Wie viele Hunderassen gibt es? Rund 370 – je nach Verband

Kurz gesagt: Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) führt rund 370 anerkannte Hunderassen. Andere Dachverbände kommen auf 200 bis 250. Eine allgemein gültige Zahl gibt es nicht – jeder Verband führt seine eigene Liste.

Wer eine Zahl nennt, muss dazusagen, wessen Liste er meint.

Warum die Zahlen auseinandergehen

Die FCI ist der größte internationale Dachverband; ihr gehören die Zuchtverbände von über 90 Ländern an, für Deutschland der VDH. Sie erkennt am meisten Rassen an.

Der britische Kennel Club und der American Kennel Club führen jeweils deutlich kürzere Listen. Manche Rassen sind dort schlicht nicht vertreten, andere werden anders abgegrenzt.

Dazu kommt: Was in einem Land als eigene Rasse gilt, ist anderswo ein Schlag derselben Rasse.

Die zehn Gruppen der FCI

Die FCI ordnet alle Rassen in zehn Gruppen, unter anderem Hütehunde, Pinscher und Schnauzer, Terrier, Dachshunde, Spitze und Hunde vom Urtyp, Laufhunde, Vorstehhunde, Apportier- und Wasserhunde, Gesellschaftshunde sowie Windhunde.

Jede Rasse hat einen schriftlich festgelegten Standard mit einer eigenen Nummer. Er beschreibt Körperbau, Fell, Größe und Wesen und wird vom Ursprungsland verantwortet.

Wie eine Rasse anerkannt wird

Ein nationaler Verband beantragt die Anerkennung, legt einen Standard vor und weist eine ausreichend große Zuchtbasis über mehrere Generationen nach.

Zunächst folgt eine vorläufige Anerkennung. Erst wenn sich die Population als stabil erweist, wird sie endgültig. Deshalb ändert sich die Gesamtzahl mit jeder Sitzung leicht.

Was keine Rasse ist

Kreuzungen wie Labradoodle oder Goldendoodle sind keine anerkannten Rassen, sondern Mischungen zweier Rassen. Es gibt keinen verbindlichen Standard und keine Zuchtbuchführung durch die FCI.

Beliebteste Rassen in Deutschland

In den Welpenstatistiken des VDH stehen seit Jahren Deutscher Schäferhund, Labrador Retriever, Golden Retriever und Deutsch Drahthaar weit vorn. Insgesamt leben in deutschen Haushalten mehrere Millionen Hunde – ein erheblicher Teil davon Mischlinge.

Wie ein Rassestandard aufgebaut ist

Für jede anerkannte Rasse existiert ein schriftlicher Standard, der Größe, Gewicht, Körperbau, Fell, Farben und Wesen beschreibt. Er wird vom Ursprungsland erstellt und vom Dachverband übernommen. Änderungen bedürfen eines formellen Verfahrens.

Standards enthalten auch Ausschlusskriterien, etwa bestimmte Farben oder Fehlstellungen. Sie sind die Grundlage für Zuchtzulassung und Bewertung auf Ausstellungen. Ohne Standard gibt es keine anerkannte Rasse.

Kritisiert wird, dass manche Standards Merkmale festschreiben, die gesundheitlich problematisch sind, etwa sehr kurze Nasen oder übermäßige Hautfalten. Tierärztliche Verbände fordern seit Jahren Änderungen. Einzelne Standards wurden bereits angepasst.

Qualzucht und Rechtslage

Das Tierschutzgesetz verbietet die Zucht von Tieren, bei denen erblich bedingt Körperteile fehlen oder untauglich sind oder bei denen Leiden auftreten. Diese Regelung richtet sich gegen sogenannte Qualzucht. Sie wird durch die Veterinärämter der Länder vollzogen.

Betroffen sind vor allem Rassen mit stark verkürzter Schnauze, die Atemprobleme entwickeln, sowie solche mit Skelett- oder Hautproblemen. Ein Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums beschreibt die Merkmale ausführlich. Es dient Behörden als Orientierung.

Für Käufer bedeutet das: Ein Welpe aus einer Zucht mit problematischen Merkmalen kann lebenslang Behandlungskosten verursachen. Vor dem Kauf lohnt der Blick auf Untersuchungsergebnisse der Elterntiere. Seriöse Züchter legen sie unaufgefordert vor.

Wie neue Rassen entstehen

Eine neue Rasse durchläuft mehrere Stufen: zunächst eine vorläufige Anerkennung, dann eine Bewährungszeit mit dokumentierter Zucht über mehrere Generationen und schließlich die endgültige Anerkennung. Verlangt werden ausreichende Populationsgröße und genetische Vielfalt. Der Prozess dauert Jahre.

Neuentwicklungen entstehen meist aus gezielten Kreuzungen mit einem bestimmten Zuchtziel. Nicht jede Kreuzung wird zur Rasse; die meisten bleiben Mischlinge. Der Unterschied liegt in Standard und Zuchtbuch.

Modische Kreuzungen mit Fantasienamen sind keine anerkannten Rassen, auch wenn sie so vermarktet werden. Für sie gibt es keine Zuchtvorgaben und keine Gesundheitsauflagen. Käufer sollten das wissen.

Rassen und Verhalten

Rassen wurden für bestimmte Aufgaben gezüchtet, was sich in Verhaltensneigungen niederschlägt: Hüten, Jagen, Bewachen, Apportieren. Diese Neigungen sind Veranlagungen, keine festen Programme. Prägung und Training wirken erheblich mit.

Innerhalb einer Rasse ist die Streuung groß, weshalb Rasse allein wenig über einen einzelnen Hund aussagt. Untersuchungen zeigen, dass Rassezugehörigkeit nur einen begrenzten Teil der Verhaltensunterschiede erklärt. Individuelle Unterschiede sind größer.

Für die Auswahl ist deshalb wichtiger, welchen Alltag ein Hund bekommt. Ein Hütehund ohne Aufgabe entwickelt Ersatzverhalten. Diese Passung entscheidet über das Zusammenleben.

Rasselisten in Deutschland

Mehrere Bundesländer führen Listen mit Rassen, für deren Haltung besondere Auflagen gelten, etwa Wesenstest, Sachkundenachweis oder Leinenpflicht. Die Listen unterscheiden sich zwischen den Ländern erheblich. Ein Umzug kann deshalb rechtliche Folgen haben.

Fachverbände und Tierärztekammern kritisieren solche Listen, weil Gefährlichkeit nicht zuverlässig an der Rasse festzumachen ist. Einzelne Länder haben ihre Listen deshalb abgeschafft. Die Debatte läuft weiter.

Wer einen Hund anschafft, sollte die Regeln des eigenen Bundeslandes und der Kommune prüfen. Auch Hundesteuer und Versicherungspflicht sind regional geregelt. Die Angaben stehen auf den Seiten der Kommunen.

Mischlinge und Gesundheit

Mischlinge haben statistisch eine größere genetische Vielfalt, was das Risiko für bestimmte Erbkrankheiten senken kann. Ein Automatismus ist das nicht, weil auch Mischlinge Anlagen erben. Untersuchungen zeigen ein gemischtes Bild.

Bei Rassehunden aus geprüfter Zucht sind dafür bekannte Erbkrankheiten getestet und dokumentiert. Das ermöglicht eine gezielte Auswahl. Voraussetzung ist ein Züchter, der diese Tests tatsächlich durchführt.

Aus dem Tierschutz vermittelte Hunde sind häufig Mischlinge mit unbekannter Vorgeschichte. Für erfahrene Halter ist das eine gute Option. Eine ehrliche Einschätzung der eigenen Möglichkeiten gehört dazu.

Häufige Fragen

Welche Hunderasse ist die älteste?

Das ist umstritten. Genetische Untersuchungen deuten bei Rassen wie Saluki, Basenji und einigen nordischen Schlittenhunden auf besonders alte Linien hin.

Wie viele Rassen erkennt der VDH an?

Der VDH betreut die von der FCI anerkannten Rassen über seine Mitgliedsvereine.

Ist ein Mischling schlechter?

Nein. Rassehunde sind lediglich planmäßig gezüchtet, was Eigenschaften vorhersehbarer macht – und bei manchen Rassen zuchtbedingte Gesundheitsprobleme mit sich bringt.

Wer legt Rassestandards fest?

Das Ursprungsland, übernommen vom Dachverband.

Was ist Qualzucht?

Zucht mit erblich bedingtem Leiden, gesetzlich verboten.

Sagt die Rasse das Verhalten voraus?

Nur begrenzt, individuelle Unterschiede sind größer.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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