Wie viele Gemeinden gibt es in Deutschland? Rund 10.700

Kurz gesagt: In Deutschland gibt es rund 10.700 Gemeinden. Die Zahl sinkt seit Jahrzehnten, weil kleine Gemeinden fusionieren. Die Verteilung ist sehr ungleich: Rheinland-Pfalz hat mit über 2.000 die meisten, die Stadtstaaten haben jeweils nur eine.

Was eine Gemeinde ist

Die Gemeinde ist die unterste Ebene der staatlichen Verwaltung und zugleich eine Gebietskörperschaft mit eigenem Recht auf Selbstverwaltung. Dieses Recht steht im Grundgesetz und umfasst alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft. Es lässt sich nicht durch einfaches Gesetz aushebeln.

Jede Gemeinde hat eine gewählte Vertretung, meist Gemeinde- oder Stadtrat genannt, und eine Verwaltungsspitze, den Bürgermeister. Beide werden direkt gewählt, wobei die Verfahren zwischen den Bundesländern abweichen. Auch die Amtszeiten unterscheiden sich.

Ob eine Gemeinde Dorf, Markt oder Stadt heißt, ist rechtlich weitgehend bedeutungslos und historisch begründet. Eine Stadt hat nicht automatisch mehr Rechte. Entscheidend ist, ob sie kreisfrei ist oder zu einem Landkreis gehört.

Die Verteilung auf die Bundesländer

Rheinland-Pfalz führt die Liste mit über 2.000 Gemeinden deutlich an, gefolgt von Bayern mit über 2.000 und Baden-Württemberg mit rund 1.100. Diese drei Länder stellen zusammen mehr als die Hälfte aller Gemeinden. Der Grund liegt in ihrer historischen Kleinteiligkeit.

Nordrhein-Westfalen kommt trotz der größten Einwohnerzahl nur auf 396 Gemeinden, weil dort in den siebziger Jahren umfassende Zusammenschlüsse durchgeführt wurden. Ähnliches gilt für das Saarland mit 52. Die Gemeinden sind dort entsprechend größer.

Berlin, Hamburg und Bremen sind Sonderfälle: Berlin und Hamburg sind jeweils eine einzige Gemeinde, Bremen besteht aus zwei. Sie sind zugleich Bundesland und Kommune. Diese Doppelrolle prägt ihre Verwaltung.

Warum die Zahl sinkt

Seit den sechziger Jahren laufen in allen Bundesländern Gebietsreformen, bei denen kleine Gemeinden zu größeren Einheiten zusammengelegt werden. Ziel ist eine leistungsfähigere Verwaltung, die auch anspruchsvolle Aufgaben erfüllen kann. Vor der ersten großen Reformwelle gab es über 24.000 Gemeinden.

In den ostdeutschen Ländern liefen solche Reformen nach 1990 erneut, teils in mehreren Wellen. Besonders Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern reduzierten ihre Gemeindezahl stark. Der Bevölkerungsrückgang beschleunigte diesen Prozess.

Zusammenschlüsse sind politisch selten unumstritten, weil Ortsnamen, Identität und Nähe zur Verwaltung daran hängen. Häufig werden deshalb Ortsteile mit eigenen Beiräten eingerichtet. Sie haben Anhörungsrechte, aber keine eigene Rechtspersönlichkeit.

Verbandsgemeinden und Ämter

In mehreren Ländern gibt es eine Zwischenebene, in der kleine Gemeinden selbstständig bleiben, aber die Verwaltung gemeinsam betreiben. Sie heißt je nach Land Verbandsgemeinde, Amt, Samtgemeinde oder Verwaltungsgemeinschaft. Rheinland-Pfalz nutzt dieses Modell besonders stark.

Damit lässt sich die hohe Gemeindezahl erklären: Die einzelnen Gemeinden bestehen fort, ohne jeweils eine vollständige Verwaltung unterhalten zu müssen. Für die Statistik zählen sie trotzdem einzeln. Deshalb steht Rheinland-Pfalz an der Spitze.

Kritiker halten diese Struktur für zu kompliziert, Befürworter verweisen auf die erhaltene Ortsnähe. Beide Argumente sind in den Ländern unterschiedlich gewichtet worden. Ein einheitliches Modell gibt es nicht.

Die kleinsten und größten

Die kleinste Gemeinde Deutschlands hat weniger als zehn Einwohner, mehrere haben unter fünfzig. Sie liegen überwiegend in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Auch sie haben einen Bürgermeister und eine gewählte Vertretung.

Am anderen Ende steht Berlin mit über dreieinhalb Millionen Einwohnern, gefolgt von Hamburg und München. Der Unterschied zwischen kleinster und größter Gemeinde beträgt damit mehr als das Hunderttausendfache. Beide sind rechtlich Gemeinden.

Diese Spannweite ist im europäischen Vergleich ungewöhnlich. Frankreich hat noch kleinteiligere Strukturen, viele andere Länder deutlich größere Einheiten. Es gibt kein richtiges Maß.

Was Gemeinden tun

Zu den Aufgaben gehören Kindergärten, Schulen als Gebäudeträger, Straßen im Ort, Wasser und Abwasser, Feuerwehr, Friedhöfe sowie Bauleitplanung. Damit entscheidet die Gemeinde über einen erheblichen Teil des Alltags. Die Bauleitplanung ist dabei das mächtigste Instrument.

Daneben führen Gemeinden Aufgaben im Auftrag von Land und Bund aus, etwa das Melde- und Passwesen. Diese sogenannten übertragenen Aufgaben unterliegen der Fachaufsicht. Bei den eigenen Aufgaben besteht nur Rechtsaufsicht.

Finanziert wird das über Gewerbe- und Grundsteuer, Anteile an Einkommen- und Umsatzsteuer, Gebühren sowie Zuweisungen des Landes. Die Finanzausstattung ist regional sehr unterschiedlich. Sie ist ein Dauerthema in der Kommunalpolitik.

Wo die aktuelle Zahl steht

Das Statistische Bundesamt führt ein Gemeindeverzeichnis, das jede Gemeinde mit Schlüsselnummer, Fläche und Einwohnerzahl enthält. Es wird mehrmals jährlich aktualisiert. Änderungen durch Zusammenschlüsse werden dort eingearbeitet.

Wer eine Zahl in einem Text nennt, sollte den Stichtag angeben, weil sich der Bestand jedes Jahr ändert. Die Größenordnung von rund 10.700 ist seit einigen Jahren stabil. Der Rückgang verläuft inzwischen langsamer als früher.

Auch die Landesämter veröffentlichen eigene Verzeichnisse, teils mit zusätzlichen Angaben zu Verbandsstrukturen. Für regionale Fragen sind sie die genauere Quelle. Bundesweite Vergleiche stützen sich auf das Bundesamt.

Die Gemeindeschlüssel

Jede Gemeinde trägt einen achtstelligen amtlichen Gemeindeschlüssel, der Bundesland, Regierungsbezirk, Kreis und Gemeinde codiert. Er ist eindeutig und ändert sich nur bei Gebietsänderungen. Behörden, Statistikämter und Software nutzen ihn zur Zuordnung.

Weil Ortsnamen mehrfach vorkommen — allein Neustadt gibt es dutzendfach — ist der Schlüssel die einzige verlässliche Kennung. Auch Postleitzahlen taugen dafür nicht, weil sie Gemeindegrenzen überschreiten. Für Datenauswertungen ist das ein häufiger Fehler.

Bei Zusammenschlüssen erhält die neue Gemeinde einen Schlüssel, die alten werden stillgelegt. Historische Auswertungen müssen das berücksichtigen. Das Statistische Bundesamt führt dazu Umsteigeschlüssel.

Ortsteile und Ortschaften

Nach Zusammenschlüssen bestehen die früheren Gemeinden häufig als Ortsteile fort, teils mit eigenem Ortsbeirat und Ortsvorsteher. Diese Gremien haben Anhörungs- und Vorschlagsrechte, aber keine eigene Rechtspersönlichkeit. Ihre Ausgestaltung regelt das Landesrecht.

Für die Bevölkerung sind sie oft der wichtigste Bezugspunkt, weil Ortsname und Identität daran hängen. In der Statistik tauchen sie nicht als eigene Einheiten auf. Deshalb liegt die Zahl der Ortsteile weit über der Gemeindezahl.

Manche Gemeinden bestehen aus dutzenden Ortsteilen über große Flächen. Die Verwaltung sitzt dann an einem zentralen Ort. Bürgerbüros in den Ortsteilen sollen die Wege verkürzen.

Häufige Fragen

Wie viele Gemeinden gibt es?

Rund 10.700.

Welches Land hat die meisten?

Rheinland-Pfalz.

Warum sinkt die Zahl?

Durch Gebietsreformen und Zusammenschlüsse.

Wie viele gab es früher?

Vor den Reformen über 24.000.

Sind Berlin und Hamburg Gemeinden?

Ja, jeweils eine einzige.

Was ist eine Verbandsgemeinde?

Ein Verbund kleiner Gemeinden mit gemeinsamer Verwaltung.

Welche Aufgaben hat eine Gemeinde?

Unter anderem Kitas, Straßen, Wasser und Bauleitplanung.

Wo steht die aktuelle Zahl?

Im Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamts.

Was ist der Gemeindeschlüssel?

Eine achtstellige eindeutige Kennung jeder Gemeinde.

Was passiert mit alten Gemeinden nach einer Fusion?

Sie bestehen meist als Ortsteile fort.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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