Wie viele Evangelisten gibt es? Vier und ihre Symbole

Kurz gesagt: Es gibt vier Evangelisten: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Die Namen wurden den Evangelien im zweiten Jahrhundert zugeordnet — die Texte selbst nennen keinen Verfasser. In der Kunst stehen für die vier feste Symbole: Engel, Löwe, Stier und Adler.

Die Vierzahl

Seit dem späten zweiten Jahrhundert gelten vier Schriften als die Evangelien der Kirche, und mit ihnen vier Verfasser. Diese Zuordnung ist seither unverändert.

Der Begriff Evangelist bezeichnet dabei zwei Dinge: den Verfasser eines Evangeliums und, in evangelischen Freikirchen, einen Prediger. Gemeint ist hier das Erste.

Alle vier werden in der katholischen und orthodoxen Kirche als Heilige verehrt, jeweils mit eigenem Gedenktag.

Matthäus

Die Überlieferung sieht in ihm den Zöllner, den Jesus in den Evangelien beruft. Sein Buch richtet sich erkennbar an ein Publikum, das die jüdische Schrift kennt.

Es zitiert das Alte Testament häufiger als die anderen und ordnet Jesus in die Linie der Verheißungen ein.

Sein Symbol ist der geflügelte Mensch oder Engel, weil sein Evangelium mit dem Stammbaum Jesu beginnt — also mit dessen menschlicher Herkunft.

Markus

Er gilt als Begleiter des Petrus und wird mit dem in der Apostelgeschichte erwähnten Johannes Markus identifiziert. Sein Evangelium ist das kürzeste und wohl das älteste.

Der Stil ist knapp und direkt, oft im Präsens erzählt. Ereignisse folgen dicht aufeinander, häufig verbunden durch das Wort „sogleich“.

Sein Symbol ist der Löwe, weil sein Text mit dem Rufer in der Wüste einsetzt — die Stimme wurde als Löwengebrüll gedeutet.

Lukas

Ihn beschreibt der Kolosserbrief als Arzt und Begleiter des Paulus. Von ihm stammen zwei Bücher: das Evangelium und die Apostelgeschichte.

Sein Werk ist sprachlich das eleganteste der vier und beginnt mit einer förmlichen Widmung, wie sie in der griechischen Geschichtsschreibung üblich war.

Sein Symbol ist der Stier, weil sein Evangelium mit dem Priester Zacharias im Tempel beginnt — der Stier steht für das Opfertier.

Johannes

Die Tradition sieht in ihm den Lieblingsjünger Jesu. Sein Evangelium unterscheidet sich in Sprache, Aufbau und Theologie deutlich von den anderen dreien.

Es beginnt nicht mit einer Geburt, sondern mit dem Prolog über das Wort, das im Anfang war. Das ist der Grund für sein Symbol.

Der Adler steht für den Blick, der hoch ansetzt. In der Kunst ist er das am leichtesten erkennbare der vier Zeichen.

Woher die Namen stammen

Keines der vier Evangelien nennt im Text seinen Verfasser. Die Überschriften „nach Matthäus“ und so weiter wurden später hinzugefügt.

Als Quelle für die Zuordnung gilt vor allem Papias von Hierapolis, dessen Angaben bei späteren Autoren zitiert werden. Sein eigenes Werk ist verloren.

In der historischen Forschung sind die Zuschreibungen umstritten. Für die kirchliche Tradition sind sie seit dem zweiten Jahrhundert fest.

Die vier Symbole

  • Matthäus — geflügelter Mensch, wegen des Stammbaums
  • Markus — Löwe, wegen des Rufers in der Wüste
  • Lukas — Stier, wegen des Tempelopfers
  • Johannes — Adler, wegen des Prologs

Die Zuordnung geht auf Hieronymus zurück und setzte sich im vierten Jahrhundert durch. Frühere Autoren verteilten die Symbole teils anders.

Die Gedenktage

Markus wird am 25. April gefeiert, Lukas am 18. Oktober, Matthäus am 21. September und Johannes am 27. Dezember.

Der Markustag hatte in Mitteleuropa lange eine Bedeutung für Flurumgänge und Bittprozessionen um eine gute Ernte.

In orthodoxen Kirchen gelten teils andere Termine, weil dort ein anderer Kalender zugrunde liegt.

Wo ihre Gebeine verehrt werden

Markus wird mit Venedig verbunden, wohin Kaufleute im neunten Jahrhundert Reliquien aus Alexandria brachten. Der Markusdom und der geflügelte Löwe im Stadtwappen gehen darauf zurück.

Für Matthäus gilt Salerno als Ort der Verehrung, für Lukas Padua und für Johannes Ephesos in der heutigen Türkei.

Historisch belegbar ist bei keiner dieser Zuschreibungen viel. Für die Städte waren die Reliquien über Jahrhunderte trotzdem von erheblicher Bedeutung.

Der Unterschied zu den Aposteln

Nicht jeder Evangelist war ein Apostel. Nach der Tradition gehörten Matthäus und Johannes zum Zwölferkreis, Markus und Lukas nicht.

Markus gilt als Schüler des Petrus, Lukas als Begleiter des Paulus. Beide schrieben demnach aus zweiter Hand, was schon in der Antike bekannt war.

Für die frühe Kirche war das kein Einwand: Entscheidend war die Nähe zur apostolischen Überlieferung, nicht die eigene Augenzeugenschaft.

Evangelisten in Kirchenräumen

Die vier Symbole finden sich an Kanzeln, Taufbecken, Gewölben und Portalen. Häufig umgeben sie eine zentrale Christusdarstellung in den vier Ecken.

Diese Anordnung heißt Majestas Domini und gehört zu den verbreitetsten Bildprogrammen der romanischen Kunst.

Wer in einer alten Kirche nach Löwe, Stier, Adler und Engel sucht, findet sie meist innerhalb weniger Minuten — sie gehören zur Grundausstattung des Bildprogramms.

Der Begriff heute

Im heutigen Sprachgebrauch meint Evangelist außerhalb der Kunstgeschichte oft etwas anderes: einen Prediger, der auf Verkündigung und Bekehrung ausgerichtet ist.

Diese Verwendung ist vor allem in evangelikalen Freikirchen verbreitet und geht auf eine Stelle im Epheserbrief zurück, die Evangelisten als eigenes Amt neben Aposteln und Lehrern nennt.

Wer nach der Zahl der Evangelisten fragt, meint dagegen fast immer die vier Verfasser — und diese Zahl ist seit dem zweiten Jahrhundert unverändert.

Häufige Fragen

Wie viele Evangelisten gibt es?

Vier.

Wie heißen sie?

Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Welches Symbol gehört zu wem?

Engel, Löwe, Stier und Adler in dieser Reihenfolge.

Nennen die Evangelien ihre Verfasser?

Nein, die Namen kamen später dazu.

Wer schrieb auch die Apostelgeschichte?

Lukas.

Welches Evangelium ist das älteste?

Markus.

Warum ein Adler für Johannes?

Wegen des Prologs über das Wort.

Wann ist der Lukastag?

Am 18. Oktober.

Waren alle vier Apostel?

Nein, Markus und Lukas gehörten nicht zum Zwölferkreis.

Warum ist Markus mit Venedig verbunden?

Wegen der Reliquien im Markusdom.

Was bedeutet Evangelist sonst noch?

In Freikirchen einen Prediger.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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