Warum ist Russland so groß? Die historischen Gründe

Kurz gesagt: Russland dehnte sich ab dem 16. Jahrhundert in wenigen Generationen nach Osten aus — angetrieben vom Pelzhandel, ermöglicht durch Flusswege, dünn besiedeltes Land und das Fehlen großer Gegenmächte in Sibirien. Mit rund 17 Millionen Quadratkilometern ist es das flächengrößte Land der Erde, aber gemessen daran sehr dünn besiedelt.

Die Ausgangslage

Im 15. Jahrhundert war das Großfürstentum Moskau ein regionaler Staat unter mehreren, der sich erst von der Oberherrschaft der Goldenen Horde löste. Von dort aus begann eine Ausdehnung zunächst nach Norden und Westen. Der Sprung nach Osten kam später.

Entscheidend war die Eroberung der Khanate Kasan 1552 und Astrachan 1556 unter Iwan dem Vierten. Damit öffnete sich der Weg über die Wolga in Richtung Ural. Vorher hatten diese Reiche die Ostgrenze gesichert.

Von diesem Punkt an lag östlich des Urals ein riesiges Gebiet ohne staatliche Gegenmacht vergleichbarer Größe. Die dort lebenden Völker waren zahlenmäßig klein und militärisch nicht auf europäische Feuerwaffen eingestellt. Das erklärt das Tempo der folgenden Ausdehnung.

Der Pelzhandel als Motor

Der wirtschaftliche Antrieb war der Handel mit Zobel-, Marder- und Fuchsfellen, die in Europa hohe Preise erzielten. Pelze waren für Moskau über lange Zeit eine der wichtigsten Einnahmequellen. Der Staat erhob von unterworfenen Völkern eine Pelzabgabe.

Weil Bestände nach einigen Jahren erschöpft waren, zogen Jäger und Händler immer weiter nach Osten. Diese Bewegung schuf die Vorposten, aus denen später Städte wurden. Der Staat folgte den Händlern, nicht umgekehrt.

Getragen wurde die Ausdehnung wesentlich von Kosakenverbänden, teils in staatlichem Auftrag, teils auf eigene Rechnung. Der Zug Jermaks über den Ural ab 1581 gilt als Beginn. Innerhalb von rund sechzig Jahren erreichten russische Verbände den Pazifik.

Warum es so schnell ging

Sibirien ist von einem dichten Netz großer Flüsse durchzogen, die überwiegend von Süden nach Norden verlaufen und über kurze Landwege verbunden werden können. Boote waren das schnellste Transportmittel dieser Zeit. Diese Wasserwege machten weite Strecken beherrschbar.

Hinzu kam die geringe Bevölkerungsdichte: Auf riesigen Flächen lebten nur wenige hunderttausend Menschen in kleinen Gruppen. Organisierter Widerstand über größere Räume war dadurch kaum möglich. Wo er auftrat, etwa bei den Tschuktschen, dauerte die Unterwerfung Jahrzehnte.

Schließlich fehlte eine konkurrierende Kolonialmacht. China wandte sich in dieser Zeit anderen Grenzen zu, und die europäischen Seemächte waren auf Übersee ausgerichtet. Sibirien blieb offen.

Die weiteren Ausdehnungen

Neben Sibirien wuchs das Reich nach Süden in den Kaukasus und nach Zentralasien, wo es im 19. Jahrhundert die Khanate unterwarf. Im Westen kamen durch die Teilungen Polens und die Kriege gegen Schweden große Gebiete hinzu. Auch Finnland gehörte zeitweise dazu.

Alaska war ab dem 18. Jahrhundert russisch und wurde 1867 an die Vereinigten Staaten verkauft, weil es kaum zu verteidigen und wirtschaftlich unrentabel geworden war. Der Preis lag bei gut sieben Millionen Dollar. Aus heutiger Sicht war das ein außerordentlich günstiges Geschäft für die Käufer.

Die Sowjetunion umfasste später mit über zweiundzwanzig Millionen Quadratkilometern noch deutlich mehr Fläche. Nach ihrem Ende 1991 wurden fünfzehn Nachfolgestaaten selbstständig. Russland blieb dennoch das größte Land der Erde.

Was die Größe bedeutet

Russland erstreckt sich über elf Zeitzonen und grenzt an vierzehn Staaten. Von Kaliningrad bis Kamtschatka sind es rund neuntausend Kilometer Luftlinie. Eine Bahnfahrt auf der Transsibirischen Eisenbahn dauert etwa eine Woche.

Gleichzeitig leben dort rund 144 Millionen Menschen, also weniger als in Bangladesch auf einem Bruchteil der Fläche. Die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa acht Menschen je Quadratkilometer, in Deutschland sind es über zweihundert. Der überwiegende Teil lebt westlich des Urals.

Weite Teile Sibiriens sind kaum erschlossen, mit Permafrostböden, extremen Wintern und wenigen Verkehrswegen. Der Unterhalt der Infrastruktur ist entsprechend aufwendig. Das ist eine dauerhafte wirtschaftliche Last.

Rohstoffe und Abhängigkeit

Die Fläche enthält sehr große Vorkommen an Erdgas, Erdöl, Kohle, Nickel, Palladium, Gold und Holz. Diese Rohstoffe prägen die Wirtschaft und die Staatseinnahmen bis heute. Der Anteil des Rohstoffsektors an den Exporten ist außerordentlich hoch.

Diese Struktur macht das Land anfällig für Preisschwankungen auf den Weltmärkten. Fachleute sprechen von einer Rohstoffabhängigkeit, die den Aufbau anderer Branchen erschwert. Diversifizierungsprogramme gab es mehrfach.

Der Klimawandel verändert die Lage zusätzlich: Auftauende Permafrostböden gefährden Gebäude und Pipelines, gleichzeitig werden nördliche Seewege länger befahrbar. Beide Entwicklungen haben erhebliche Folgen. Sie werden intensiv beobachtet.

Vergleich mit anderen Ländern

Nach Russland folgen Kanada, die Vereinigten Staaten, China und Brasilien in der Flächenrangliste. Russland ist dabei fast doppelt so groß wie Kanada auf Platz zwei. Es nimmt rund elf Prozent der Landfläche der Erde ein.

Auffällig ist, dass die größten Länder alle Phasen kontinentaler Ausdehnung durchliefen, meist auf Kosten dünn besiedelter Regionen. Kanada, die Vereinigten Staaten und Brasilien folgen demselben Muster. Der Unterschied liegt in der Richtung und im Zeitpunkt.

Auf Weltkarten in der verbreiteten Mercator-Projektion wirkt Russland zudem noch größer, weil polnahe Flächen stark verzerrt dargestellt werden. Auf flächentreuen Karten fällt der Unterschied geringer aus. Es bleibt trotzdem das größte Land.

Die Bevölkerungsverteilung

Etwa drei Viertel der Bevölkerung leben westlich des Urals auf weniger als einem Viertel der Fläche. Die größten Städte sind Moskau und Sankt Petersburg, beide im europäischen Teil. Östlich davon folgen mit großem Abstand Nowosibirsk und Jekaterinburg.

Sibirien verliert seit dem Ende der Sowjetunion Einwohner, weil Menschen in den Westen und in größere Städte abwandern. Ganze Orte, die für Bergbau oder Militär angelegt wurden, sind heute verlassen. Der Staat versuchte mehrfach, mit Anreizen gegenzusteuern.

Die Bevölkerung des Landes insgesamt schrumpft seit Jahrzehnten, unterbrochen von kurzen Phasen. Niedrige Geburtenraten und eine vergleichsweise geringe Lebenserwartung bei Männern sind die Hauptgründe. Zuwanderung aus Zentralasien gleicht das nur teilweise aus.

Häufige Fragen

Wie groß ist Russland?

Rund 17 Millionen Quadratkilometer.

Warum dehnte es sich nach Osten aus?

Vor allem wegen des Pelzhandels.

Wann begann die Eroberung Sibiriens?

Ab 1581 mit dem Zug Jermaks.

Warum ging es so schnell?

Wegen der Flusswege und fehlender Gegenmächte.

Wie viele Zeitzonen gibt es?

Elf.

Wann wurde Alaska verkauft?

1867 an die Vereinigten Staaten.

Wie dicht ist Russland besiedelt?

Etwa acht Menschen je Quadratkilometer.

Welches Land ist das zweitgrößte?

Kanada.

Wo leben die meisten Menschen?

Etwa drei Viertel westlich des Urals.

Quellen

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Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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