Wie viele Polizisten gibt es in Deutschland? Die Zahlen

Kurz gesagt: Bei Bund und Ländern arbeiten zusammen rund 340.000 Polizeibeamtinnen und -beamte. Den größten Teil stellen die 16 Landespolizeien, dazu kommen Bundespolizei und Bundeskriminalamt.

Polizei ist in Deutschland überwiegend Ländersache. Deshalb gibt es keine einzelne Behörde, die alle zählt.

Wie sich die Zahl aufteilt

Landespolizeien. Der weitaus größte Teil. Sie sind für Streifendienst, Kriminalpolizei, Verkehr und Bereitschaftspolizei zuständig. Die Größe der einzelnen Behörden folgt grob der Einwohnerzahl.

Bundespolizei. Zuständig für Grenzschutz, Bahnanlagen, Flughäfen und die Küste. Rund 50.000 Beschäftigte.

Bundeskriminalamt. Zentralstelle für die Kriminalitätsbekämpfung, mehrere tausend Beschäftigte, darunter auch viele Nichtvollzugskräfte.

Polizei beim Deutschen Bundestag. Eine eigene, sehr kleine Polizeibehörde.

Warum die Zahlen schwanken

Je nach Quelle werden unterschiedliche Gruppen mitgezählt: nur Vollzugsbeamte oder auch Verwaltungspersonal, nur aktive Kräfte oder auch Anwärter in Ausbildung.

Die Personalstandstatistik des Statistischen Bundesamts erfasst Vollzeitäquivalente, also keine Köpfe. Wer Teilzeit arbeitet, zählt anteilig. Deshalb können zwei seriöse Quellen unterschiedliche Zahlen nennen, ohne dass eine falsch wäre.

Was nicht dazugehört

Ordnungsämter, Zoll, private Sicherheitsdienste und der Verfassungsschutz sind keine Polizei. Der Zoll hat eigene Vollzugsbefugnisse, gehört aber zur Finanzverwaltung.

Im europäischen Vergleich

Bezogen auf die Einwohnerzahl liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld. Länder wie Italien, Spanien und Griechenland haben deutlich mehr Polizeikräfte je 100.000 Einwohner, skandinavische Länder weniger.

Vergleiche sind allerdings unzuverlässig, weil in manchen Ländern militärisch organisierte Verbände wie die Gendarmerie mitgezählt werden.

Wie sich Bund und Länder aufteilen

Polizei ist in Deutschland überwiegend Ländersache; jedes Bundesland unterhält eine eigene Polizei mit eigener Organisation und eigenem Recht. Der Bund unterhält daneben die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt. Hinzu kommt die Polizei beim Deutschen Bundestag.

Die Bundespolizei ist unter anderem für Grenzschutz, Bahnanlagen, Flughäfen und die Unterstützung der Länder zuständig. Das Bundeskriminalamt koordiniert länderübergreifende Ermittlungen und führt eigene Verfahren. Beide Behörden sind dem Bundesinnenministerium nachgeordnet.

Die Landespolizeien machen den weit überwiegenden Teil des Personals aus. Ihre Stärke unterscheidet sich je nach Einwohnerzahl und Fläche erheblich. Vergleiche zwischen Ländern sind deshalb nur bezogen auf die Bevölkerung sinnvoll.

Warum Zahlen schwer zu vergleichen sind

Statistiken zählen teils Planstellen, teils tatsächlich besetzte Stellen und teils Vollzeitäquivalente. Diese drei Größen unterscheiden sich, weil Teilzeit und unbesetzte Stellen unterschiedlich erfasst werden. Schon daraus ergeben sich abweichende Angaben.

Hinzu kommt die Frage, ob Anwärterinnen und Anwärter in Ausbildung mitgezählt werden. Bei mehrjähriger Ausbildung sind das erhebliche Zahlen. Manche Statistiken schließen sie ein, andere nicht.

Auch Verwaltungspersonal ohne Vollzugsbefugnis wird unterschiedlich behandelt. Wer Zahlen vergleicht, sollte deshalb immer die Definition mitlesen. Sie steht in den Erläuterungen der Statistik.

Wer sonst noch polizeiliche Aufgaben hat

Der Zoll nimmt polizeiliche Aufgaben im Bereich Schmuggel, Schwarzarbeit und Zollkriminalität wahr und verfügt über eigene Vollzugsbefugnisse. Er gehört zum Bundesfinanzministerium. In Statistiken zur Polizei taucht er nicht auf.

Kommunale Ordnungsdienste haben je nach Landesrecht begrenzte Befugnisse, etwa im Verkehrs- und Ordnungsrecht. Sie sind keine Polizei und dürfen keine Strafverfolgung betreiben. Ihre Uniformen ähneln allerdings teilweise.

Private Sicherheitsdienste haben keine hoheitlichen Befugnisse und dürfen nur die Rechte ausüben, die jedem zustehen, etwa Hausrecht und vorläufige Festnahme. Die Branche ist deutlich größer als oft angenommen. Sie unterliegt gewerberechtlichen Anforderungen.

Ausbildung und Zugang

Der Zugang erfolgt je nach Laufbahn über eine Ausbildung im mittleren Dienst oder ein Studium an einer Hochschule für öffentliche Verwaltung. Beide dauern in der Regel zweieinhalb bis drei Jahre. Bewerber durchlaufen ein mehrstufiges Auswahlverfahren.

Geprüft werden Sport, Deutsch, Konzentration und persönliche Eignung, dazu eine ärztliche Untersuchung. Die Anforderungen unterscheiden sich zwischen den Ländern. Sie stehen auf den Einstellungsseiten der Landespolizeien.

Nach der Ausbildung erfolgt die Verwendung meist zunächst im Streifendienst oder in Einsatzeinheiten. Spezialisierungen folgen später. Der Aufstieg ist an weitere Qualifikationen gebunden.

Was die Zahlen nicht zeigen

Eine Personalstärke sagt nichts über Verfügbarkeit im Einsatz aus, weil Schichtdienst, Urlaub, Krankheit, Fortbildung und Verwaltungsaufgaben die tatsächlich verfügbare Zahl deutlich verringern. Als Faustregel steht zu jedem Zeitpunkt nur ein Bruchteil im Dienst. Diese Rechnung fehlt in öffentlichen Debatten regelmäßig.

Hinzu kommen Einsätze bei Großlagen wie Fußballspielen, Demonstrationen und Staatsbesuchen, die Kräfte über Ländergrenzen binden. Solche Einsätze werden gesondert erfasst und abgerechnet. Sie belasten die reguläre Streifentätigkeit.

Aussagekräftiger als absolute Zahlen ist die Relation zur Bevölkerung und zur Fläche. Auch diese Kennzahl hat Grenzen, weil städtische und ländliche Anforderungen unterschiedlich sind. Ein einzelner Wert erklärt wenig.

Wo die amtlichen Zahlen stehen

Die Personalstatistik des öffentlichen Dienstes wird vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht und weist die Beschäftigten nach Aufgabenbereichen aus. Sie erscheint jährlich und ist frei zugänglich. Für Vergleiche über die Zeit ist sie die beste Quelle.

Ergänzend veröffentlichen Innenministerien der Länder eigene Zahlen, oft im Rahmen von Haushaltsplänen. Diese enthalten Planstellen und geplante Einstellungen. Auch Landtagsdrucksachen sind eine ergiebige Quelle.

Angaben aus politischen Debatten sollten immer gegen diese Quellen geprüft werden. Häufig werden dort unterschiedliche Definitionen vermischt. Ein Blick in die Primärquelle klärt das schnell.

Wie sich die Zahlen entwickelt haben

Nach Jahren des Stellenabbaus in den 2000er-Jahren haben Bund und Länder seit etwa 2016 wieder aufgestockt. Die Einstellungszahlen wurden deutlich erhöht, was sich wegen der mehrjährigen Ausbildung erst verzögert auswirkt. Gleichzeitig gehen geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand.

Diese beiden Bewegungen überlagern sich, weshalb der Nettozuwachs geringer ausfällt als die Einstellungszahlen vermuten lassen. Haushaltspläne weisen beide Größen getrennt aus. Für eine Einordnung müssen sie zusammen gelesen werden.

Prognosen zur Personalentwicklung veröffentlichen die Innenministerien im Rahmen der Haushaltsberatungen. Sie sind über die Landtagsdokumentation zugänglich. Dort stehen auch die Annahmen, auf denen sie beruhen.

Häufige Fragen

Wie wird man Polizist?

Über eine Ausbildung im mittleren oder ein Studium im gehobenen Dienst bei einer Landespolizei oder der Bundespolizei. Die Zugangsvoraussetzungen unterscheiden sich je Bundesland.

Welches Bundesland hat die meisten Polizisten?

Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Land.

Wo findet man die aktuellen Zahlen?

In der Personalstandstatistik des Statistischen Bundesamts und in den Haushaltsplänen der Länder.

Wer ist für die Polizei zuständig?

Überwiegend die Länder, daneben der Bund.

Warum weichen Zahlen voneinander ab?

Wegen unterschiedlicher Zählweisen und Definitionen.

Zählt der Zoll dazu?

Nein, er wird gesondert erfasst.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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