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Kurz gesagt: Der weltweite Bestand wird auf rund 135.000 Buckelwale geschätzt. Nach dem industriellen Walfang waren es Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nur noch wenige tausend Tiere. Der Buckelwal gilt damit als eines der erfolgreichsten Beispiele für die Erholung einer Großwalart.
Der Absturz und die Erholung
Vor Beginn des industriellen Walfangs lebten vermutlich mehrere hunderttausend Buckelwale in allen Ozeanen. Bis in die sechziger Jahre wurde der Bestand auf wenige tausend Tiere reduziert, in einzelnen Regionen auf wenige hundert. Die Art stand vor dem Verschwinden.
1966 stellte die Internationale Walfangkommission den Buckelwal unter Schutz, zwanzig Jahre vor dem allgemeinen Moratorium. Seither wächst der Bestand in den meisten Regionen kontinuierlich. Die jährlichen Zuwachsraten liegen bei mehreren Prozent.
Heute gilt die Art insgesamt nicht mehr als gefährdet, auch wenn einzelne Populationen weiterhin klein sind. Die Erholung zeigt, dass Schutzmaßnahmen bei Großwalen wirken. Sie brauchen allerdings Jahrzehnte.
Wo Buckelwale leben
Buckelwale kommen in allen Weltmeeren vor und wandern zwischen kalten Nahrungsgebieten und warmen Fortpflanzungsgebieten. Im Sommer fressen sie in polnahen Gewässern, im Winter ziehen sie in die Tropen. Diese Wanderungen gehören zu den längsten im Tierreich.
Einzelne Tiere legen dabei über achttausend Kilometer je Strecke zurück. Während der Wanderung und in den Fortpflanzungsgebieten fressen sie kaum und zehren von ihren Fettreserven. Die gesamte Jahresnahrung wird in wenigen Monaten aufgenommen.
Die Populationen der Nord- und Südhalbkugel begegnen sich praktisch nie, weil ihre Sommer zeitlich versetzt liegen. Genetisch sind sie deshalb weitgehend getrennt. Auch die Gesänge unterscheiden sich zwischen den Regionen.
Der Gesang
Männliche Buckelwale erzeugen lange, strukturierte Gesänge, die aus wiederkehrenden Motiven bestehen und über Stunden fortgesetzt werden. Alle Männchen einer Population singen dabei dieselbe Fassung. Diese verändert sich im Lauf einer Saison gemeinsam.
Beobachtet wurde, dass sich neue Gesangsvarianten über Jahre von einer Population zur nächsten ausbreiten, meist von West nach Ost. Das gilt als eines der bemerkenswertesten Beispiele für kulturelle Übertragung im Tierreich. Der Vorgang ist über Jahrzehnte dokumentiert.
Wozu die Gesänge dienen, ist nicht abschließend geklärt. Angenommen werden Partnerwerbung und Abgrenzung zwischen Männchen. Beides schließt sich nicht aus.
Die Blasennetz-Jagd
Buckelwale jagen mit einer besonderen Technik: Mehrere Tiere umkreisen einen Schwarm Fische von unten und stoßen dabei Luftblasen aus, die eine Art Netz bilden. Die Fische weichen den Blasen aus und werden dadurch zusammengetrieben. Anschließend stoßen die Wale mit geöffnetem Maul von unten hindurch.
Diese Technik wird nicht von allen Populationen angewandt, sondern regional weitergegeben. Sie gilt damit als erlerntes Verhalten. Auch das spricht für eine Form kultureller Übertragung.
Die Jagd erfordert Abstimmung zwischen mehreren Tieren, teils mit festen Rollen. Beobachtungen zeigen wiederkehrende Gruppen über Jahre. Solche Zusammenschlüsse sind bei Bartenwalen eher selten.
Wie gezählt wird
Buckelwale lassen sich vergleichsweise gut zählen, weil jedes Tier ein individuelles Muster auf der Unterseite der Schwanzflosse trägt. Fotografien dieser Fluke wirken wie ein Fingerabdruck. Große Datenbanken sammeln solche Aufnahmen weltweit.
Aus der Wiederentdeckung bekannter Tiere lässt sich die Bestandsgröße statistisch hochrechnen. Diese Methode ist deutlich zuverlässiger als reine Sichtungszählungen. Auch Freiwillige tragen Aufnahmen bei.
Zusätzlich werden akustische Aufzeichnungen und genetische Proben ausgewertet. Zusammen ergeben sie ein vergleichsweise klares Bild. Für andere Großwale ist die Datenlage schlechter.
Die heutigen Gefahren
Die größten Risiken sind heute Verfangen in Fischereigerät, Kollisionen mit Schiffen und Störungen durch Unterwasserlärm. Besonders in Küstennähe kommt es regelmäßig zu Verwicklungen in Leinen und Netze. Solche Verletzungen verlaufen oft tödlich.
Spezialisierte Teams befreien verfangene Tiere, was gefährlich und aufwendig ist. Vorbeugende Maßnahmen wie leinenlose Fanggeräte werden erprobt. Ihre Verbreitung ist bislang gering.
Langfristig wirkt sich zudem die Verschiebung der Nahrungsgründe aus, weil Krill und Kleinfische auf veränderte Wassertemperaturen reagieren. Wandernde Arten sind davon besonders betroffen. Die Folgen sind noch nicht absehbar.
Wo man sie beobachten kann
Buckelwale gehören zu den am häufigsten beobachteten Walen, weil sie küstennah wandern und häufig aus dem Wasser springen. Bekannte Gebiete sind Island, Norwegen, Kanada, Hawaii, Australien und die Dominikanische Republik. Die Saison hängt jeweils an der Wanderung.
Für Beobachtungsfahrten gelten in vielen Ländern Regeln zu Mindestabstand, Fahrgeschwindigkeit und Aufenthaltsdauer. Seriöse Anbieter halten sich daran und weisen darauf hin. Wiederholtes Stören beeinträchtigt Ruhe- und Säugezeiten.
In deutschen Gewässern kommen Buckelwale nicht regelmäßig vor. Einzelne Sichtungen in der Nordsee sind Ausnahmen. Wer sie sehen will, muss reisen.
Wie Buckelwale aussehen
Buckelwale werden zwölf bis sechzehn Meter lang und wiegen bis zu dreißig Tonnen, wobei Weibchen etwas größer werden als Männchen. Auffällig sind die extrem langen Brustflossen, die fast ein Drittel der Körperlänge erreichen. Kein anderer Wal hat vergleichbare Proportionen.
Auf Kopf und Unterkiefer sitzen knotige Erhebungen, in denen jeweils ein Haar steckt. Ihre Funktion ist nicht abschließend geklärt, vermutet wird eine Rolle bei der Strömungswahrnehmung. Sie geben dem Tier sein charakteristisches Aussehen.
Die Unterseite der Schwanzflosse trägt ein individuelles Schwarz-Weiß-Muster. Genau dieses Muster macht die Wiedererkennung einzelner Tiere möglich. Es ändert sich über das ganze Leben kaum.
Fortpflanzung und Aufzucht
Weibchen bringen etwa alle zwei bis drei Jahre ein einzelnes Kalb zur Welt, nach einer Tragzeit von rund elf Monaten. Die Geburt findet in warmen Gewässern statt, wo die Kälber ohne dicke Fettschicht überleben können. Gesäugt wird etwa ein Jahr lang.
Die Milch ist außerordentlich fettreich, sodass ein Kalb täglich mehrere zehn Kilogramm zunimmt. Diese schnelle Entwicklung ist nötig, weil die erste Wanderung in kalte Gewässer bevorsteht. Mutter und Kalb bleiben dabei eng zusammen.
Diese niedrige Fortpflanzungsrate erklärt, warum die Erholung des Bestands Jahrzehnte gedauert hat. Jedes verlorene Weibchen wiegt schwer. Bei Arten mit noch langsamerer Vermehrung dauert es entsprechend länger.
Häufige Fragen
Wie viele Buckelwale gibt es?
Rund 135.000 weltweit.
Waren sie fast ausgerottet?
Ja, es blieben nur wenige tausend Tiere.
Seit wann sind sie geschützt?
Seit 1966.
Wie weit wandern sie?
Bis über achttausend Kilometer je Strecke.
Warum singen Buckelwale?
Vermutlich zur Werbung und Abgrenzung.
Was ist die Blasennetz-Jagd?
Beute wird mit Luftblasen zusammengetrieben.
Wie werden sie gezählt?
Über Fotos der individuellen Fluke.
Was bedroht sie heute?
Fischereigerät, Schiffe und Lärm.
Wie groß werden Buckelwale?
Zwölf bis sechzehn Meter.
Wie oft bekommen sie Junge?
Etwa alle zwei bis drei Jahre eines.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Wie viele Buddhisten gibt es? Rund 500 Millionen weltweit
- Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt? Rund 7.000 – mit fallender Tendenz
- Wie viele Spinnen gibt es in Deutschland? Rund 1.000 Arten
Geschrieben von Bella, Redaktion frageecke.de — sie schreibt hier über Alltagsfragen und ihre Antworten.






