Wie viele Spinnen gibt es in Deutschland? Rund 1.000 Arten

Kurz gesagt: In Deutschland leben rund 1.000 Spinnenarten, weltweit sind über 50.000 beschrieben. Keine heimische Art ist für gesunde Menschen gefährlich. Nur wenige haben Kieferklauen, die überhaupt die menschliche Haut durchdringen können.

Die Artenzahl

Für Deutschland sind je nach Quelle etwa 1.000 bis 1.100 Spinnenarten nachgewiesen. Die Zahl steigt langsam, weil einzelne südeuropäische Arten einwandern und weil bislang übersehene Arten neu bestimmt werden. Weltweit sind über 50.000 Arten beschrieben, geschätzt gibt es deutlich mehr.

Spinnen gehören zu den Spinnentieren und damit nicht zu den Insekten. Der auffälligste Unterschied sind acht statt sechs Beine und der zweigeteilte Körper ohne Flügel und Fühler. Auch die Entwicklung verläuft anders.

Die meisten heimischen Arten sind klein und unauffällig und leben in Bodenstreu, Wiesen und Hecken. Nur wenige Arten begegnen Menschen regelmäßig. Diese wenigen prägen den Eindruck.

Die häufigsten Arten im Haus

In Wohnungen trifft man vor allem auf Zitterspinnen, die mit langen dünnen Beinen in Zimmerecken hängen, und auf Hauswinkelspinnen, die große Trichternetze bauen. Beide sind völlig harmlos. Die Zitterspinne jagt sogar andere Spinnen.

Im Spätsommer wandern männliche Hauswinkelspinnen auf Partnersuche und tauchen dann häufiger im Wohnbereich auf. Das erklärt die saisonale Häufung von Begegnungen. Nach wenigen Wochen ist der Spuk vorbei.

Wer Spinnen nicht im Haus haben will, sollte Ritzen abdichten und Fliegengitter anbringen. Töten ist unnötig: Ein Glas und ein Blatt Papier genügen zum Umsetzen. Draußen finden die Tiere problemlos zurecht.

Spinnen, die beißen können

Nur wenige heimische Arten haben kräftige genug Kieferklauen, um menschliche Haut zu durchdringen. Dazu gehören der Ammen-Dornfinger und einzelne große Wolfspinnen. Bisse sind selten und erfolgen nur bei direkter Bedrängung.

Ein Biss des Ammen-Dornfingers wird als schmerzhaft beschrieben, vergleichbar mit einem Wespenstich, und klingt nach ein bis zwei Tagen ab. Bleibende Schäden sind nicht bekannt. Bei starker Schwellung oder Fieber ist ärztlicher Rat sinnvoll.

Die verbreitete Angst vor gefährlichen Spinnen in Deutschland ist sachlich unbegründet. Deutlich häufiger sind allergische Reaktionen auf Wespen- und Bienenstiche. Diese Gefahr wird umgekehrt oft unterschätzt.

Eingewanderte Arten

Mit wärmeren Wintern breiten sich einzelne südeuropäische Arten nach Norden aus, darunter die Nosferatu-Spinne, die inzwischen in vielen Regionen etabliert ist. Sie ist groß und auffällig, aber ebenfalls harmlos. Ihr Biss ist mit einem Insektenstich vergleichbar.

Solche Einwanderungen sind keine Besonderheit der Spinnen, sondern betreffen viele Tiergruppen. Sie verlaufen über Jahre und werden von Fachleuten dokumentiert. Meldeportale sammeln dafür Fotos aus der Bevölkerung.

Eingeschleppte tropische Arten überleben in Deutschland im Freien nicht. Einzelne Funde in Bananenkisten sorgen für Schlagzeilen, führen aber zu keiner dauerhaften Ansiedlung. Das Klima setzt hier eine klare Grenze.

Wozu Spinnen gut sind

Spinnen sind wichtige Fressfeinde von Insekten und halten deren Bestände in Gärten, Wäldern und Feldern in Grenzen. Hochrechnungen kommen für Mitteleuropa auf enorme Mengen erbeuteter Insekten je Hektar und Jahr. Ohne sie stiege die Zahl der Schädlinge erheblich.

In der Landwirtschaft gelten sie deshalb als Nützlinge. Blühstreifen und Randstrukturen fördern ihre Bestände. Der Einsatz breit wirkender Insektizide schadet ihnen ebenso wie den Zielorganismen.

Auch im Haus fressen sie Fliegen und Mücken. Wer sie duldet, hat weniger andere Insekten. Das ist der praktischste Grund, sie in Ruhe zu lassen.

Die Netze

Nicht alle Spinnen bauen Netze: Etwa die Hälfte der Arten jagt frei laufend oder aus dem Hinterhalt. Wolfspinnen und Springspinnen gehören dazu. Springspinnen haben ausgesprochen gute Augen und verfolgen Beute gezielt.

Radnetze, wie sie Kreuzspinnen bauen, sind die bekannteste Form, aber nur eine unter vielen. Daneben gibt es Trichternetze, Baldachinnetze und Haubennetze. Die Bauform verrät oft die Familie.

Spinnenseide ist bezogen auf ihr Gewicht außerordentlich reißfest und dehnbar. Ihre Eigenschaften werden seit Jahrzehnten technisch erforscht. Eine großtechnische Herstellung ist bislang nur eingeschränkt gelungen.

Angst vor Spinnen

Arachnophobie gehört zu den häufigsten spezifischen Phobien und betrifft Frauen häufiger als Männer. Sie ist gut behandelbar, meist durch verhaltenstherapeutische Konfrontation in kleinen Schritten. Erfolge zeigen sich oft schon nach wenigen Sitzungen.

Ob die Angst angeboren oder erlernt ist, wird diskutiert. Studien deuten darauf hin, dass eine erhöhte Aufmerksamkeit für Spinnenformen früh vorhanden ist, die ausgeprägte Angst aber gelernt wird. Vorbilder in der Familie spielen eine Rolle.

Für Betroffene ist der Hinweis auf die Harmlosigkeit heimischer Arten selten hilfreich. Wirksam ist die schrittweise Gewöhnung. Fachliche Begleitung ist dabei sinnvoll.

Wie Spinnen jagen

Netzbauer warten auf Erschütterungen ihres Netzes und bestimmen aus dem Muster, ob es sich um Beute, einen Artgenossen oder einen Windstoß handelt. Anschließend wird die Beute umwickelt und mit Verdauungssaft vorverdaut. Spinnen nehmen nur flüssige Nahrung auf.

Freilebende Jäger nutzen andere Strategien: Springspinnen pirschen sich an und springen gezielt, gesichert durch einen Sicherheitsfaden. Krabbenspinnen sitzen bewegungslos in Blüten und greifen anfliegende Insekten. Manche Arten können ihre Farbe der Blüte anpassen.

Wolfspinnen tragen ihre Eikokons am Hinterleib und später die Jungtiere auf dem Rücken. Diese Brutfürsorge ist bei Spinnen bemerkenswert ausgeprägt. Sie erhöht die Überlebenschancen deutlich.

Der Altweibersommer

Die feinen Fäden, die im Spätsommer über Wiesen ziehen, stammen von jungen Spinnen, die sich vom Wind forttragen lassen. Sie klettern auf einen erhöhten Punkt, geben Faden ab und heben ab, sobald der Auftrieb reicht. Diese Ausbreitung heißt Fadenfliegen.

Auf diese Weise legen Spinnen Strecken von mehreren hundert Kilometern zurück und erreichen sogar Inseln weit vor der Küste. Bei Untersuchungen wurden Spinnen in mehreren Kilometern Höhe gefunden. Es ist eine der erfolgreichsten Ausbreitungsstrategien im Tierreich.

Der Begriff Altweibersommer bezeichnet ursprünglich genau diese Fäden, nicht das Wetter. Erst später übertrug er sich auf die warmen Septembertage. Beide Bedeutungen sind heute gebräuchlich.

Häufige Fragen

Wie viele Spinnenarten gibt es in Deutschland?

Rund tausend.

Wie viele weltweit?

Über 50.000 beschriebene Arten.

Gibt es gefährliche Spinnen in Deutschland?

Nein, keine für gesunde Menschen.

Welche Art kann beißen?

Unter anderem der Ammen-Dornfinger.

Warum sieht man im Herbst mehr Spinnen?

Männchen wandern auf Partnersuche.

Sind Spinnen Insekten?

Nein, sie sind Spinnentiere.

Bauen alle Spinnen Netze?

Nein, etwa die Hälfte jagt frei.

Was ist die Nosferatu-Spinne?

Eine eingewanderte, harmlose Art.

Wie jagen Spinnen ohne Netz?

Durch Anpirschen oder Lauern in Blüten.

Woher kommen die Fäden im Spätsommer?

Von jungen Spinnen, die sich vom Wind tragen lassen.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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