Wie viele Moscheen gibt es in Deutschland? Die Zahlen

Kurz gesagt: Schätzungen gehen von rund 2.500 bis 2.800 Moscheen und Gebetsräumen in Deutschland aus. Nur ein kleiner Teil davon – etwa 150 bis 200 – sind als Moschee erkennbare Bauten mit Kuppel und Minarett.

Eine amtliche Zahl gibt es nicht. Der Staat führt kein Register über Gebetsräume.

Warum es keine genaue Zahl gibt

Religionsgemeinschaften unterliegen in Deutschland keiner Meldepflicht für ihre Räume. Ein Gebetsraum kann in einem Hinterhof, einer ehemaligen Fabrikhalle oder einem angemieteten Ladenlokal liegen.

Die vorliegenden Zahlen stammen aus Erhebungen von Forschungseinrichtungen und aus Angaben der Verbände. Sie schwanken je nachdem, ob kleine Gebetsräume mitgezählt werden.

Die Bandbreite

Repräsentative Moscheebauten. Etwa 150 bis 200 – Gebäude, die von außen als Moschee erkennbar sind. Die größten stehen unter anderem in Köln, Duisburg, Mannheim und Berlin.

Umgebaute Gebäude und Gebetsräume. Der weit überwiegende Teil. Sie sind von außen meist nicht als Moschee zu erkennen.

Die Trägerverbände

Die meisten Gemeinden gehören einem der großen Dachverbände an. Der größte ist DİTİB, der der türkischen Religionsbehörde nahesteht. Daneben stehen unter anderem der Verband der Islamischen Kulturzentren, die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş und der Zentralrat der Muslime.

Ein erheblicher Teil der Gemeinden ist in keinem Verband organisiert. Auch das erschwert die Zählung.

Wie viele Muslime in Deutschland leben

Schätzungen der Deutschen Islam Konferenz gehen von etwa 5,5 Millionen Menschen mit muslimischer Religionszugehörigkeit aus. Auch das ist eine Hochrechnung: Die Religionszugehörigkeit wird in Deutschland nur für die Kirchensteuer erfassenden Gemeinschaften amtlich erfasst.

Was als Moschee gezählt wird

Der Begriff umfasst sehr Unterschiedliches: von repräsentativen Bauten mit Kuppel und Minarett über umgebaute Gewerbeflächen bis zu angemieteten Gebetsräumen in Hinterhöfen. Je nachdem, was mitgezählt wird, schwanken die Zahlen erheblich. Genau daraus entstehen die verschiedenen Angaben.

Repräsentative Moscheebauten machen nur einen kleinen Teil aus; die überwiegende Zahl sind schlichte Gebetsräume ohne äußere Merkmale. Diese Verteilung ist in Erhebungen mehrfach beschrieben worden. Sie erklärt, warum Moscheen im Stadtbild seltener auffallen, als die Zahlen vermuten lassen.

Hinzu kommen Räume in Universitäten, Krankenhäusern und Justizvollzugsanstalten, die je nach Erhebung mitgezählt werden. Auch Vereinsräume mit gelegentlicher Nutzung fallen in eine Grauzone. Eine einheitliche Definition existiert nicht.

Warum es keine amtliche Statistik gibt

In Deutschland besteht keine Meldepflicht für Gebetsstätten, weil die Religionsausübung grundgesetzlich geschützt und staatsfern organisiert ist. Der Staat führt deshalb kein Register über Kirchen, Synagogen oder Moscheen. Diese Zurückhaltung folgt aus dem Verhältnis von Staat und Religion.

Zahlen stammen deshalb aus Forschungsprojekten, Verbandsangaben und journalistischen Erhebungen. Sie unterscheiden sich in Methodik und Stichtag. Ein direkter Vergleich zwischen zwei Quellen ist deshalb selten möglich.

Auch die Mitgliederzahlen religiöser Gemeinschaften werden nicht amtlich erhoben, soweit es sich nicht um Körperschaften des öffentlichen Rechts mit Kirchensteuereinzug handelt. Für muslimische Gemeinden trifft das überwiegend nicht zu. Schätzungen beruhen daher auf Befragungen und Herkunftsdaten.

Wie muslimische Gemeinden organisiert sind

Die meisten Gemeinden sind als eingetragene Vereine organisiert und damit im Vereinsregister erfasst. Viele gehören einem der größeren Dachverbände an, andere sind unabhängig. Die Verbände unterscheiden sich in Herkunft, theologischer Ausrichtung und Struktur.

Finanziert werden Gemeinden überwiegend aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, teilweise auch aus dem Ausland. Über diese Finanzierung wird seit Jahren politisch diskutiert. Verbände haben darauf mit Transparenzzusagen reagiert.

Anders als Kirchen sind muslimische Gemeinschaften in Deutschland weit überwiegend keine Körperschaften des öffentlichen Rechts. Damit fehlen ihnen Rechte, die Kirchen haben, etwa beim Religionsunterricht. Einzelne Bundesländer haben dazu Verträge geschlossen.

Moscheebau und Baurecht

Für den Bau gelten dieselben baurechtlichen Regeln wie für andere Gebäude: Bebauungsplan, Abstandsflächen, Stellplätze und Immissionsschutz. Eine religiöse Nutzung ist in vielen Gebietstypen zulässig. Sonderregeln gibt es nicht.

Streit entsteht regelmäßig um Höhe von Minaretten, Stellplätze und den Gebetsruf. Für Letzteren gelten die allgemeinen Regeln zum Lärmschutz, vergleichbar mit Kirchenglocken. Gerichte haben dazu mehrfach entschieden.

Bauverfahren dauern bei größeren Vorhaben oft Jahre, weil Einwendungen bearbeitet werden müssen. Das gilt für alle Bauvorhaben mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Verfahren sind öffentlich dokumentiert.

Wie viele Muslime in Deutschland leben

Schätzungen gehen von mehreren Millionen Menschen mit muslimischem Hintergrund aus, wobei die Zahlen je nach Definition und Stichjahr abweichen. Gezählt wird meist über Herkunftsländer, was Konversionen und nichtreligiöse Personen nicht abbildet. Die Ergebnisse sind entsprechend unscharf.

Regelmäßig veröffentlicht werden solche Schätzungen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die zugrunde liegenden Studien sind frei zugänglich und beschreiben ihre Methodik. Für belastbare Angaben sind sie die beste Quelle.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Zugehörigkeit und Praxis: Nicht alle, die einer Religion zugerechnet werden, praktizieren sie. Diese Differenz ist bei allen Religionen groß. Sie wird in Erhebungen gesondert erfasst.

Woran man gute Zahlen erkennt

Verlässliche Angaben nennen Erhebungsjahr, Methode und Definition. Fehlt eines davon, lässt sich die Zahl nicht einordnen. Das gilt für alle Statistiken zu religiösen Gemeinschaften.

Vorsicht ist geboten bei Zahlen, die ohne Quelle in politischen Debatten auftauchen. Sie stammen häufig aus veralteten Erhebungen oder sind hochgerechnet. Eine kurze Suche nach der Primärquelle klärt das.

Wissenschaftliche Erhebungen sind über Bibliotheken und Forschungsportale zugänglich. Auch Landeszentralen für politische Bildung fassen sie verständlich zusammen. Diese Quellen sind kostenfrei.

Häufige Fragen

Wo steht die größte Moschee Deutschlands?

Zu den größten zählt die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld, eröffnet 2018.

Braucht der Bau einer Moschee eine Genehmigung?

Ja, wie jedes Gebäude. Maßgeblich ist das Baurecht der Gemeinde, nicht die Religion.

Darf jeder eine Moschee betreten?

In der Regel ja, außerhalb der Gebetszeiten und nach den Regeln der Gemeinde. Am Tag der offenen Moschee am 3. Oktober öffnen viele gezielt für Besucher.

Warum gibt es keine genaue Zahl?

Es besteht keine Meldepflicht für Gebetsstätten.

Sind alle Moscheen repräsentative Bauten?

Nein, die meisten sind schlichte Gebetsräume.

Wer veröffentlicht belastbare Schätzungen?

Unter anderem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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