterrichten es Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland und der größte Teil Lateinamerikas.
Sechs Kontinente, Variante B: Europa und Asien werden zu Eurasien zusammengefasst, Amerika bleibt geteilt. Diese Einteilung ist in Russland und in Osteuropa verbreitet.
Fünf Kontinente: Amerika ist eins, Eurasien ist eins, die Antarktis fällt weg, weil dort niemand dauerhaft lebt. Das ist die Zählung hinter den fünf olympischen Ringen – wobei das Internationale Olympische Komitee die Ringe nicht einzelnen Erdteilen zuordnet.
Vier Kontinente: Die konsequenteste Variante zählt zusammenhängende Landmassen: Afrika-Eurasien, Amerika, Antarktika und Australien.
Warum es keine richtige Zahl gibt
Ein Kontinent ist keine messbare Größe wie ein Berg oder ein Fluss. Es gibt keine völkerrechtliche Definition und keine Institution, die verbindlich festlegt, was dazugehört.
Geologisch betrachtet sind Europa und Asien eine einzige Landmasse. Die Grenze verläuft konventionell entlang des Urals, des Uralflusses, des Kaspischen Meers und des Kaukasus – eine Linie, die im 18. Jahrhundert vorgeschlagen wurde und sich durchgesetzt hat, weil sie praktisch war, nicht weil die Natur sie vorgibt.
Nord- und Südamerika hängen über die Landenge von Panama zusammen. Erst der Panamakanal, eröffnet 1914, hat sie physisch getrennt – von Menschenhand.
Sonderfälle
Australien oder Ozeanien? Australien ist der Kontinent, Ozeanien die Region, die zusätzlich Neuseeland, Papua-Neuguinea und die pazifischen Inselstaaten umfasst. Im Schulmodell steht meist Australien, gemeint ist oft Ozeanien.
Grönland gehört politisch zu Dänemark, geologisch zu Nordamerika.
Die Türkei und Russland liegen auf zwei Kontinenten. Auch Ägypten mit der Sinai-Halbinsel und Kasachstan sind zweigeteilt.
Zealandia ist eine weitgehend versunkene Landmasse um Neuseeland, die 2017 in einer geologischen Fachveröffentlichung als eigener Kontinent vorgeschlagen wurde. Über Wasser ragen davon nur Neuseeland und Neukaledonien.
Woher die Kontinente ihre Namen haben
Europa und Asien tragen Namen, die vermutlich aus dem semitischen Sprachraum stammen und ursprünglich schlicht Westen und Osten bedeuteten — aus Sicht der phönizischen Seefahrer, für die die Ägäis die Trennlinie war. Afrika geht auf einen römischen Provinznamen zurück, der zunächst nur das Gebiet um Karthago meinte. Erst später wuchs der Begriff auf den ganzen Erdteil.
Amerika ist nach Amerigo Vespucci benannt, der als Erster erkannte, dass die von Kolumbus erreichten Länder nicht zu Asien gehörten. Ein Kartograf aus St. Die trug den Namen 1507 erstmals in eine Weltkarte ein. Kolumbus selbst blieb bis zu seinem Tod bei der Annahme, er sei in Ostasien gewesen.
Australien kommt vom lateinischen Wort für südlich und geht auf die jahrhundertealte Vermutung eines großen Südkontinents zurück. Antarktis bedeutet wörtlich das Gegenüber der Arktis, und die wiederum ist nach dem Sternbild des Großen Bären benannt. Die Namen der Erdteile erzählen damit vor allem, von wo aus jemand geschaut hat.
Die Kontinentalverschiebung
Die heutige Verteilung der Landmassen ist eine Momentaufnahme. Alfred Wegener beschrieb 1912 die Idee, dass die Kontinente wandern, und stützte sie auf die passenden Küstenformen von Südamerika und Afrika sowie auf gleiche Fossilien beiderseits des Atlantiks. Anerkannt wurde sie erst Jahrzehnte später.
Heute ist die Plattentektonik gut belegt: Die Erdkruste besteht aus Platten, die sich mit wenigen Zentimetern pro Jahr bewegen, etwa so schnell wie Fingernägel wachsen. Der Atlantik wird dadurch jedes Jahr breiter, während sich Afrika und Europa aufeinander zubewegen. Die Alpen sind ein Ergebnis dieser Bewegung.
Vor rund 250 Millionen Jahren waren alle Landmassen zu einem einzigen Superkontinent verbunden, den die Geologie Pangaea nennt. Er zerbrach in mehreren Schritten. Modelle sagen voraus, dass in etwa 250 Millionen Jahren erneut ein Superkontinent entsteht.
Kontinent, Erdteil und Kontinentalplatte
Drei Begriffe werden häufig vermischt, obwohl sie Verschiedenes meinen. Der Kontinent ist eine zusammenhängende Landmasse, der Erdteil eine kulturell und historisch geprägte Einteilung, und die Kontinentalplatte ein Stück Erdkruste, dessen Grenzen mit den Küsten nichts zu tun haben müssen.
Indien etwa liegt geografisch in Asien, sitzt aber auf einer eigenen Platte, die noch immer gegen Asien drückt und dabei den Himalaya auftürmt. Island liegt auf der Grenze zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Platte, gehört als Erdteil aber eindeutig zu Europa.
Wer eine Zahl nennt, sollte deshalb sagen, wonach er zählt. Nach Platten kommt man auf sieben große und mehrere Dutzend kleinere. Nach Erdteilen auf fünf, sechs oder sieben, je nach Schulbuch.
Zealandia und andere Kandidaten
2017 schlug eine Gruppe von Geologen vor, das weitgehend versunkene Landgebiet um Neuseeland als eigenen Kontinent zu führen. Zealandia umfasst rund fünf Millionen Quadratkilometer, von denen etwa 94 Prozent unter Wasser liegen. Erhebung, Gesteinsart und Kruste sprechen für einen eigenständigen Kontinent.
Eine offizielle Instanz, die so etwas entscheidet, gibt es allerdings nicht. Anders als bei Planeten, wo die Internationale Astronomische Union abstimmt, gibt es für Kontinente kein Gremium. Ob Zealandia sich durchsetzt, entscheidet der Gebrauch in Fachliteratur und Lehrbüchern.
Ähnliche Diskussionen gibt es um Mauritia, einen versunkenen Bereich im Indischen Ozean. Solche Funde zeigen, dass die Einteilung nicht abgeschlossen ist. Sie folgt dem Forschungsstand, nicht einer Festlegung.
Wie viel Fläche und wie viele Menschen
Asien ist mit rund 44 Millionen Quadratkilometern der größte Erdteil und beherbergt zugleich etwa sechzig Prozent der Menschheit. Afrika folgt mit rund 30 Millionen Quadratkilometern und der am schnellsten wachsenden Bevölkerung. Europa ist flächenmäßig klein, aber sehr dicht besiedelt.
Die Antarktis hat mit rund 14 Millionen Quadratkilometern eine beachtliche Fläche, aber keine ständige Bevölkerung — nur Forschungsstationen mit wechselnder Besatzung zwischen etwa tausend im Winter und viertausend im Sommer. Sie ist damit der einzige Erdteil ohne Staaten.
Australien ist der kleinste Erdteil und zugleich das einzige Land, das einen ganzen Kontinent einnimmt. Ozeanien als weiter gefasster Begriff schließt tausende Inseln mit ein. Auch hier hängt die Zahl an der Definition.
Häufige Fragen
Welcher Kontinent ist der größte?
Asien, mit rund 44,6 Millionen Quadratkilometern und etwa 4,7 Milliarden Menschen. Damit lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung dort.
Welcher ist der kleinste?
Australien mit rund 7,7 Millionen Quadratkilometern – im Sieben-Kontinente-Modell und ohne die Inseln Ozeaniens.
Ist die Antarktis ein Kontinent?
Ja, in allen Modellen außer dem Fünfer-Modell. Sie hat keine dauerhafte Wohnbevölkerung, aber ganzjährig besetzte Forschungsstationen.
Warum lernen Kinder unterschiedliche Zahlen?
Weil die Einteilung dem Lehrplan des jeweiligen Landes folgt und historisch gewachsen ist. Keine der Zahlen ist falsch, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.
Woher kommt der Name Amerika?
Von Amerigo Vespucci, erstmals 1507 auf einer Karte.
Bewegen sich die Kontinente?
Ja, um wenige Zentimeter im Jahr.
Was war Pangaea?
Der Superkontinent vor rund 250 Millionen Jahren.
Ist Zealandia ein Kontinent?
Vorgeschlagen ja, entschieden ist es nicht.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Wie viele Kontinente gibt es? Die Modelle im Vergleich
- Wie viele Schwule gibt es in Deutschland? Die Zahlen
- Wie viele Sexualitäten gibt es? Begriffe und Einordnung
Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






