Wie viele Länder gibt es? 193, 195 oder mehr – je nach Zählung

Kurz gesagt: Die Vereinten Nationen haben 193 Mitgliedstaaten. Rechnet man die beiden Beobachterstaaten Vatikanstadt und Palästina hinzu, sind es 195. Je nachdem, welche umstrittenen Gebiete man mitzählt, kommt man auch auf über 200.

Es gibt keine Behörde, die weltweit festlegt, was ein Land ist. Deshalb hängt die Antwort davon ab, wen man fragt.

Die 193 UN-Mitglieder

Das ist die Zahl, die im Zweifel gemeint ist. Sie ist eindeutig, weil die Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen ein förmlicher Akt ist: Aufnahme durch die Generalversammlung auf Empfehlung des Sicherheitsrats.

Der jüngste Mitgliedstaat ist Südsudan, aufgenommen am 14. Juli 2011. Davor kam Montenegro dazu, nachdem sich Serbien und Montenegro 2006 getrennt hatten.

Die zwei Beobachterstaaten

Vatikanstadt ist Nichtmitgliedstaat mit Beobachterstatus. Der Heilige Stuhl hat sich nie um die Vollmitgliedschaft beworben, um sich politisch neutral zu halten.

Palästina hat seit 2012 denselben Status. Über 140 UN-Mitglieder erkennen es als Staat an, andere nicht.

Mit ihnen kommt man auf 195 – die Zahl, mit der viele Atlanten und Lehrbücher arbeiten.

Die umstrittenen Fälle

Taiwan hat Regierung, Währung, Armee und 23 Millionen Einwohner. Bis 1971 vertrat es China in der UNO. Heute erkennen es nur rund ein Dutzend Staaten offiziell an.

Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit und wird von etwa 100 Staaten anerkannt, darunter Deutschland. Serbien, Russland und China lehnen ab, weshalb eine UN-Aufnahme am Sicherheitsrat scheitert.

Weitere Fälle: Nordzypern (nur von der Türkei anerkannt), Westsahara, Abchasien, Südossetien, Transnistrien, Somaliland.

Was einen Staat ausmacht

Die gängige Definition stammt aus der Montevideo-Konvention von 1933. Danach braucht ein Staat vier Dinge: ein Staatsgebiet, ein Staatsvolk, eine Regierung und die Fähigkeit, mit anderen Staaten Beziehungen aufzunehmen.

Das erklärt das Problem: Die ersten drei Punkte kann ein Gebiet aus eigener Kraft erfüllen. Der vierte hängt davon ab, ob andere mitspielen. Genau daran scheitern Taiwan und Kosovo.

Warum andere Zählungen andere Zahlen nennen

Der internationale Fußballverband FIFA hat 211 Mitglieder – mehr als die UNO, weil England, Schottland, Wales und Nordirland getrennt antreten und auch Gebiete wie Gibraltar oder die Färöer dabei sind.

Das Internationale Olympische Komitee führt 206 Nationale Olympische Komitees. Die ISO-Norm 3166 listet über 240 Ländercodes, weil sie auch abhängige Gebiete wie Grönland oder Bermuda erfasst.

Wie ein Staat in die UN kommt

Die Aufnahme setzt eine Empfehlung des Sicherheitsrats und eine Zweidrittelmehrheit der Generalversammlung voraus. Weil im Sicherheitsrat fünf Staaten ein Vetorecht haben, kann ein einzelnes Mitglied eine Aufnahme dauerhaft verhindern. Genau daran scheiterten mehrere Anträge.

Der jüngste Beitritt war Südsudan im Jahr 2011, kurz nach der Unabhängigkeit vom Sudan. Davor kam Montenegro 2006 dazu, nach der Trennung von Serbien. Beide Fälle zeigen das übliche Muster: Erst Abspaltung, dann Anerkennung, dann Aufnahme.

Die Schweiz trat erst 2002 bei, nach einer Volksabstimmung, obwohl sie schon lange Sitz mehrerer UN-Einrichtungen war. Neutralität und Mitgliedschaft galten dort lange als unvereinbar. Das zeigt, dass Mitgliedschaft eine politische Entscheidung ist, keine automatische Folge von Staatlichkeit.

Die Montevideo-Kriterien

Was einen Staat ausmacht, beschreibt am bekanntesten die Konvention von Montevideo aus dem Jahr 1933. Sie nennt vier Merkmale: ein Staatsgebiet, ein Staatsvolk, eine funktionierende Staatsgewalt und die Fähigkeit, Beziehungen zu anderen Staaten aufzunehmen. Anerkennung durch andere Staaten steht ausdrücklich nicht darin.

In der Praxis entscheidet Anerkennung trotzdem fast alles: Ohne sie gibt es keine Botschaften, keine Verträge, keine Mitgliedschaft in Organisationen und oft keinen Zugang zu internationalen Zahlungswegen. Ein Gebilde kann alle vier Kriterien erfüllen und trotzdem international nicht handlungsfähig sein.

Deshalb unterscheidet die Rechtswissenschaft zwischen der deklaratorischen und der konstitutiven Sicht: Nach der einen existiert ein Staat aus sich heraus, nach der anderen erst durch Anerkennung. Beide Auffassungen werden vertreten. Die Praxis liegt dazwischen.

Die bekanntesten Zweifelsfälle

Der Kosovo erklärte 2008 die Unabhängigkeit und wird von rund hundert Staaten anerkannt, darunter Deutschland, nicht aber von Serbien, Russland und China. Eine UN-Mitgliedschaft scheitert deshalb am Sicherheitsrat. Der Internationale Gerichtshof erklärte die Unabhängigkeitserklärung 2010 für völkerrechtlich zulässig.

Taiwan verfügt über Regierung, Währung, Streitkräfte und Pass, wird aber nur von wenigen Staaten anerkannt, weil die Volksrepublik China diplomatische Beziehungen davon abhängig macht. Bis 1971 vertrat Taiwan China in den Vereinten Nationen. Seither hat die Volksrepublik den Sitz.

Weitere Fälle sind Nordzypern, das nur die Türkei anerkennt, sowie Abchasien, Südossetien und Transnistrien mit sehr wenigen Anerkennungen. Auch Palästina gehört dazu, allerdings mit Beobachterstatus in den Vereinten Nationen. Die Zahl der Anerkennungen ändert sich fortlaufend.

Warum Länderzahlen in Quizfragen abweichen

Sportverbände zählen eigenständig: Das Internationale Olympische Komitee führt über zweihundert Nationale Olympische Komitees, weil Gebiete wie Puerto Rico, Hongkong oder Aruba eigene Teams stellen. Der Fußballweltverband kommt sogar auf über zweihundertelf Mitglieder, unter anderem weil England, Schottland, Wales und Nordirland getrennt antreten.

Die Weltbank, der Weltpostverein und die Weltgesundheitsorganisation haben jeweils eigene Mitgliederlisten mit abweichenden Zahlen. Auch die Zahl der offiziellen Länderkennungen für Domains liegt höher, weil sie Territorien einschließt. Jede dieser Zahlen ist in ihrem Zusammenhang richtig.

Wer eine Quizantwort sucht, liegt mit 195 meistens richtig, weil das die gängigste Zählung ist: 193 Mitglieder plus Vatikan und Palästina als Beobachter. Bei Zweifeln lohnt die Rückfrage, welche Liste gemeint ist. Ohne diese Angabe ist die Frage nicht eindeutig.

Was sich in Zukunft ändern könnte

Unabhängigkeitsbestrebungen gibt es in vielen Regionen, von Schottland über Katalonien bis Neukaledonien. Ob daraus neue Staaten entstehen, hängt an Abstimmungen, an der Haltung des jeweiligen Zentralstaats und an internationaler Anerkennung. Prognosen sind unseriös.

Umgekehrt können Staaten auch verschwinden, durch Zusammenschluss wie bei der deutschen Wiedervereinigung oder durch Zerfall wie bei Jugoslawien und der Sowjetunion. Beides ist im zwanzigsten Jahrhundert mehrfach vorgekommen. Die Landkarte ist nie endgültig.

Ein eigener Fall sind Inselstaaten, deren Gebiet durch steigende Meeresspiegel bedroht ist. Völkerrechtlich ist ungeklärt, was mit der Staatlichkeit geschieht, wenn das Staatsgebiet unbewohnbar wird. Mehrere pazifische Staaten arbeiten bereits an rechtlichen Vorkehrungen.

Häufige Fragen

Welches ist das kleinste Land?

Vatikanstadt mit 0,44 Quadratkilometern und wenigen hundert Einwohnern.

Welches ist das größte?

Russland mit rund 17 Millionen Quadratkilometern – etwa ein Neuntel der gesamten Landfläche der Erde.

Wie viele Länder hat Europa?

Je nach Abgrenzung 44 bis 50. Die Europäische Union hat 27 Mitgliedstaaten, der Europarat 46.

Kommen noch Länder dazu?

Selten. Seit 1990 sind vor allem durch den Zerfall der Sowjetunion und Jugoslawiens neue Staaten entstanden. Die letzte Aufnahme liegt 2011 zurück.

Wer war der letzte Neuzugang in der UN?

Südsudan im Jahr 2011.

Was sind die Montevideo-Kriterien?

Staatsgebiet, Staatsvolk, Staatsgewalt und Beziehungsfähigkeit.

Warum ist Taiwan kein UN-Mitglied?

Wegen der Haltung der Volksrepublik China.

Warum nennt die FIFA mehr Länder?

Weil England, Schottland, Wales und Nordirland getrennt antreten.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.

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