Inhalt
Kurzantwort: Rekrutieren heißt, Personen für eine Aufgabe zu gewinnen. Im Personalwesen bedeutet es, Bewerber zu suchen und einzustellen, im Militär, Soldaten anzuwerben oder einzuziehen. Reflexiv gebraucht heißt „sich rekrutieren aus“ so viel wie „sich zusammensetzen aus“. Das Wort geht über das Französische auf den Rekruten zurück.
Am häufigsten liest man das Wort heute in Stellenanzeigen und Personalberichten. Dort meint es die Suche nach neuen Mitarbeitern.
Der Ursprung liegt beim Militär. Und daneben gibt es eine dritte Verwendung, die viele überrascht, weil sie mit Personen gar nichts zu tun haben muss.
Hier stehen alle drei Bedeutungen, die Herkunft, die typischen Fachbereiche und die Beugung des Verbs.
Im Nachrichtendeutsch begegnet dir das Wort außerdem in Berichten über Organisationen, die Anhänger anwerben. Der Ton ist dort meist kritisch.
Die drei Bedeutungen
Die erste Bedeutung ist die militärische: Soldaten anwerben oder einziehen. Sie ist die älteste.
Die zweite ist die allgemeine: Personal für eine Organisation gewinnen. Diese Verwendung überwiegt heute deutlich.
Die dritte ist reflexiv. „Die Mitglieder rekrutieren sich überwiegend aus dem Handwerk“ heißt: Sie stammen daher, sie setzen sich daraus zusammen.
In dieser dritten Form steht das Verb ohne handelnde Person. Niemand wirbt aktiv, es geht um die Herkunft einer Gruppe.
Alle drei Bedeutungen teilen denselben Kern: Eine Gruppe wird aufgefüllt oder ergänzt.
Als Substantiv gibt es die Rekrutierung. Sie bezeichnet den Vorgang und wird in Berichten und Statistiken häufiger verwendet als das Verb.
Herkunft des Wortes
Rekrutieren kommt vom französischen recruter, das im 17. Jahrhundert das Ergänzen von Truppen bezeichnete.
Grundlage ist der Rekrut, französisch recrue, der neu eingezogene Soldat.
Dahinter steht das lateinische recrescere, nachwachsen, aus re- und crescere, wachsen. Die Truppe wächst also nach.
Im Deutschen ist das Wort seit dem 17. Jahrhundert belegt, zunächst allein im militärischen Zusammenhang.
Die englische Entsprechung to recruit stammt aus derselben Quelle. Über sie kamen die heutigen Begriffe Recruiting und Recruiter zurück ins Deutsche.
Der Vorgang lässt sich in Kennzahlen messen. Üblich sind die Dauer bis zur Besetzung, die Kosten pro Einstellung und die Zahl der Bewerbungen je Stelle.
Rekrutieren im Personalwesen
Im Personalwesen umfasst Rekrutierung die gesamte Suche: Bedarf ermitteln, Stelle ausschreiben, Bewerbungen sichten, Gespräche führen, Zusage aussprechen.
Der englische Begriff dafür ist Recruiting, die zuständige Person der Recruiter. Im Deutschen sagt man auch Personalgewinnung oder Personalbeschaffung.
Unterschieden wird zwischen interner und externer Rekrutierung. Intern besetzt das Unternehmen die Stelle aus der eigenen Belegschaft, extern sucht es auf dem Arbeitsmarkt.
Active Sourcing bezeichnet die direkte Ansprache von Personen, die sich gar nicht beworben haben, meist über Berufsnetzwerke.
Zu trennen ist das Rekrutieren vom Einstellen. Rekrutieren umfasst die Suche und Auswahl, das Einstellen ist der Vertragsschluss am Ende.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz setzt dabei Grenzen. Stellenanzeigen und Auswahlverfahren dürfen niemanden wegen Merkmalen wie Geschlecht, Alter oder Herkunft benachteiligen.
Auch Vereine, Parteien und Ehrenämter rekrutieren. Dort geht es um Mitglieder und Freiwillige statt um bezahlte Stellen.
Rekrutieren beim Militär
Im militärischen Sinn meint das Wort das Anwerben oder Einziehen von Soldaten. Der Neuzugang heißt Rekrut, die Grundausbildung Rekrutenausbildung.
Bei einer Wehrpflicht spricht man von Aushebung oder Musterung, bei einer Freiwilligenarmee von Anwerbung.
In Deutschland ist die Wehrpflicht seit dem 1. Juli 2011 ausgesetzt. Sie steht weiter im Grundgesetz und ist nicht abgeschafft, wird im Frieden aber nicht angewandt.
Die Bundeswehr rekrutiert deshalb über freiwilligen Wehrdienst und Bewerbungen wie ein Arbeitgeber.
Das Wort wird auch negativ verwendet, etwa wenn von der Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen die Rede ist. Das Anwerben von Kindern für Streitkräfte ist völkerrechtlich verboten.
Der Rekrut selbst ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Das Wort bezeichnete zunächst den Ersatzmann für ausgefallene Soldaten.
Rekrutieren in Forschung und Medizin
In der Forschung werden Probanden oder Teilnehmerinnen für eine Studie rekrutiert. Der Vorgang heißt Rekrutierung und wird im Studienprotokoll beschrieben.
Wie die Teilnehmenden ausgewählt werden, entscheidet über die Aussagekraft. Eine schiefe Auswahl verzerrt das Ergebnis.
In der Physiologie hat das Wort eine ganz andere Bedeutung. Rekrutierung bezeichnet dort, dass bei steigender Kraft nach und nach mehr motorische Einheiten im Muskel aktiviert werden.
Auch in der Immunologie wird es verwendet, wenn Abwehrzellen an einen Entzündungsort gelockt werden.
In allen Fällen bleibt der Grundgedanke: Etwas wird herangeholt und einer Aufgabe zugeführt.
Bei klinischen Studien wird die Rekrutierung vorab genehmigt. Eine Ethikkommission prüft unter anderem, wie die Teilnehmenden angesprochen und aufgeklärt werden.
Grammatik und Alternativen
Rekrutieren ist ein schwaches Verb. Die Formen lauten: ich rekrutiere, du rekrutierst, er rekrutiert, Präteritum rekrutierte, Partizip rekrutiert.
Das Perfekt kommt ohne ge- aus, wie bei allen Verben auf -ieren: „hat rekrutiert“.
Betont wird die Silbe -tie-: re-kru-tie-ren.
Reflexiv steht es mit der Präposition aus: „Die Gruppe rekrutiert sich aus Freiwilligen.“
Als Alternativen bieten sich an: anwerben, gewinnen, einstellen, suchen, zusammensetzen. Welche passt, hängt davon ab, welche der drei Bedeutungen gemeint ist.
Im Alltagsdeutsch wirkt das Wort formell. „Wir suchen neue Kollegen“ sagt dasselbe und klingt weniger nach Verwaltung.
Häufige Fragen
Was heißt rekrutieren im Beruf?
Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen, auswählen und für das Unternehmen gewinnen.
Was bedeutet „sich rekrutieren aus“?
Sich zusammensetzen aus oder stammen aus. Es beschreibt die Herkunft einer Gruppe.
Woher kommt das Wort?
Vom französischen recruter und dem Rekruten, letztlich vom lateinischen recrescere für nachwachsen.
Ist rekrutieren dasselbe wie einstellen?
Nein. Rekrutieren meint Suche und Auswahl, Einstellen den Abschluss des Arbeitsvertrags.
Gilt in Deutschland noch die Wehrpflicht?
Sie ist seit dem 1. Juli 2011 ausgesetzt, steht aber weiterhin im Grundgesetz.
Wie wird rekrutieren betont?
Auf der drittletzten Silbe: re-kru-tie-ren.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Was bedeutet GOAT? Bedeutung, Herkunft und Beispiele
- Was bedeutet esoterisch? Bedeutung, Herkunft und Beispiele
- Was bedeutet DIY? Abkürzung, Herkunft und Beispiele
Geschrieben von Clara, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






