Wie viele Wale gibt es auf der Welt? Arten und Bestände

Kurz gesagt: Es gibt rund 90 Walarten, wenn man Delfine und Schweinswale mitzählt — was zoologisch korrekt ist. Eine Gesamtzahl aller Wale lässt sich nicht seriös angeben, weil die Bestände je Art zwischen wenigen hundert und mehreren Millionen Tieren liegen. Der Blauwal kommt auf etwa 10.000 bis 25.000 Tiere, der Buckelwal auf rund 135.000.

Was zu den Walen zählt

Zoologisch bilden die Wale eine Ordnung, zu der auch alle Delfine und Schweinswale gehören. Der Große Tümmler ist damit ebenso ein Wal wie der Blauwal. Diese Einordnung überrascht viele, ist aber seit langem gesichert.

Unterschieden werden zwei große Gruppen: Bartenwale und Zahnwale. Bartenwale filtern Kleinlebewesen aus dem Wasser, Zahnwale jagen einzelne Beutetiere. Zu den Bartenwalen zählen etwa fünfzehn Arten, zu den Zahnwalen alle übrigen.

Wale sind Säugetiere, deren Vorfahren an Land lebten und vor rund fünfzig Millionen Jahren ins Wasser zurückkehrten. Ihre nächsten lebenden Verwandten sind die Flusspferde. Die Fossilfunde dazu gehören zu den besten Belegen für einen solchen Übergang.

Warum es keine Gesamtzahl gibt

Wale leben über alle Ozeane verteilt, tauchen über lange Zeiträume ab und wandern über tausende Kilometer. Eine gleichzeitige Zählung ist ausgeschlossen. Alle Angaben sind Hochrechnungen aus Stichproben.

Erhoben wird über Schiffs- und Flugzeugtransekte, über akustische Aufzeichnungen der Rufe und über Fotoidentifikation einzelner Tiere anhand ihrer Fluke. Jede Methode hat ihre Grenzen. Für viele Arten liegen deshalb nur grobe Spannen vor.

Hinzu kommt, dass sich Bestände regional stark unterscheiden können. Eine Art kann im Nordatlantik erholt und im Nordpazifik bedroht sein. Weltzahlen verdecken solche Unterschiede.

Die großen Bartenwale

Der Blauwal ist das größte Tier, das jemals auf der Erde gelebt hat, und erreicht bis zu dreißig Meter Länge. Der Bestand wurde durch den Walfang auf wenige hundert Tiere reduziert und liegt heute bei geschätzt 10.000 bis 25.000. Die Erholung verläuft langsam.

Der Finnwal ist die zweitgrößte Art und kommt auf mehrere hunderttausend Tiere. Auch er wurde stark bejagt und hat sich seither deutlich erholt. Sein Bestand gilt heute als weniger gefährdet.

Der Grauwal existiert nur noch im Nordpazifik; die atlantische Population wurde vor Jahrhunderten ausgerottet. Der ostpazifische Bestand erholte sich auf mehrere zehntausend Tiere. Der westpazifische umfasst dagegen nur wenige hundert.

Die Zahnwale

Der Pottwal ist der größte Zahnwal und taucht auf der Jagd nach Tintenfischen über tausend Meter tief. Sein Bestand wird auf mehrere hunderttausend Tiere geschätzt. Er war das Hauptziel des historischen Walfangs.

Delfine stellen den größten Teil der Artenzahl und kommen bei manchen Arten auf Millionen Individuen. Der Gewöhnliche Delfin gehört dazu. Andere Delfinarten sind dagegen auf kleine Regionen beschränkt und selten.

Am Ende der Skala steht der Vaquita, ein kleiner Schweinswal aus dem Golf von Kalifornien. Sein Bestand liegt bei etwa zehn Tieren. Er gilt als das am stärksten bedrohte Meeressäugetier der Welt.

Der historische Walfang

Der industrielle Walfang des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts tötete nach Schätzungen weit über zwei Millionen Großwale allein im zwanzigsten Jahrhundert. Ganze Populationen wurden dabei bis an den Rand des Verschwindens gebracht. Blau- und Buckelwale traf es besonders hart.

1986 trat ein Moratorium der Internationalen Walfangkommission in Kraft, das den kommerziellen Walfang untersagt. Einzelne Staaten fangen weiterhin unter Ausnahmeregelungen oder außerhalb der Kommission. Die Zahlen liegen aber weit unter den historischen.

Seither haben sich mehrere Bestände deutlich erholt, allen voran der Buckelwal. Andere Arten zeigen kaum Fortschritte. Der Unterschied hängt an Fortpflanzungsrate und aktueller Bedrohungslage.

Die heutigen Gefahren

Die größten Risiken sind heute nicht mehr Harpunen, sondern Beifang in Fischereinetzen, Kollisionen mit Schiffen und Lärm unter Wasser. Beifang gilt als häufigste Todesursache bei Kleinwalen. Für den Vaquita ist er die entscheidende Bedrohung.

Unterwasserlärm aus Schifffahrt, seismischen Untersuchungen und Sonar stört die Verständigung über große Entfernungen. Bartenwale kommunizieren über hunderte Kilometer. Lärm verkleinert diese Reichweite erheblich.

Hinzu kommen Plastik, Schadstoffe und die Verschiebung von Nahrungsgründen durch veränderte Meerestemperaturen. Diese Faktoren wirken langsam und sind schwer zu messen. Sie gelten als langfristig bedeutsam.

Wale vor der deutschen Küste

In Nord- und Ostsee lebt der Schweinswal, die einzige heimische Walart mit dauerhaftem Vorkommen. In der Nordsee wird der Bestand auf mehrere zehntausend Tiere geschätzt. In der Ostsee ist die Population sehr klein und stark gefährdet.

Gelegentlich verirren sich größere Wale in die Nordsee, darunter Pottwale, die dann meist stranden. Solche Ereignisse werden regelmäßig gemeldet. Die flache Nordsee ist für tieftauchende Arten eine Falle.

Schutzgebiete und Auflagen für die Fischerei sollen den Schweinswal sichern. Der Erfolg ist umstritten. Die Ostseepopulation gilt weiterhin als vom Aussterben bedroht.

Wale und ihre Bedeutung fürs Meer

Wale transportieren Nährstoffe zwischen Wasserschichten, weil sie in der Tiefe fressen und an der Oberfläche ausscheiden. Dieser Vorgang düngt die oberen Wasserschichten und fördert das Wachstum von Plankton. Fachleute sprechen von einer Nährstoffpumpe.

Plankton bindet dabei Kohlendioxid, ein Teil davon sinkt langfristig in die Tiefsee. Über diesen Weg wirken Walbestände auf den Kohlenstoffkreislauf. Der Effekt ist Gegenstand aktueller Forschung.

Auch der Körper eines gestorbenen Wals spielt eine Rolle: Ein sogenannter Walfall ernährt am Meeresboden über Jahrzehnte eine eigene Lebensgemeinschaft. Manche Arten kommen ausschließlich dort vor. Weniger Wale bedeuten damit weniger Lebensräume.

Häufige Fragen

Wie viele Walarten gibt es?

Rund neunzig, Delfine eingerechnet.

Sind Delfine Wale?

Ja, zoologisch gehören sie dazu.

Wie viele Blauwale gibt es?

Geschätzt 10.000 bis 25.000.

Welche Art ist am stärksten bedroht?

Der Vaquita mit etwa zehn Tieren.

Seit wann ist Walfang verboten?

Das Moratorium gilt seit 1986.

Was bedroht Wale heute?

Beifang, Schiffskollisionen und Lärm.

Welche Wale leben vor Deutschland?

Der Schweinswal.

Warum gibt es keine Gesamtzahl?

Bestände lassen sich nur je Art hochrechnen.

Welche Rolle spielen Wale im Ökosystem?

Sie verteilen Nährstoffe zwischen Wasserschichten.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

Nach oben scrollen