Inhalt
Kurz gesagt: Die Astrologie kennt zwölf Sternzeichen. Astronomisch durchläuft die Sonne allerdings dreizehn Sternbilder – der Schlangenträger kommt hinzu. Sternzeichen und Sternbilder sind zwei verschiedene Dinge.
Das Sternzeichen im Horoskop sagt nichts darüber aus, vor welchem Sternbild die Sonne bei der Geburt tatsächlich stand.
Die zwölf Sternzeichen
Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische.
Sie teilen die scheinbare Jahresbahn der Sonne in zwölf gleich große Abschnitte von je 30 Grad. Der Widder beginnt zur Frühlings-Tagundnachtgleiche.
Warum es am Himmel dreizehn sind
Die Sternbilder auf der Sonnenbahn sind unterschiedlich groß. Zwischen Skorpion und Schütze liegt der Schlangenträger – die Sonne steht dort etwa vom 30. November bis zum 17. Dezember.
Er gehört zu den 88 offiziell festgelegten Sternbildern, kommt in der Astrologie aber nicht vor, weil dort mit zwölf gleichen Abschnitten gerechnet wird.
Die Größenunterschiede sind erheblich: Die Sonne steht rund 44 Tage im Sternbild Jungfrau und nur etwa sieben Tage im Skorpion.
Die Verschiebung um ein ganzes Zeichen
Die Erdachse taumelt langsam, eine Umdrehung dauert rund 26.000 Jahre. Diese Präzession hat die Sternzeichen gegenüber den Sternbildern seit der Antike um etwa einen ganzen Abschnitt verschoben.
Wer als Widder gilt, hatte bei der Geburt also meist die Sonne vor dem Sternbild Fische. Die astrologische Einteilung wurde vor rund 2.000 Jahren festgelegt und seither nicht angepasst.
Was die Wissenschaft dazu sagt
Astrologie ist keine Naturwissenschaft. Kontrollierte Untersuchungen haben keinen belegbaren Zusammenhang zwischen Geburtszeitpunkt und Persönlichkeit oder Lebenslauf gefunden.
Dass sich viele in ihrer Beschreibung wiedererkennen, erklärt der Barnum-Effekt: Sehr allgemein gehaltene Aussagen passen auf fast jeden.
Wie die Einteilung entstand
Die Aufteilung der Sonnenbahn in zwölf gleich große Abschnitte geht auf babylonische Astronomen zurück und wurde in der Antike übernommen. Zwölf Abschnitte passten zu den etwa zwölf Mondumläufen pro Jahr und ließen sich gut rechnen. Die Sternbilder gaben lediglich die Namen.
Astronomisch sind die Sternbilder unterschiedlich groß und die Sonne verweilt entsprechend unterschiedlich lange in ihnen. Die astrologischen Zeichen sind dagegen exakt gleich lang. Beide Systeme haben deshalb nur die Namen gemeinsam.
Die heutigen Grenzen der Sternbilder wurden 1928 von der Internationalen Astronomischen Union verbindlich festgelegt. Erst damit stand fest, dass die Sonnenbahn dreizehn Sternbilder berührt. Vorher waren die Grenzen unscharf.
Warum sich alles verschoben hat
Die Erdachse beschreibt in etwa 26.000 Jahren einen Kreis, was als Präzession bezeichnet wird. Dadurch verschiebt sich der Frühlingspunkt langsam gegen die Sternbilder. Seit der Festlegung der Zeichen in der Antike ist das rund ein ganzes Zeichen.
Praktisch bedeutet das: Wer astrologisch als Widder gilt, stand zum Geburtszeitpunkt am Himmel meist im Sternbild Fische. Diese Diskrepanz ist astronomisch unstrittig. Sie wird in der westlichen Astrologie bewusst ignoriert, weil dort der Frühlingspunkt und nicht das Sternbild maßgeblich ist.
Andere astrologische Traditionen, etwa die indische, rechnen dagegen mit den tatsächlichen Sternbildpositionen. Die Ergebnisse unterscheiden sich entsprechend. Beide Systeme existieren nebeneinander.
Was die Forschung dazu sagt
Astrologische Vorhersagen wurden mehrfach in kontrollierten Studien überprüft, unter anderem mit Blindzuordnungen von Horoskopen zu Personen. Die Trefferquoten lagen jeweils im Zufallsbereich. Diese Untersuchungen sind veröffentlicht und werden regelmäßig zitiert.
Die Überzeugungskraft von Horoskopen wird auf allgemein formulierte Aussagen zurückgeführt, die auf nahezu jede Person passen. Dieses Phänomen ist in der Psychologie gut beschrieben. Es tritt unabhängig vom Inhalt auf.
Auch häufig behauptete Zusammenhänge zwischen Geburtsmonat und Persönlichkeit halten größeren Untersuchungen nicht stand. Wo Effekte gefunden wurden, waren sie sehr klein und anders erklärbar. Der Forschungsstand ist eindeutig.
Sternzeichen und Aszendent
Neben dem Sonnenzeichen kennt die Astrologie den Aszendenten, also das Zeichen, das zur Geburtszeit am östlichen Horizont aufging. Für seine Berechnung sind Geburtszeit und Geburtsort nötig. Deshalb wird er in Zeitungshoroskopen nicht berücksichtigt.
Hinzu kommen Mondzeichen und Häuser, die das Deutungssystem erweitern. Mit jeder zusätzlichen Größe wird die Aussage individueller und damit schwerer überprüfbar. Genau das erschwert wissenschaftliche Tests.
Für Interessierte ist wichtig zu wissen, dass Zeitungshoroskope nur das Sonnenzeichen verwenden. Sie gelten damit für ein Zwölftel der Bevölkerung gleichzeitig. Schon daraus ergibt sich ihre Aussagekraft.
Die Sternbilder am Himmel finden
Die Tierkreissternbilder liegen alle nahe der Ekliptik, also der scheinbaren Sonnenbahn. Deshalb stehen dort auch Mond und Planeten. Wer diese Linie kennt, findet die Sternbilder leichter.
Am besten sichtbar sind sie in der jeweils entgegengesetzten Jahreszeit: Das Sternbild, in dem die Sonne steht, ist nachts nicht zu sehen. Deshalb ist das eigene Geburtssternbild am eigenen Geburtstag unsichtbar. Diese Umkehrung überrascht viele.
Kostenlose Sternkarten-Apps zeigen, welche Sternbilder gerade über dem Horizont stehen. Für den Einstieg reicht das aus. Ein Fernglas erweitert den Blick auf Sternhaufen innerhalb der Sternbilder.
Warum die Frage so oft gestellt wird
Meldungen über ein angeblich neues dreizehntes Sternzeichen tauchen alle paar Jahre auf und werden breit geteilt. Ausgelöst werden sie meist durch Beiträge, die auf die astronomischen Grenzen hinweisen. Neu ist daran nichts.
Für die westliche Astrologie ändert sich dadurch nichts, weil sie nicht mit Sternbildern rechnet. Für die Astronomie war die Lage nie anders. Der vermeintliche Widerspruch entsteht durch Vermischung beider Systeme.
Wer die Unterscheidung kennt, kann solche Meldungen sofort einordnen. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie zwei getrennte Bezugssysteme Verwirrung erzeugen. Beide sind in sich stimmig.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Sternzeichen und Sternbild?
Das Sternzeichen ist ein rechnerischer 30-Grad-Abschnitt der Astrologie, das Sternbild eine tatsächliche Fläche am Himmel.
Was ist ein Aszendent?
Das Tierkreiszeichen, das zur Geburtszeit am östlichen Horizont aufging. Dafür braucht man die genaue Uhrzeit.
Wie viele Sternbilder gibt es insgesamt?
88, festgelegt von der Internationalen Astronomischen Union.
Hat sich mein Sternzeichen geändert?
Nein. Die astrologische Zuordnung ist unverändert – sie stimmt nur nicht mit dem Himmel überein.
Warum sind es astronomisch dreizehn?
Die Sonnenbahn berührt auch das Sternbild Schlangenträger.
Was ist die Präzession?
Die langsame Kreiselbewegung der Erdachse.
Sieht man sein Sternbild am Geburtstag?
Nein, dann steht die Sonne davor.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Wie viele Schwule gibt es in Deutschland? Die Zahlen
- Wie viele Sexualitäten gibt es? Begriffe und Einordnung
- Wie viele Türken gibt es auf der Welt? Zahlen und Diaspora
Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






