Wie viele Autobahnen gibt es in Deutschland? Zahlen

Kurz gesagt: Deutschland hat rund 13.200 Kilometer Autobahn, verteilt auf gut 120 nummerierte Strecken. Damit liegt das Netz in Europa an der Spitze der Länge, gemessen an der Fläche jedoch im Mittelfeld.

Die Nummern sind kein Zufall. Sie folgen einem System, das man in fünf Sätzen lernen kann.

Wie die Nummern vergeben werden

Einstellige Nummern tragen die wichtigsten Fernstrecken. Ungerade verlaufen überwiegend in Nord-Süd-Richtung, gerade in Ost-West-Richtung – die A7 zieht sich von Dänemark bis Österreich, die A2 vom Ruhrgebiet nach Berlin.

Zweistellige Nummern stehen für überregionale Strecken, wieder nach demselben Muster.

Dreistellige Nummern sind regionale Autobahnen. Die erste Ziffer verrät die Region: Nummern ab 1 liegen im Nordwesten, ab 9 im Südosten.

Die A7 ist mit rund 960 Kilometern die längste Autobahn Deutschlands und zugleich die längste eines einzelnen Landes in Europa.

Wer sie betreibt

Seit 2021 liegt die Zuständigkeit bei der bundeseigenen Autobahn GmbH. Zuvor verwalteten die Bundesländer die Strecken im Auftrag des Bundes.

Die Umstellung sollte Planung und Bau bündeln; Zuständigkeit für Bau, Betrieb, Erhaltung und Verkehrssteuerung liegen seither an einer Stelle.

Das Tempolimit

Deutschland ist das einzige Land Europas ohne generelles Tempolimit auf Autobahnen. Es gilt eine Richtgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde.

Tatsächlich ist ein erheblicher Teil des Netzes durch Schilder begrenzt – dauerhaft oder wechselnd, etwa bei Nässe oder hoher Verkehrsdichte.

Was das Netz leistet

Autobahnen machen nur einen kleinen Teil des gesamten Straßennetzes aus, tragen aber einen erheblichen Anteil der Fahrleistung – vor allem im Güterverkehr.

Der größte Teil der Bauleistung fließt heute nicht in Neubau, sondern in Erhaltung: Brücken aus den 1960er- und 1970er-Jahren sind vielerorts am Ende ihrer Nutzungsdauer.

Wie das Netz entstanden ist

Die ersten kreuzungsfreien Fernstraßen entstanden in den 1920er- und 1930er-Jahren, der planmäßige Ausbau begann in den 1930er-Jahren unter nationalsozialistischer Herrschaft und wurde propagandistisch überhöht. Die häufig zitierte Behauptung, die Autobahn sei damals erfunden worden, ist historisch falsch. Vorläufer gab es bereits vorher.

Der massive Ausbau erfolgte in der Bundesrepublik ab den 1950er-Jahren, in der DDR blieb das Netz deutlich kleiner. Nach 1990 wurden Lücken geschlossen und Ost-West-Verbindungen ausgebaut. Diese Projekte prägten die Verkehrsplanung über Jahrzehnte.

Heute wird weniger neu gebaut als erhalten und erweitert. Brücken aus den 1960er- und 1970er-Jahren sind vielerorts sanierungsbedürftig. Das bindet einen erheblichen Teil der Mittel.

Wer plant und finanziert

Zuständig ist seit 2021 eine bundeseigene Gesellschaft, die Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung übernimmt. Zuvor lag die Verwaltung bei den Ländern im Auftrag des Bundes. Der Wechsel sollte Abläufe vereinheitlichen.

Finanziert wird aus dem Bundeshaushalt und aus der Lkw-Maut, die streckenbezogen erhoben wird. Die Einnahmen sind zweckgebunden. Über die Höhe und den Anwendungsbereich wird regelmäßig politisch entschieden.

Grundlage für neue Vorhaben ist der Bundesverkehrswegeplan, der Projekte nach Dringlichkeit einstuft. Er wird alle einige Jahre fortgeschrieben. Die Unterlagen sind öffentlich einsehbar.

Wie Baustellen geplant werden

Erhaltungsmaßnahmen werden langfristig geplant und mit Nachbarabschnitten abgestimmt, um Umleitungen zu vermeiden. Trotzdem entstehen Engpässe, weil Fahrbahnen im Betrieb saniert werden. Vollsperrungen wären schneller, aber für die Umgebung belastend.

Bei Brücken kommt hinzu, dass Ersatzneubauten oft neben dem Bestand errichtet werden. Solche Projekte dauern mehrere Jahre. Die Kosten liegen im dreistelligen Millionenbereich je Großbrücke.

Informationen zu Baustellen und Sperrungen veröffentlicht die zuständige Gesellschaft laufend. Auch Verkehrsmeldungen im Radio und in Navigationsdiensten greifen darauf zu. Die Daten sind offen verfügbar.

Sicherheit auf Autobahnen

Gemessen an der Fahrleistung sind Autobahnen die sichersten Straßen, weil Gegenverkehr und Kreuzungen fehlen. Unfälle dort verlaufen wegen der Geschwindigkeit allerdings häufiger schwer. Beides steht in den Unfallstatistiken.

Häufigste Ursachen sind zu geringer Abstand, überhöhte Geschwindigkeit und Ablenkung. Auffahrunfälle am Stauende sind ein eigenes Problem. Deshalb gilt die Pflicht zur Rettungsgasse ab Schrittgeschwindigkeit.

Die Rettungsgasse wird zwischen der linken und der benachbarten Spur gebildet, unabhängig von der Zahl der Fahrstreifen. Verstöße werden mit Bußgeld und Punkten geahndet. Rettungsdienste weisen regelmäßig auf Verzögerungen hin.

Was die Tempolimit-Debatte betrifft

Auf einem Teil des Netzes gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung, auf dem übrigen eine Richtgeschwindigkeit. Deutschland ist damit unter den Industriestaaten eine Ausnahme. Über eine allgemeine Begrenzung wird seit Jahrzehnten gestritten.

Untersuchungen zu Auswirkungen auf Unfallzahlen und Emissionen kommen zu unterschiedlichen Größenordnungen, weisen aber überwiegend in dieselbe Richtung. Die Bewertung ist auch eine politische Frage. Beide Seiten berufen sich auf Studien.

Die Richtgeschwindigkeit hat rechtliche Bedeutung bei der Haftung: Wer schneller fährt, kann bei einem Unfall eine Mithaftung tragen, auch wenn er sich sonst korrekt verhalten hat. Das ist gerichtlich bestätigt. Vielen ist es unbekannt.

Wo verlässliche Zahlen stehen

Längen, Verkehrsstärken und Zustandsdaten veröffentlichen das Bundesverkehrsministerium und die Bundesanstalt für Straßenwesen. Auch Zählstellendaten sind frei abrufbar. Sie erlauben eigene Auswertungen.

Statistiken zu Unfällen führt das Statistische Bundesamt, getrennt nach Straßenart und Ursache. Sie erscheinen jährlich. Für Vergleiche über die Zeit sind sie die beste Quelle.

Zahlen aus Artikeln ohne Datum sind wenig wert, weil sich Netzlänge und Verkehrsmengen ändern. Ein Blick in die Primärquelle dauert wenige Minuten. Er lohnt sich immer.

Häufige Fragen

Welche ist die längste Autobahn?

Die A7 mit rund 960 Kilometern.

Warum heißt es A und nicht B?

A steht für Bundesautobahn, B für Bundesstraße.

Sind Autobahnen mautpflichtig?

Für Lkw ja. Für Pkw gibt es derzeit keine Maut.

Wie viele Kilometer Straße gibt es insgesamt?

Das gesamte überörtliche Straßennetz umfasst mehrere hunderttausend Kilometer; die Autobahnen sind davon ein kleiner Anteil.

Wer betreibt die Autobahnen?

Seit 2021 eine bundeseigene Gesellschaft.

Wie bildet man die Rettungsgasse?

Zwischen linker und benachbarter Spur.

Hat die Richtgeschwindigkeit rechtliche Folgen?

Ja, sie kann zu einer Mithaftung führen.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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