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Kurzantwort: Eitel heißt heute vor allem: darauf bedacht, wegen des eigenen Aussehens bewundert zu werden. Daneben gibt es zwei ältere Bedeutungen. In gehobener Sprache heißt eitel „nichts als“ oder „rein“, etwa in „eitel Gold“ und „eitel Sonnenschein“. Und in der Bibelsprache heißt es „leer“ oder „vergeblich“, wie in „alles ist eitel“.
Kaum ein anderes deutsches Adjektiv trägt drei so verschiedene Bedeutungen nebeneinander. Zwei davon wirken heute altmodisch, tauchen aber in festen Wendungen weiter auf.
Verbunden sind sie über eine gemeinsame Wurzel, deren Grundbedeutung „leer“ war. Von dort führt ein gerader Weg zu allem, was inhaltslos, nichtig oder oberflächlich ist.
Unten stehen die drei Bedeutungen getrennt, dazu Herkunft, Grammatik und die Wendungen, in denen das Wort noch lebendig ist.
Im Englischen und Französischen liegen die Bedeutungen ähnlich verteilt. „Vain“ heißt sowohl eitel als auch vergeblich, was den gemeinsamen Ursprung gut zeigt.
Die heutige Hauptbedeutung
Wer eitel ist, legt großen Wert auf das eigene Erscheinungsbild und darauf, wie er auf andere wirkt. Das Wörterbuch beschreibt es als das Bedürfnis, wegen des Äußeren beachtet und bewundert zu werden.
Der Begriff ist damit meist abwertend. Er unterstellt, dass die Wirkung wichtiger genommen wird als die Sache.
Gemeint ist nicht nur Kleidung. Auch wer ständig auf Titel, Lob oder die eigene Darstellung achtet, wird eitel genannt.
Das zugehörige Substantiv ist die Eitelkeit. In der Aufzählung der sieben Hauptlaster steht sie traditionell nahe beim Hochmut.
Abzugrenzen ist gepflegtes Auftreten. Sorgfalt beim Äußeren wird erst dann als Eitelkeit bezeichnet, wenn sie andere Dinge verdrängt.
Im Deutschen gibt es kein sauberes Gegenwort für die positive Seite. „Selbstsicher“ trifft die Sache nur halb, weil es die Wirkung auf andere ausklammert.
Eitel im Sinn von „nichts als“
Diese Bedeutung gilt als gehoben und begegnet dir fast nur in festen Verbindungen. „Eitel Gold“ heißt reines Gold, ohne Zusatz.
Die bekannteste Wendung ist „eitel Sonnenschein“. Sie beschreibt einen Zustand, in dem angeblich alles nur harmonisch ist.
Häufig steht sie in der Verneinung. „Es ist nicht alles eitel Sonnenschein“ heißt, dass hinter der Fassade Probleme stecken.
Auffällig ist die Grammatik. In dieser Verwendung bleibt eitel ungebeugt: eitel Freude, eitel Wonne, eitel Gold.
Belegt ist die Wendung seit Jahrhunderten. Sie steht in Sprichwortsammlungen ebenso wie in Zeitungsüberschriften, dort meist verneint und leicht ironisch.
In der Literatur ist die Figur des Eitlen ein fester Typ. Molière und die Komödien des 18. Jahrhunderts leben von Personen, die ihre Wirkung höher schätzen als ihr Können.
Eitel im Sinn von leer und nichtig
Die älteste Bedeutung meint leer, hohl oder vergeblich. Etwas Eitles hat in diesem Sinn keinen Bestand.
Bekannt geworden ist sie durch die Bibelübersetzung Martin Luthers. Im Buch Prediger steht der Satz, dass alles eitel sei — gemeint ist: vergänglich und ohne bleibenden Wert.
Dieselbe Vorstellung steckt im Wort Eitelkeit, wenn es für Nichtigkeit steht. Der lateinische Ausdruck „vanitas“ meint beides zugleich.
In der Kunstgeschichte gibt es dafür eine eigene Bildgattung. Vanitas-Stillleben zeigen Totenkopf, erloschene Kerze und welke Blumen als Zeichen der Vergänglichkeit.
Im heutigen Sprachgebrauch ist diese Bedeutung fast verschwunden. Sie erklärt aber, warum das Wort in alten Texten oft überrascht.
Auch der Ausdruck „eitles Bemühen“ gehört hierher. Gemeint ist eine Anstrengung, die von vornherein ohne Aussicht auf Erfolg bleibt.
Woher das Wort kommt
Belegt ist es seit dem 9. Jahrhundert als althochdeutsch „ītal“. Die Grundbedeutung war leer.
Aus „leer“ wurde über die Zwischenstufe „ohne Inhalt“ die Bedeutung „nichtig“ und schließlich „auf Äußerlichkeiten bedacht“. Die heutige Hauptbedeutung ist die jüngste der drei.
Verwandt ist das englische „idle“ für müßig oder untätig. Auch dort schwingt die Vorstellung des Leerlaufs mit.
Die Bedeutungsverschiebung wurde durch die Bibelsprache verstärkt. Wer „alles ist eitel“ ständig hörte, verband das Wort mit oberflächlicher Selbstbespiegelung.
Bis ins 19. Jahrhundert standen alle drei Bedeutungen nebeneinander im Gebrauch. Erst danach setzte sich die heutige Hauptbedeutung im Alltag durch.
Grammatik und Schreibung
Eitel wird normal gesteigert: eitel, eitler, am eitelsten. Beim Beugen fällt das „e“ des Wortstamms weg — ein eitler Mensch, eine eitle Geste.
In der Bedeutung „nichts als“ bleibt das Wort dagegen unverändert und steht ohne Artikel: eitel Freude.
Das Substantiv lautet die Eitelkeit, der Plural die Eitelkeiten. Ein Verb dazu gibt es nicht.
Die Schreibung ist unauffällig, die Betonung liegt auf der ersten Silbe. Verwechslungen mit „Eiter“ oder „Eidel“ sind reine Hörfehler.
Zusammensetzungen sind selten. Gebräuchlich sind lediglich Eitelkeit und, seltener, die Wendung Eitelkeit der Eitelkeiten aus der Bibelübersetzung.
Wortfeld und Abgrenzung
Nahe stehen gefallsüchtig, selbstverliebt, geltungsbedürftig und affektiert. Sie alle betonen unterschiedliche Anteile der Eitelkeit.
Selbstbewusstsein bezeichnet dagegen ein Vertrauen in eigene Fähigkeiten. Es kommt ohne fremde Bewunderung aus.
Narzissmus ist ein psychologischer Fachbegriff und beschreibt ein deutlich umfassenderes Muster. Eitelkeit ist alltagssprachlich und harmloser.
Das Gegenteil liegt bei bescheiden, schlicht oder unaufdringlich. In der älteren Bedeutung wäre das Gegenteil gehaltvoll oder beständig.
Für Texte gilt eine einfache Faustregel. Wer die alten Bedeutungen benutzt, sollte sie in eine feste Wendung setzen, sonst wird der Satz missverstanden.
Häufige Fragen
Was heißt „eitel Sonnenschein“?
Dass alles ungetrübt und harmonisch sei. Eitel steht hier für „nichts als“ und hat mit Selbstverliebtheit nichts zu tun.
Ist eitel immer negativ gemeint?
In der heutigen Hauptbedeutung meist ja. In den älteren Bedeutungen ist es neutral beschreibend.
Was bedeutet „alles ist eitel“?
Alles ist vergänglich und ohne bleibenden Wert. Der Satz stammt aus dem biblischen Buch Prediger in Luthers Übersetzung.
Wie wird eitel gesteigert?
Eitel, eitler, am eitelsten. Bei der Beugung entfällt das „e“ im Stamm: ein eitler Auftritt.
Woher kommt das Wort?
Vom althochdeutschen „ītal“ mit der Grundbedeutung leer, belegt seit dem 9. Jahrhundert.
Was ist der Unterschied zu Stolz?
Stolz bezieht sich auf eine Leistung, Eitelkeit auf die Wirkung nach außen. Beides kann zusammenfallen, muss es aber nicht.
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Geschrieben von Clara, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






