Wie viele Kurden gibt es auf der Welt? 25 bis 35 Millionen

Kurz gesagt: Schätzungen nennen 25 bis 35 Millionen Kurden weltweit. Sie leben überwiegend in einem zusammenhängenden Gebiet, das sich über die Türkei, den Iran, den Irak und Syrien erstreckt. Eine gesicherte Zahl gibt es nicht, weil keiner dieser Staaten die Volkszugehörigkeit systematisch erhebt.

Warum keine genaue Zahl existiert

Volkszählungen in der Türkei fragen seit Jahrzehnten nicht mehr nach der ethnischen Zugehörigkeit. Der Iran und Syrien erheben sie ebenfalls nicht.

Die vorliegenden Zahlen stammen daher aus Hochrechnungen, Sprachstatistiken und Schätzungen von Forschungseinrichtungen. Je nach Methode weichen sie erheblich voneinander ab.

Hinzu kommt die politische Dimension: Höhere oder niedrigere Zahlen stützen jeweils unterschiedliche Positionen, weshalb einzelne Angaben mit Vorsicht zu behandeln sind.

Die Verteilung auf vier Staaten

Die größte Gruppe lebt in der Türkei, wo Schätzungen von 14 bis 20 Millionen ausgehen, vor allem im Südosten des Landes.

Im Iran werden acht bis zehn Millionen angenommen, im Irak etwa fünf bis sechs Millionen, in Syrien ein bis zwei Millionen.

Kleinere Gruppen leben in Armenien, Aserbaidschan und Georgien, wo sie teils seit Jahrhunderten ansässig sind.

Die Diaspora

In Europa leben schätzungsweise ein bis anderthalb Millionen Kurden. Deutschland beherbergt mit etwa einer Million die größte Gruppe außerhalb der Herkunftsregion.

Der größte Teil kam als Arbeitsmigranten seit den sechziger Jahren oder später als Geflüchtete. In der amtlichen Statistik erscheinen sie als türkische, irakische oder syrische Staatsangehörige.

Weitere größere Gemeinschaften gibt es in Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Österreich und der Schweiz.

Die Sprache

Kurdisch gehört zu den iranischen Sprachen und ist mit dem Persischen verwandt, nicht mit dem Türkischen oder Arabischen.

Es gliedert sich in mehrere Hauptvarianten: Kurmandschi im Norden, Sorani im Süden und Osten sowie Südkurdisch. Zazaki und Gorani werden teils dazugezählt, teils als eigene Sprachen geführt.

Kurmandschi wird überwiegend in lateinischer Schrift geschrieben, Sorani in arabischer. Diese Trennung erschwert eine gemeinsame Schriftsprache bis heute.

Autonomie im Irak

Der Nordirak bildet seit 1991 faktisch und seit der Verfassung von 2005 auch rechtlich eine autonome Region mit eigener Regierung, eigenem Parlament und eigenen Sicherheitskräften.

Die Region Kurdistan ist damit das einzige Gebiet, in dem kurdische Selbstverwaltung staatsrechtlich verankert ist.

Ein Referendum über die Unabhängigkeit fand 2017 statt und ergab eine deutliche Mehrheit dafür, wurde von Bagdad und den Nachbarstaaten aber nicht anerkannt.

Religion

Die große Mehrheit ist sunnitisch-muslimisch. Daneben gibt es alevitische, schiitische und christliche Kurden.

Eine eigene Gruppe bilden die Jesiden mit einer eigenständigen Religion, die vor allem im Nordirak beheimatet ist.

Auch die Yarsan im Westiran gehören zu den religiösen Minderheiten innerhalb der kurdischen Bevölkerung.

Warum es keinen Staat gibt

Nach dem Ersten Weltkrieg sah der Vertrag von Sèvres 1920 eine kurdische Autonomie vor. Er trat nie in Kraft.

Der Vertrag von Lausanne legte 1923 die Grenzen der heutigen Türkei fest, ohne kurdische Gebiete gesondert zu berücksichtigen. Damit verteilte sich die Bevölkerung auf mehrere Staaten.

Alle betroffenen Staaten lehnen eine Grenzänderung ab. Das ist der Kern eines Konflikts, der das gesamte zwanzigste Jahrhundert prägte.

Kurden in Deutschland

Die Zuwanderung begann mit dem Anwerbeabkommen mit der Türkei 1961. Viele der damaligen Gastarbeiter stammten aus dem kurdisch geprägten Südosten.

Spätere Wellen kamen in den achtziger und neunziger Jahren aus der Türkei und dem Irak, seit 2014 aus Syrien und dem Nordirak.

Da die Zugehörigkeit nicht erfasst wird, beruhen auch die deutschen Zahlen auf Schätzungen von Verbänden und Forschungseinrichtungen.

Newroz als gemeinsames Fest

Das Neujahrsfest Newroz wird am 21. März gefeiert und markiert den Frühlingsbeginn. Es ist über alle Landesgrenzen hinweg das wichtigste gemeinsame Fest.

Gefeiert wird mit Feuern, Musik und Tanz, oft im Freien und mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Auch in deutschen Städten finden große Feiern statt.

Das Fest ist älter als der Islam und wird ebenso von Persern, Afghanen und weiteren Völkern der Region begangen — es ist kein spezifisch kurdisches Fest, aber ein zentrales.

Die Rolle der Frauen

In mehreren kurdischen Bewegungen sind Frauen in Führungspositionen und in bewaffneten Einheiten präsent. Das erregte international Aufmerksamkeit, vor allem seit den Kämpfen in Nordsyrien.

Die Selbstverwaltung in Nordsyrien arbeitet in vielen Gremien mit einer Doppelspitze aus einer Frau und einem Mann.

Diese Praxis unterscheidet sich deutlich von der gesellschaftlichen Realität in ländlichen Regionen, wo traditionelle Rollenbilder weiterhin prägend sind.

Wirtschaft und Landschaft

Die Siedlungsgebiete liegen überwiegend im Bergland zwischen dem Taurus, dem Zagros und den Quellgebieten von Euphrat und Tigris.

Landwirtschaft und Viehzucht prägten die Region über Jahrhunderte. Im Nordirak kam die Erdölförderung dazu, die heute die wirtschaftliche Grundlage der autonomen Region bildet.

Die Wasservorkommen sind ein eigener Konfliktpunkt: Staudämme an Euphrat und Tigris beeinflussen die Versorgung flussabwärts gelegener Staaten.

Sprache im Alltag

In der Türkei war der öffentliche Gebrauch des Kurdischen über Jahrzehnte eingeschränkt. Seit den frühen 2000er Jahren sind Rundfunk und Wahlkurse an Schulen möglich.

Im Irak ist Kurdisch neben Arabisch Amtssprache, in der autonomen Region ist es Unterrichtssprache an Schulen und Universitäten.

In der Diaspora hält sich die Sprache vor allem über Familien, Vereine und Satellitenfernsehen. In der dritten Generation nimmt die Verwendung deutlich ab.

Häufige Fragen

Wie viele Kurden gibt es?

Schätzungen nennen 25 bis 35 Millionen.

Warum ist die Zahl unsicher?

Kein betroffener Staat erhebt die Volkszugehörigkeit.

In welchen Ländern leben sie?

Vor allem in der Türkei, im Iran, im Irak und in Syrien.

Wie viele leben in Deutschland?

Schätzungsweise etwa eine Million.

Welche Sprache sprechen sie?

Kurdisch, verwandt mit dem Persischen.

Gibt es kurdische Autonomie?

Ja, in der Region Kurdistan im Nordirak.

Welche Religion haben Kurden?

Mehrheitlich sunnitischer Islam, dazu weitere Gruppen.

Warum gibt es keinen Staat?

Der Vertrag von Lausanne 1923 sah keinen vor.

Was ist Newroz?

Das Neujahrsfest am 21. März.

Wo liegen die Siedlungsgebiete?

Im Bergland zwischen Taurus, Zagros und den Quellen von Euphrat und Tigris.

Ist Kurdisch Amtssprache?

Im Irak ja, in den anderen Staaten nicht.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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